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Drastische Erhöhung der Kita-Gebühren

Kommunale Krippenplätze werden ab September um 50 Euro teurer - 04.05.2015 21:18 Uhr

Gerade in den Krippen ist der finanzielle Aufwand wegen der intensiven Betreuung hoch – künftig müssen die Eltern daher tiefer in die Tasche greifen. Wer nicht viel Geld hat, kann aber über die wirtschaftliche Jugendhilfe von der Gebühr ganz oder teilweise befreit werden. © Foto: dpa


Damit ist aber zu rechnen, da sich die Stadträte bereits im Februar für die Erhöhung aussprachen – damals fehlten allerdings noch genaue Zahlen (die NZ berichtete). Das Konzept, das Prölß und Jugendamtschefin Kerstin Schröder gestern der Presse vorstellten, sieht nun vor, dass Eltern in kommunalen Krippen künftig 190 statt 140 Euro für eine Betreuung von fünf bis sechs Stunden am Tag zahlen müssen. Im Zweijahresrhythmus sollen die Gebühren dann jeweils um weitere 50 Euro angehoben werden, im Jahr 2021 würde ein Krippenplatz also 340 Euro kosten.

Hintergrund der drastischen Erhöhung: Während ein kommunaler Krippenplatz in der Hauptbuchungszeit nur besagte 140 Euro monatlich kostet, zahlen die Eltern bei den freien Trägern im Schnitt 312 Euro. Die Stadt München verlangt 281 Euro. Ein ähnliches Missverhältnis gibt es bei den Kindergärten (Nürnberg: 100 Euro/Freie Träger: 162/München: 160) und den Horten (75/136/140). „Wir haben da einen riesigen Nachholbedarf“, so Prölß. Deswegen wird ab 2015 ein Kindergartenplatz bei Buchungszeiten von sieben bis acht Stunden täglich 120 statt 100 Euro kosten, 2018 und 2021 sollen weitere Erhöhungen um je 20 Euro folgen.

Die Hortplatzgebühr soll 2015 von 75 auf 100 (vier bis fünf Stunden) und dann 2017 nochmals auf 130 Euro steigen. Den Erhöhungsrhythmus von zwei sowie drei Jahren habe man bei Krippen und Kindergärten gewählt, um Eltern jeweils nur einmal pro Einrichtung mit einer solchen Steigerung konfrontieren zu müssen, erläuterte Prölß. Dieses Zugeständnis an die Eltern musste aber dem Kämmerer abgerungen werden – weil die Plätze bisher so billig waren, schoss die Kommune für den aktuellen Haushalt
9,1 Millionen Euro zu. Diese Summe soll sich durch die Anpassungen bis 2020 mehr als halbieren.

Prölß räumt ein, dass die Gebührenerhöhungen „keine prickelnde Angelegenheit sind“. Er gibt aber auch zu bedenken, dass von der deutlichsten Anpassung, nämlich den teurer werdenden Krippenplätzen, nur ein relativ kleiner Personenkreis betroffen ist. Die Kommune hält nur 9 Prozent der Krippenplätze in der Stadt, in absoluten Zahlen sind es 383. „Die Hälfte dieser Eltern bekommt den Platz ohnehin über wirtschaftliche Jugendhilfe ganz oder teilweise finanziert.“

Die wirtschaftliche Jugendhilfe ist ein Hauptgrund dafür, dass die Stadt seit 2006 keine Erhöhung mehr durchzog. 53 Prozent der Eltern, die ihre Kinder in kommunale Kitas geben, sind wegen ihrer geringen Einkünfte ganz oder teilweise von der Gebühr befreit. „Deswegen gab es immer den Gedanken, dass wir bei einer Erhöhung nur von der rechten in die linke Tasche wirtschaften.“ Nun komme man aber um eine Anpassung nicht mehr herum. Prölß betonte, dass aufgrund des Jugendhilfe-Systems auch alle Kinder aus sozial schwierigen Lagen einen Kita-Platz bekommen: „Die Höhe der Gebühren wird nicht dazu führen, dass jemand sein Kind nicht in die Kita schicken kann.“

Um künftig solche enormen Sprünge zu vermeiden, würden Prölß und Schröder ab 2021 gerne eine jährliche, aber eben deutlich kleinere Erhöhung durchsetzen. Zudem schwebt ihnen vor, dass sogenannte Spiel- und Getränkegeld (zwischen drei und acht Euro), das die Mitarbeiter in den Kitas einsammeln müssen, ab der zweiten Stufe der Erhöhung nicht mehr zu verlangen. Das würde dem Personal auch mehr Freiräume verschaffen. Eine endgültige Entscheidung über die neue Gebührensatzung fällt wohl im Juli im Stadtrat.  

Marco Puschner

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