Dienstag, 13.11.2018

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Drei Jahre zu spät: Neue Škoda-Züge bieten wenig Komfort

Fahrzeuge gehen 2019 zwischen Nürnberg und München an den Start - 31.10.2018 10:00 Uhr

Statt der bisherigen 413 Plätze bieten die neuen Škoda-Züge Sitzgelegenheiten für 676 Personen - Doch das macht sich auch an der Komfortabilität bemerkbar. © Arno Stoffels


Der München-Nürnberg-Express (MNE) ist ein voller Erfolg. Seit Deutschlands schnellster Regionalverkehr 2006 auf die neuen Gleise zwischen Nürnberg, Ingolstadt und München gesetzt wurde, strömen die Reisenden und selbst an einem durchschnittlichen Werktag herrscht oft drangvolle Enge an Bord der alten InterCity-Garnituren. Kein Wunder: Die Züge sind bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell und erreichen nach gut eindreiviertel Stunden München. Das ist nur 40 beziehungsweise 30 Minuten langsamer als der ICE. Während hier die einfache Fahrt zweiter Klasse ohne Bahncard oder Sparpreis inzwischen aber 57 Euro kostet, gilt im MNE beispielsweise auch das Bayernticket.

Das dringend neue Züge mit mehr Platzangebot nötig sind, ist seit Jahren klar. 2013 bestellte die Bahn dann auch neue Fahrzeuge beim tschechischen Fahrzeugbauer Škoda Transportation. Traditionshersteller wie Siemens, Alstom oder Bombardier kamen nicht zum Zug. Die Bahn erhoffte sich vom Konkurrenten Skoda vor allem, dass Liefertermine eingehalten werden und die sechs Garnituren, die jeweils aus sechs Doppelstockwaggons und einer Lok bestehen, wie vereinbart Ende 2016 an den Start gehen können. Doch daraus wurde nichts. Bei der Vorstellung des neuen Fahrzeugs auf einem Bahngelände in Langwied bei München erklärte Guido Vogel als technischer Leiter bei Škoda Transportation Deutschland, dass die Züge wohl erst ab Sommer 2019 nach und nach an die DB übergeben werden.

Škoda Transportation hat Auftrag gewaltig unterschätzt

Der Grund für die dann beinahe dreijährige Lieferverzögerung erklärt Vogel mit "technischen Herausforderungen" und einer "intensiven Entwicklungsarbeit". Mit anderen Worten: Škoda Transportation hat den Auftrag gewaltig unterschätzt, Doppelstockwagen zu bauen, die für eine Geschwindigkeit von 190 Stundenkilometern ausgelegt sind und zudem druckdicht sein müssen, damit Fenster und Türen auch den Kräften bei einer Tunnelbegegnung mit dem ICE standhalten, der auf der Strecke auch mit Tempo 300 unterwegs ist. Auch jetzt fehlt den Zügen noch die Zulassung vom zuständigen Eisenbahn-Bundesamt.

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Mit fast dreijähriger Verspätung gehen die neuen Regio-Fahrzeuge des tschechischen Herstellers Škoda auf Strecke. Die Züge sind bis zu 200 Kilometer pro Stunde schnell und schaffen die Prestigestrecke Nürnberg-München in 1.45 Stunden. Der München-Nürnberg-Express will außerdem mit neuen Garnituren punkten und bietet zudem 676 statt der bisherigen 413 Plätze. Wir haben uns in den Zügen umgesehen.


Vogel rechnet damit bis Anfang 2019. Der bayerische DB-Regio-Chef Hansrüdiger Fritz ist selbstverständlich alles andere als begeistert von der erheblichen Lieferverzögerung, will bei der Vorstellung des Zugs aber nicht noch zusätzlich Salz in die Wunde streuen. Immerhin hätte in der Zwischenzeit mit den alten IC-Garnituren ein vernünftiges Ersatzkonzept gefahren werden können, so Fritz. Irgendwie hätte sich das Warten zudem auch gelohnt, meint er – schon weil künftig 676 statt wie bisher 413 Plätze pro Zug zur Verfügung stehen und sich damit eine Lösung für die oft drangvolle Enge an Bord abzeichnet. Dennoch könnte es durchaus sein, dass die Reisenden mit dem neuen Fahrzeug fremdeln werden. 

Innenraumkonzeption wirkt unglücklich

Im Innern herrscht große Nüchternheit und bei einem Rundgang wird schnell klar, dass der Fokus bei dem neuen Fahrzeug klar auf der Beförderung möglichst vieler Reisender liegt. Wer über 1,80 Meter groß ist, geht mit den Knien seines Gegenübers automatisch auf Tuchfühlung. Die Polsterung der Sitze ist ziemlich hart. Wer im Obergeschoss am Fenster Platz nimmt, macht mit dem Kopf sehr schnell Bekanntschaft mit der gekrümmten Fensterumrandung im Deckenbereich. Besonders unglücklich wirkt die Innenraumkonzeption aber unten. Zum einen ragen hier teils die verkleideten Treppenaufgänge in den Raum.


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Zum anderen haben sich die Ingenieure dazu entschlossen, die Rohrleitungen der Klimaanlage nicht wie üblich entlang der Bodenkante, sondern wuchtig im Gangbereich in Kopfhöhe zu verbauen. Die Durchgänge vor den Türen sind an diesen Stellen eng wie in einem U-Boot und elegant sieht das alles ohnehin nicht aus. Genauso erfordert es einiger Geschicklichkeit oder doch wenigstens begrenzter Körpermaße, um in die Toiletten hineinzukommen und die Tür hinter sich zu schließen. Wenigstens bezüglich der Abdeckung für die Klima-Rohre soll noch nachgebessert werden. Ansonsten finden die DB-Verantwortlichen das Neufahrzeug bei der Vorstellung doch ziemlich in Ordnung. In ein paar Monaten werden sie dann auch wissen, was die Fahrgäste dazu sagen.

 

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