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Ehrungsmarathon für Nürnberger Sportler

203 Sportler des Jahres eingeladen - Neben großem Stolz auch Kritik - 21.01.2013 07:00 Uhr

NÜRNBERG  - Die Sportlerehrung der Stadt Nürnberg wurde am Freitagabend zu einem Marathon: Über drei Stunden lang wurden 166 Sportler aufgerufen und geehrt, 37 hatten im Vorfeld abgesagt. Hinzu kamen ein Rahmenprogramm und Grußworte. „Das Programm muss gestrafft werden“, findet Olympiasieger Max Müller.

Auch Elena Krawzow, die bei den Paralympics im letzten Jahr die Silbermedaille über 100 Meter im Schwimmen holte, wurde ausgezeichnet.
Auch Elena Krawzow, die bei den Paralympics im letzten Jahr die Silbermedaille über 100 Meter im Schwimmen holte, wurde ausgezeichnet.
Foto: Roland Fengler
Auch Elena Krawzow, die bei den Paralympics im letzten Jahr die Silbermedaille über 100 Meter im Schwimmen holte, wurde ausgezeichnet.
Auch Elena Krawzow, die bei den Paralympics im letzten Jahr die Silbermedaille über 100 Meter im Schwimmen holte, wurde ausgezeichnet.
Foto: Roland Fengler

Alfred Castano Manias hat seinen Fotoapparat mitgebracht. Natürlich. Nichts, was der Vorsitzende des Taekwondo-Vereins Özer nicht für seinen Verein und die Ewigkeit ablichtet. Heute wünscht man vor allen Dingen dem Akku seiner Kamera Durchhaltevermögen: Insgesamt 203 zu ehrende Sportlerinnen und Sportler hat der SportService der Stadt Nürnberg ausgewählt, alle haben „als Minimum die Deutsche Meisterschaft errungen“, wie Jürgen Thielemann, der Organisator, verrät. Auch er, sagt er, war überrascht, dass die Liste heuer so lang geworden ist. Darunter sind auch 14 Kampfsportler von Taekwondo Özer — es wird ein langer Abend werden. Auch für Alfred Castano Manias und seine Kamera.


Das Aushängeschild seines Vereins, Olympia-Teilnehmerin Sümeyye Manz, wird als Vierte auf die Bühne gebeten, die Einleitung des Abends ist anderen vorbehalten: den Hockey-Olympiasiegern Max Müller und Christopher Wesley. „Wir haben überlegt, wie oft wir eigentlich schon hier waren“, verrät Max Müller. Sie sind auf zwölf- oder 13-mal gekommen. „Ich habe den Chrissi daran erinnert, wie es uns damals mit zwölf Jahren gefreut hat, als wir auch bekannte Sportler hier gesehen haben.“ Müller war deshalb immer da. „Egal, was man schon gewonnen und wie oft man schon dort war — das bedeutet mir schon etwas.“ Schade findet er, „dass man nie mal einen vom Club oder von den Ice Tigers sieht“.

„Darf keine Quälerei werden“

Kritik übt Müller auch an der Länge der Veranstaltung. Die Stadt sollte das Programm straffen. „Es ist ja auch keine optimale Wettkampfvorbereitung für die Sportler, wenn sie am Freitagabend dreieinhalb Stunden sitzen müssen. Es darf nicht zu einer Quälerei werden, geehrt zu werden.“

Als Mitglied der Sportkommission hat er sich schon Gedanken gemacht: „Andere Städte machen das mit einem Sportler-Ball. Wichtig ist, dass es kürzer oder zumindest kurzweiliger wird.“

Nach den Hockey-Spielern wird Servet Tazegül ausgerufen, der Gold für die Türkei im Taekwondo holte. Der Sportler des KSC Leopard hatte sich zwar für den Abend angemeldet, war aber offenbar doch lieber mit seiner Freundin und Mannschaftskameradin Melda Akcan nach Sonthofen ins Leistungszentrum gefahren. Akcan stand auch auf der Ehrungsliste der Stadt, sie hatte sich aber artig abgemeldet.

„Die Stützpunkttermine sind wichtig, hier kann man sich im Sparring messen — aber zu viel verraten darf man dann auch nicht im Trainingskampf, die Gegner merken sich alles. Schade, dass diese Termine heute kollidieren“, erzählt Alfred Castano Manias. Man könne es eben nicht jedem recht machen. Jetzt endlich wird auch Sümeyye Manz aufgerufen, sie war bei den Olympischen Spielen mit großen Plänen angetreten, allerdings wie schon in Peking in der ersten Runde gescheitert. „Leider habe ich meinen Traum wieder in nur sechs Minuten zerstört“, sagt sie der Moderatorin traurig und bekommt einen großen Blumenstrauß.

Dann zeigt sie ihren Babybauch ins Publikum: „Nach den Olympischen Spielen ist immer ein guter Zeitpunkt für Familienplanung. Es werden Zwillinge.“ Das Publikum seufzt begeistert. „Mal sehen, ob ich noch einmal zurückkommen kann, immerhin habe ich bald drei Kinder“, sagt Manz, dann geht sie zurück zu ihrem Platz. Doch hinsetzen darf sich die Schwangere noch nicht: Blumen nach links, Medaille nach vorn, lächeln — danke. Jetzt lächelt auch Alfred Castano Manias, denn er hat sein Foto. 

Bilderstrecke zum Thema
Eine Ehrung als Marathon: Fast drei Stunden dauerte die diesjährige Auszeichnung der Sportler der Stadt Nürnberg. Dazu kamen Rahmenprogramm und Grußworte.

 

Von Christoph Benesch


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