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Österreich, das ist das Land der Skifahrer, der Almen, des Kaiserschmarrns und Sissi. Das sind Berge, Schnee, die Streif, Kuhglocken, Mozart, Krankl, Sachertorte. Aber Hockey? In Österreich?
„Das höre ich oft. Ich kann aber auch Skifahren“, sagt Manuel Grandits und grinst. Er lehnt locker an der Wand der Halle am Berliner Platz. Gerade eben hat er mit dem NHTC den Klassenerhalt in der Hallen-Bundesliga perfekt gemacht, hat seinen Trainingsanzug angezogen und eine schwere Sporttasche zu seinen Füßen liegen. Hockeyschläger schauen heraus. „Ja, Hockey in Österreich“, sagt Grandits, das sei schon etwas Ausgefallenes. Aber Ausländer würden oft vergessen, dass die Hauptstadt Wien auf gerade einmal 100 Metern Seehöhe liegt. „Das ist eine ganz normale Großstadt, wie Berlin, Hamburg oder Leipzig.“ Und in normalen Großstädten, will er damit sagen, da gibt es eben auch immer ein paar Leute, die auf die Idee kommen Hockey zu spielen.
Genau genommen leben in Wien sogar fast alle Hockeyspieler Österreichs. Auch Grandits stammt aus einem Vorort. Er sagt: „Nahezu das komplette österreichische Hockey spielt sich in der Hauptstadt ab. Es gibt eine erste Liga samt österreichischer Meisterschaft, man bekommt einen Pokal, Medaillen — alles ganz normal. Nur, dass es eher eine Wiener Stadtmeisterschaft ist.“ SV Arminen, Wiener AC, Post SV, HC Wiener Neudorf, AHTC Wien, HC Wien — sechs von sechs Erstligaclubs stammen aus der österreichischen Hauptstadt.
Begonnen mit Hockey hat Manuel Grandits beim AHTC, doch die Kumpels spielten bald bei den Arminen, auch der Nationaltrainer wurde dort beschäftigt. Also wechselte der damals 15-Jährige den Club, wurde Meister auf dem Feld und in der Halle.
Mittlerweile ist Grandits 24 Jahre alt und hat mit fast 70 Länderspielen bereits die viertmeisten Einsätze des aktuellen Nationalkaders auf seinem Buckel. Als 16-Jähriger spielte er schon in der U21, wurde mit der U16 Europameister — in Wien.
„Der Klassenerhalt mit dem NHTC in der ersten Liga war wichtig, auch weil es für mich spricht, in Deutschland Bundesliga zu spielen, ganz klar.“ Deshalb ist er ja überhaupt nach Deutschland gewechselt. „Ich bin anfangs eigentlich nur wegen des Hockeys gekommen.“ Grandits wollte den nächsten Schritt in seiner Entwicklung machen, von der höheren Trainings- und Spielqualität profitieren. „In Österreich hast du zehn Sekunden Zeit, wenn du die Kugel hast. In Deutschland nur eine.“ Das reizte ihn, er findet „ich habe mich in einem Jahr schon weiterentwickelt“.
Auch NHTC-Trainer Norbert Wolff sieht das so. „Vor allem im Tempo, in der Aktionsgeschwindigkeit, hat Manu sich stark verbessert.“ Arbeiten müsse Grandits aber „definitiv in der Offensive. Er hat alle Qualitäten, ist technisch gut ausgebildet, schnell, athletisch. Nur traut er sich zu wenig, weil er keine Fehler machen will.“ Von der Verspieltheit, von der andere seiner Spieler zu viel hätten, habe Manuel Grandits zu wenig. „Er spielt noch zu viel Sicherheitshockey“, sagt Wolff.
Trotzdem hätten sich auch größere Clubs als der NHTC angeboten, mit besseren finanziellen Möglichkeiten. „Mir gefällt aber der familiäre Verein, außerdem hat der NHTC andere Qualitäten — man versucht, Jobs zu vermitteln, kümmert sich sehr um die Spieler.“ So sitzt Grandits mittlerweile schon bei drei Jugendmannschaften auf der Trainerbank — „ein kleines Taschengeld springt da schon heraus“. Weil es ihm gar so gut in Franken gefällt, hat er nun auch die Uni gewechselt. „Anfangs bin ich zu den Prüfungen nach Hause gefahren. Jetzt habe ich mein Betriebswirtschaftsstudium auch nach Nürnberg verlagert.“
Hierfür sucht er nun einen kleinen Job, „vielleicht im Marketing oder in der Marktforschung“, sagt Grandits. Mit dem Verdienst möchte er sich auf eigene Füße stellen — „ich wohne ja immer noch bei den Wesleys“.
Abteilungsleiterin Susa Wesley hatte Grandits kurzerhand aufgenommen. „Ich kümmere mich aber um alles — ich koche, wasche meine Wäsche selbst und so weiter. Ich hoffe, ich bin ein angenehmer Mitbewohner“, sagt Manuel Grandits.
Zum Dank hat er seine Gastfamilie schon bekocht. Einmal gab es Nudeln, ein anderes Mal Kaiserschmarrn.
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