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Ein wichtiger Sieg, zehn Matchwinner

Beim 91:72 gegen Essen entdeckt der neue Nürnberger Basketballclub die Vorzüge des Mannschaftsspiels - 28.01.2013

Nürnberg  - Nach dem überzeugenden Sieg gegen den Essener TB schwebt der Nürnberger Basketballclub zwischen Play-off-Euphorie und Abstiegsangst. Ein unerwartet schöner Zustand.

Hat gut lachen: Zugang Michael Ray Nunnally junior fühlt sich inmitten seiner neuen Spielkameraden sichtlich wohl.
Hat gut lachen: Zugang Michael Ray Nunnally junior fühlt sich inmitten seiner neuen Spielkameraden sichtlich wohl.
Foto: Wolfgang Zink
Hat gut lachen: Zugang Michael Ray Nunnally junior fühlt sich inmitten seiner neuen Spielkameraden sichtlich wohl.
Hat gut lachen: Zugang Michael Ray Nunnally junior fühlt sich inmitten seiner neuen Spielkameraden sichtlich wohl.
Foto: Wolfgang Zink

Martin Bader blieb einfach sitzen. Er hatte ja auch kein T-Shirt vom Hallensprecher zugeworfen bekommen. Martin Bader blieb auch noch sitzen, als der Mann im Ganzkörperschlafanzug der Harlem Globetrotters jene Zuschauer dazu aufforderte aufzustehen, die einen guten Tag hatten.

Der einzigartige Dominik Mujkanovic aber wollte nicht nachlassen und schrie der Ohnmacht nahe in sein Mikrofon: „Steht auf und sagt ja, wenn ihr auf Nürnberg steht.“ Da erhob sich auch der Sportvorstand des 1. Fußballclub Nürnberg von seinem Plastiksitz.

Dominik Mujkanovic, Stimme und Maskottchen des Nürnberger Basketballclubs hatte es zuletzt nicht einfach. Jede Woche musste er die Namen samt Trikotnummer der neuen Profis lernen, die der als internationaler Basketballmarkt euphemisierte Menschenhandel nach Nürnberg spülte, und jeden zweiten Samstag den Besuchern der Heimspiele nahezu ohne Unterstützung der Nürnberger Basketballer eine Show bieten, die den Abend dann doch noch ganz schön machte. Dieser Samstagabend aber war auch ein gelungener, weil sich der Hallensprecher und die Hallenspieler gleichermaßen um die Animation verdient gemacht hatten.


Spätestens ab dem dritten Viertel war das 91:72 gegen den Essener Turnerbund Schwarz-Weiß das beste Basketballspiel des NBC in dieser Saison. Die völlig neu formierte Mannschaft verschlief schon aus Tradition die ersten zehn Minuten (11:19), glänzte danach aber durch temporeichen Teambasketball (die Statistik weist insgesamt unglaubliche 29 Assists aus), mit nachlassender Kraft der Gäste durch spektakuläre Dunkings und, jawohl, auch durch nachdrückliche Verteidigungsarbeit.

Inspirierender Neuzugang

„Mir hat heute die Intensität von Ahmad Smith und Dorian McDaniel gefallen“, stellte Alexander Lolis fest, „vor allem aber auch die Verteidigung von Juan Reile und Cornelius Adler.“ Der Geschäftsführer und Hauptsponsor wurde ebenso wie der fleißige und leidgeprüfte Trainerneuling Martin Ides und der vielbeschäftigte Scout Wendell Maxey erstmals seit langer Zeit wieder durch eine ernsthafte Leistung der Mannschaft belohnt.

Lolis nannte Reile und Adler, ein Geheimnis dieses klaren Erfolgs gegen den direkten Konkurrenten aber war, dass sich bis auf den jungen Sebastian Wyczisk und den glücklosen Luke Fabrizius jeder NBC-Spieler konstruktiv einbrachte: Smith griff sich unbemerkt elf Rebounds und teilte 14, zum Teil famose Vorlagen aus. McDaniel erarbeitete sich 20 Punkte. Reile verteidigte vorbildlich und glänzte offensiv per Dreier und Korbleger, als es Ende des dritten Abschnitts am wichtigsten war. Adler nahm in einer entscheidenden Phase den Bundesliga-erfahrenen Marco Buljevic aus dem Spiel und traf selbst hochprozentig. Ronald Thompson lieferte dafür Punkte als seine Kollegen ihre Betriebstemperatur noch nicht erreicht hatten. Nikita Khartchenkov sorgte für Ruhe und Spielverständnis, Zamal Nixon ebenfalls für herrliche Zuspiele und Tempo und Michael Nunnally, lediglich vier Tage nach seiner Ankunft, für Energie und krachende wie inspirierende Dunkings.

Dem aufmerksamen Leser fällt auf, dass Sebastian Schröder in dieser Aufzählung fehlt. Er traf in 5:24 Minuten einen Distanzwurf, holte einen Rebound, machte keinen Fehler — und ist das bedauernswerte Beispiel dafür, dass auch der Coach seinen Anteil am Erfolg hatte. Anders als bei der Niederlage in Jena nahm Ides im vierten Viertel keine Wechsel vor, um den Rhythmus nicht zu stören, und zum richtigen Zeitpunkt eine Auszeit,

als die Mannschaft von der eigenen Euphoriewelle weggespült wurde.

Aber was war das nun? Ein Sieg gegen den drohenden Abstieg (weil der Abstand auf den vorletzten Platz nach wie vor nur zwei Punkte beträgt)? Oder ein Sieg für eine erstmalige Teilnahme an den Play-offs? „Erstens wollen wir nicht absteigen“, sagte Lolis, „zweitens ist es allein die Sache der Mannschaft.“ Eine Prognose: Der Hallensprecher und ein NBC in dieser Form werden die Zuschauer in der Halle am Berliner Platz noch öfter von den Plastiksitzen reißen.

 

VON SEBASTIAN BÖHM


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