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Eisi Gulp auf "Hackedicht Schultour" in Nürnberg

Kabarettist sensibilisierte humorvoll die Schüler des Hans-Sachs-Gymnasiums - 20.10.2015 20:24 Uhr

Der Münchner Kabarettist und Komödiant Eisi Gulp nutzt sein Talent, um Kinder und Jugendliche bei der "Hackedicht Schultour" für die Gefahren von legalen Drogen zu sensibilisieren. Im Hans-Sachs-Gymnasium machte die Tour nun erstmals auch in Nürnberg Halt. © Horst Linke


„Rauchen kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz“ steht auf der Zigarettenschachtel des Kollegen. Ernst nimmt er den Hinweis offenbar nicht, denn sonst würde er das Rauchen wohl besser sein lassen. Vielleicht würde er die Warnung auch nicht mehr einfach ignorieren, hätte er sich schon einmal mit dem Kabarettisten und Komödianten Eisi Gulp unterhalten.

Der sagt nämlich: „Liebe Männer, wollt ihr euch eure einzige wirkliche Aufgabe im Leben mit dem Rauchen tatsächlich versauen?“ Dazu lässt er auf der Bühne in der Turnhalle des Hans-Sachs-Gymnasiums den erhobenen Zeigefinger sinnbildlich nach unten sinken.

Einen erhobenen Zeigefinger kennen die Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Klassen in anderem Zusammenhang gut. Dass der bei Eltern oder Lehrern, die damit vehement versuchen, ihnen Alkohol und Drogen zu verbieten, noch nie richtig gut funktionierte, ist kein Geheimnis. Wer kennt es nicht, dass das, was Mama und Papa verbieten, erst dadurch besonders interessant wird.

Wie kann Mama einem aber auch sagen, man solle die Finger von Drogen lassen, weil sie gefährlich seien, wenn sie doch selbst gerne mal ein Gläschen Wein trinkt? Oder wie ernst kann man Papas Warnungen nehmen, wenn er doch nach dem Abendessen jedes Mal genüsslich seine Zigarette raucht?

„Unser Verhalten beeinflusst das unserer Kinder“, weiß Eisi Gulp. Apropos: „Gibt es eigentlich etwas Dümmeres, als Zigaretten zu rauchen?“, fragt der Kabarettist. Bei der „Hackedicht Schultour“, getragen von der Versicherung Knappschaft, warnt er nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern humorvoll an den richtigen Stellen, aber bitterernst vor den Gefahren vor allem legaler Drogen. „Man inhaliert Rauch aus einem Verbrennungsprozess. Wir alle wissen, dass Rauch gefährlich ist. Oder würde sich einer von euch über einen Kamin hängen? Das ist doch totaler Bullshit.“

Oft liege es am Gruppenzwang. Aber auch der Manipulation durch die Industrie gibt Gulp eine Mitschuld daran, dass Kinder und Jugendliche zum Alkohol- und Zigarettenkonsum verführt werden. „Das ist nicht cool. Wisst ihr, was ich cool finde? Wenn ihr eure Birne einschaltet und den großen Industrien, denen es nur um Kohle geht, den Mittelfinger zeigt.“

Sein zweistündiges Programm ist nicht einfach eine von vielen Aufklärungskampagnen. Es ist die Abrechnung mit einer ganzen Gesellschaft, mit einem falschen Bild, das Kindern und Jugendlichen vermittelt wird.

„Wenn der 15-jährige Sohn nach einem ordentlichen Rausch in den Garten kotzt, dann ist das okay. Aber wehe, er raucht einen Joint“, kritisiert Gulp. 905 Drogentote zählte Deutschland im letzten Jahr. „Das sind aber nur Opiat-Tote. Von den 70 000 Menschen, die im Suff dahingegangen sind, ist keine Rede. Genauso wenig wie von den 180 Menschen, die pro Tag an den Folgen ihres Nikotinkonsums sterben.“ 

Stefanie Taube E-Mail

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