Montag, 18.12. - 08:02 Uhr

|

Elnaz Amiraslani: Rumtreiberin mit Hang zur Selbstironie

Sie mischt mit ihrer „soziokulturellen Eventagentur“ die hiesige Szene ganz kräftig auf - 24.09.2014 10:43 Uhr

Ein Energiebündel: Elnaz Amiraslani. © Foto: linsenmonster.de


So ganz sei der „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Plan zwar noch nicht aufgegangen, lacht Elnaz Amiraslani, aber „eigentlich fühle ich mich tatsächlich in den besten Kreisen angekommen.“ Einen Plan hat’s eh nie gegeben. Eher scheint alles einfach so passiert zu sein. Und zwar so: 1985 mit der Familie von Teheran nach Baden-Württemberg gezogen, landet die junge Iranerin 1998 in Nürnberg und damit als freie Redakteurin beim Musikmagazin Zentralnerv, „wo ich mit gefährlichem Halbwissen Bands mit nervigen Fragen löcherte und mich mit meinem selbstgebastelten Presseausweis dreist für sämtliche Gästelisten im Umkreis von 50 Kilometern akkreditierte.“

Immerhin kommt die heute 33-Jährige so ins Organisationsteam des ehemaligen „Forum“, wo sie 1999 die ersten HipHop-Partys schmiss, „bei denen der Zugang mit Buffalo-Schuhen untersagt war.“ Nach Volontariat und Praktika unter anderem in Hamburg kehrt die quirlige Allrounderin 2004 zurück nach Nürnberg, wo kulturell alles beim Alten war: „Offen, herzlich und voller Möglichkeiten!“

Und die ergreift sie wenige Jahre darauf während der Elternzeit. Weil „still sitzen und nichts tun nicht so meins ist“, gründet Elnaz Amiraslani nach der Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau beim Concertbüro Franken mit Mentor Peter Harasim „Parvenue“. Der Name – auch so ein Zufallsding, entstanden 1999 aus dem eigentlichen Plan, das Musikprojekt „Partner für Musiknachwuchs in Nürnberg“ zu initiieren. Zu lang, zu sperrig, „PafüMuNü“ irgendwie… naja. Dafür hübsch und ziemlich ähnlich klingend: das französische Wort für eingangs erwähnten Emporkömmling, das im Althochdeutschen auch für Rumtreiber steht.

„Heute würde man Partynase sagen, und das passt doch ganz gut zu mir“, findet Elnaz Amiraslani. Seit der Selbstständigkeit 2009 ruht Parvenue beinahe bodenständig auf drei Säulen: PR-Dienstleistungen, der Event-Bereich und der des Bookings. Die Umtriebe der „One-WomanShow“ dürften den meisten Nürnbergern hinlänglich bekannt sein. Sommer- und Winterkiosk gehören dazu, Varieté-Burlesque-Shows, Lesungen, Bands wie Superskank oder Henriette oder das Trash Wrestling, bei dem sich alljährlich die Szene kloppt. Und das hintergründig dazu dienen soll, die unterschiedlichen Inseln der Stadt miteinander zu verknüpfen.

Bilderstrecke zum Thema

Fünf Fragen an... Elnaz Amiraslani, Veranstaltungsagentur Parvenue

nordbayern.de hat Elnaz Amiraslani einen Tag lang beim Plakatieren, beim Wrestling-Training, im Kindergarten und Zuhause begleitet.


Als „soziokulturelle Eventagentur“ bezeichnet Elnaz Amiraslani den roten Faden, der sich durch ihr Schaffen zieht, als Schnittstelle zwischen Musik, Kultur und gesellschaftlichen Anliegen, die sie zu bedienen versucht, „weil allein die hedonistische Branche mir doch zu oberflächlich wäre.“ So ein „Gender-Ding“, das der Veranstalterin wichtig ist, sind z.B. ihre bayernweiten Musikförderungsprojekte oder das „Female HipHop Festival“. Die Devise: „Mehr Mädels auf die Bühne!“

Label gegründet

Neu ist das Thema Inklusion: Die Münchner Band „Blind & Lame“, eine blinde Mutter und ihre Tochter im Rollstuhl, hat sie mit ihrem Anfang 2014 gegründeten Musiklabel „Parvenue Records“ unter Vertrag genommen hat. „Bei meiner Arbeit sollen gesellschaftliche Anliegen auf leicht verdauliche, künstlerische Art und Weise nach außen transportiert werden“, sagt Elnaz Amiraslani, der ein intimes, persönliches Zusammenarbeiten wichtig ist. So wichtig, dass beispielsweise bekannte Bands und Künstler kurzerhand im heimischen Gästezimmer einquartiert werden.

Ach ja, und außerdem gibt sie als Dozentin Workshops für Nachwuchsbands, betreibt mit ihrem Lebensgefährten im Quelle-Kreativzentrum ein Tonstudio, geht mit ihren Bands bundesweit auf Tour und legt hier und da auch mal selbst einen Abend als
„DJane Erna“ auf.

Und da ist noch die Familie, um die sich die junge Mutter kümmert. Ist das nicht alles ein bisschen viel? „Es war schon schlimmer“, lacht sie. „Klar, meine Arbeitsstunden verteilen sich anders. Aber im Großen und Ganzen mache ich auch nur einen spießigen Bürojob.“ Das ist vielleicht ein bisschen untertrieben. Vielleicht ist es aber auch einfach nur sehr selbstironisch. Parvenue eben.

5 Jahre Parvenue, Freitag, 26. September, ab 21 Uhr; Club Stereo, Klaragasse 8 

Katharina Wasmeier

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg