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Eltern als Lehrer Hineinwachsen in ein Leben mit Kindern

Zehn Jahre PAT bei der Awo Nürnberg Unterstützungsprogramm „Mit Eltern lernen“ feiert zehnjähriges Bestehen — Vorreiterrolle für andere Städte - 12.05.2015 19:35 Uhr

Michael Schobelt, Awo-Vorstand. © Foto: PR


Dafür gab es auch viele gute Gründe: Nürnberg war die erste Stadt im deutschsprachigen Raum, die das aus den USA kommende Programm „Parents as Teachers“ oder „Mit Eltern lernen“ 2005 einführte. „Pat“ füllte eine Lücke, denn bis dahin hatte es kein Angebot für junge Familien gegeben, das sie von der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr ihres Kindes begleitet. „Pat“ ist auf die hiesigen Verhältnisse zugeschnitten, wird von der Awo Nürnberg durchgeführt, von der Stadt finanziert und von der gemeinnützigen Stiftungs-GmbH „Deutschland Rundet Auf“ unterstützt. Dabei greifen die Programmbausteine Hausbesuche, Gruppenangebote, soziale Vernetzung und individuelles Feedback ineinander.

Awo-Vorstand Michael Schobelt berichtete: „Die Familien bestätigen immer wieder, wie sehr ihnen das Programm dabei geholfen hat, in die Elternrolle hineinzuwachsen, ihr Kind angemessen zu fördern und durch den Austausch mit anderen Eltern und den Elterntrainerinnen Sicherheit zu gewinnen.“ 2005 hatte die Awo mit 59 Familien das Programm gestartet, bis heute wurden 415 Familien mit 480 Kindern betreut. Die 106 Familien, die 2014 in Nürnberg an „Pat“ teilnahmen, kamen aus 25 verschiedenen Herkunftsländern. Die zertifizierten Elterntrainerinnen unter Leitung von Hilde Nägele stammen aus verschiedenen Ländern und können mit den Müttern in einigen Fällen in deren Heimatsprache kommunizieren.

Einige Mütter dankten von der Bühne herab für die sinnvolle Unterstützung: „Es war eine tolle Erfahrung mit diesem Programm. Ich möchte vielen Leuten da draußen sagen, dass sie das auch nutzen sollen“, sagte Helen Ubah (38). Die Mutter von vier Kindern stammt aus Nigeria, lebt seit sieben Jahren in Nürnberg und hatte ihre kleine Danisha dabei. „Ich sehe das Programm als wichtige Investition in die Zukunft unserer Kinder“, betonte Anna Fetsch (37). Die Mutter einer 20- und einer dreijährigen Tochter kommt aus Russland und lobte die vielen positiven und interessanten Erlebnisse, tollen Ausflüge sowie die offene und hilfsbereite Art aller Mitarbeiter.

Sakar Nagar (33) aus dem lrak lebt seit 15 Jahren in Nürnberg und hat zwei sehr aktive Jungen, die neun und elf Jahre alt sind. „Starke Kinder kann man nur haben, wenn man starke Eltern hat, vor allem starke Mütter“, sagte sie. Dafür sei es wichtig gewesen, im Programm zu lernen, die Kinder weder zu überfordern, noch sie zu unterfordern. „Ich stand zwischen den Welten, denn das Wissen meiner Mutter war nicht nutzbar in einem anderen Land mit anderer Kultur.“

In einer Broschüre, die zum zehnten Geburtstag herausgegeben wurde, finden sich dann auch Zitate wie: „Es war mein erstes Kind, ich hatte sehr wenig Erfahrung und da hat mir das Programm sehr weitergeholfen“ oder „Besonders wichtig war für mich die Erklärung der verschiedenen Entwicklungsabschnitte des Kindes mit den dazu passenden Spielideen.“ Neben den Besuchen daheim gibt es regelmäßig Gruppentreffen in der Villa Leon. Dabei haben Fachleute in den vergangenen Monaten über Themen wie Unfallverhütung bei kleinen Kindern, Mehrsprachigkeit in der Familie und Sprachentwicklung bei Kleinkindern gesprochen.

Nürnbergs Vorreiterrolle hat dazu beigetragen, dass „Pat“ nun an 13 Standorten in Deutschland und in zwei Schweizer Kantonen angeboten wird. In einem Film der Medienwerkstatt Nürnberg, der bei der Feier gezeigt wurde, kam Prof. Andrea Lanfranchi von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich zu Wort. Dort wird eine umfangreiche Wirksamkeitsstudie zu „Pat“ erarbeitet. „Wir haben festgestellt, dass die Kinder durch dieses Programm in vielen Entwicklungsbereichen voraus sind“, sagte der Professor. Das betreffe besonders die Sprache, kleine Dinge wie das Durchschlafen und regelmäßiges Zähneputzen. Die Eltern durch das Programm zu trainieren, damit ihre Kinder eine optimale Förderung bekommen, zahle sich für die Familien auch in der sozialen Integration aus. 

ANTJE SEILKOPF

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