Montag, 24.09.2018

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Endgültiges Aus: "s'Gärtla" bleibt wohl für immer dicht

Niemand will den Kult-Biergarten in der Nähe des Stadions übernehmen - 29.04.2018 06:00 Uhr

Leere Bänke, leere Tische: Der bei Club-Fans beliebte Biergarten "s’Gärtla" nahe des Stadions hat seit zwei Jahren keine Gäste mehr empfangen. © Roland Fengler


Vor zwei Jahren noch standen hier Bierbänke, Fußballfans bekamen Bratwurstbrötchen und Bier. Jetzt jedoch befindet sich das Gelände an der Beuthener Straße im Dornröschenschlaf. Damit niemand auf dem unebenen Boden stolpert, umgibt jetzt ein Zaun das Areal. Die Brauerei Kitzmann aus Erlangen, die das Gelände früher von der Stadt gepachtet hat, hat es mittlerweile wieder abgegeben. Jetzt ist das Liegenschaftsamt dafür zuständig.

"Wir haben mit möglichen Nachfolgern gesprochen", sagt Dienststellenleiter Claus Fleischmann auf Nachfrage der Nürnberger Zeitung. Die Gespräche mit mehreren großen Brauereien seien jedoch alle im Sande verlaufen. Niemand erklärte sich bereit, den Biergarten zu übernehmen, umzubauen und den Fans wieder eine Heimat in der Nähe des Stadions zu geben.

Zu viele kostspielige Baumaßnahmen

Der Grund liegt auf der Hand: Wer das "s’Gärtla" übernimmt, der kann nicht einfach loslegen, sondern muss erst einmal jede Menge Geld investieren – es braucht schließlich komplett neue Gebäude, um den Biergarten wieder betreiben zu dürfen. Die jedoch sind nicht so einfach zu bauen. Auf dem Gelände stehen jede Menge Bäume – und weil der Bebauungsplan das Areal als Grünfläche mit möglicher Biergartenbewirtschaftung ausweist, dürfen die nicht gefällt werden.

"Die Baumaßnahmen, die nötig wären, sind sehr kostspielig", sagt Fleischmann – und das, obwohl überhaupt nur eine sehr begrenzte Fläche bebaut werden darf. Letztlich sei es für alle möglichen Nachfolger eine unternehmerische Frage gewesen, die dazu führte, dass sie lieber die Finger von dem Objekt ließen. Zumal bei einem Biergarten in dieser Lage davon auszugehen ist, dass er sowieso nur dann richtig brummt, wenn das Wetter passt und der 1. FC Nürnberg gerade spielt.

Behörden mussten Betrieb schließen

Für Fußballfans dürfte die Nachricht vom wohl endgültigen Aus für den Kultbiergarten eine traurige sein – vor zwei Jahren hatten sie schließlich noch versucht, das "s’Gärtla" zu retten. Für ihr "s’Gärtla" sammelten sie Unterschriften, organisierten Flashmobs und starteten eine Online-Petition. Doch es nützte alles nichts.

Der damalige Betreiber Peter Henkelmann – der das "s’Gärtla" erst im Februar 2016 übernommen hatte – musste den Biergarten aufgeben. Henkelmann änderte damals einiges auf dem Gelände – die Art und Weise jedoch, wie er den Biergarten bewirtschaftete, passte der städtischen Bauordnungsbehörde nicht. Sie nahm etwa Anstoß daran, dass auch drei Altstadtfesthütten auf dem Areal aufgestellt wurden. Das, so hieß es damals, sei genehmigungspflichtig.

Wirt und Behörden wurden sich nicht einig – auch nicht, nachdem Fristen immer wieder verlängert wurden. Es folgte, was folgen musste: Der Betrieb wurde seitens der Behörden im Juni 2016 geschlossen

Julia Vogl

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