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Fahrerlose Züge bald auch auf der U-Bahnlinie 1?

Umstellung könnte dank Fördergelder wieder aktuell werden - 10.10.2018 05:43 Uhr

Durch die "Dieselmilliarde" könnte in die Automatisierung des Fahrbetriebs auf der U-Bahnlinie 1 schon bald neuer Schwung kommen. © Eduard Weigert


Vor sechs Jahren hatte die VAG eine mögliche Automatisierung der Linie U1 bereits genauer unter die Lupe genommen, sozusagen als logische Fortsetzung des fahrerlosen Betriebs auf den beiden anderen Strecken U2 und U3. Doch nach ihren damaligen Berechnungen schien der Aufwand für eine Umstellung im Verhältnis zum Nutzen zu groß.

Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Der entscheidende Faktor: Nürnberg muss, wie die meisten Großstädte, deutlich mehr tun, um den Pkw-Verkehr und damit die Luftbelastungen zu reduzieren. Doch das klappt nur, wenn noch mehr Autofahrer auf den öffentlichen Nahverkehr umsteigen. "Kein anderes Verkehrsmittel motiviert dazu so stark wie die U-Bahn", stellt Nürnbergs Baureferent Daniel Ulrich fest. "Die Leute nehmen dafür im Durchschnitt sogar deutlich weitere Fußwege bis zum nächsten Haltepunkt in Kauf als bei Bus oder Straßenbahn."

"Das effizienteste Vorhaben"

Um den Umweltverbund aus Bahnen, Bussen und der Fahrradnutzung attraktiver zu machen, hat der Bund eine Milliarde Euro ausgelobt, um gute Ansätze zu belohnen. Auch Nürnberg hat ein ganzes Antragspaket eingereicht. Die Automatisierung der U1 ist der Eckpfeiler davon. "Das wäre das effizienteste Vorhaben und passt exakt in die Rubrik ,Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme‘", betont Ulrich.

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Freilich würde es gleich 100 Millionen Euro verschlingen – und die würde Nürnberg schon deshalb nicht bekommen, weil viel zu viele Kommunen um Anteile aus der sogenannten "Dieselmilliarde" buhlen. Und das auch ganz demonstrativ: "Wir Städte wollen auch das Signal setzen, dass eine Milliarde hinten und vorne nicht reicht. Das können wir nur mit solchen Anträgen belegen", legt der Chef im Bauhof nach. "Das Missverhältnis ist umso größer, als eigentlich die Autoindustrie in der Pflicht wäre. Die hat die Probleme verursacht – und Milliarden-Gewinne erwirtschaftet."

Automatisierung auf lange Sicht?

Mit welcher Fördersumme und -quote Nürnberg konkret rechnen könnte, sei freilich nicht absehbar, meint Ulrich. Ebenso wenig, wann Entscheidungen über die Mittelvergabe fallen.

Ein einfaches, leicht umsetzbares Vorhaben ist die Automatisierung allerdings nicht, auch weil die Strecke immerhin 19 Kilometer mit 27 Bahnhöfen umfasst. Veranschlagt werden sieben bis acht Jahre. "Das bisherige System von der U2 und U3 lässt sich nicht einfach übernehmen", gibt Friedrich Hantke, der Leiter des U-Bahnbauamts, zu bedenken. "Das ist auch schon wieder zehn Jahre alt, die Computertechnik hat sich längst weiterentwickelt."

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Deshalb liegen auch keine fertigen Pläne in den Schubladen. Also müsste erst eine Projektgruppe detailliert alle Anforderungen ausarbeiten und beschreiben. Auf dieser Grundlage erfolgen dann europaweite Ausschreibungen – ob erneut Siemens als "Hauspartner" zum Zuge käme, wäre offen.

U3 bald bis Großreuth

Parallel zur Installation der Sicherheits- und Steuerungstechnik, die samt Prüfungen und Abnahmen allein schon gut zwei Jahre in Anspruch nimmt, wären vermutlich auch bauliche Anpassungen erforderlich. "In den Bahnhöfen müssen auch Räume für die Elektronik geschaffen werden", merkt Hantke an. Spannend würde dann die eigentliche Einführungsphase. Da die U-Bahn nicht wochenlang Pause machen kann, wären vorübergehend wieder Züge mit und ohne Fahrer im Mischbetrieb unterwegs. Mittelfristig, sagt Ulrich, müsse die Stadt allerdings ohnehin die inzwischen in die Jahre gekommene U1 erneuern, wie es bei verschiedenen Bahnhöfen schon der Fall war. Da liege es nahe, dies mit einem "Qualitätssprung" zu verknüpfen. "Früher oder später kommt der fahrerlose Betrieb ohnehin überall."

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Greifbarer ist im Vergleich dazu die Verlängerung der U3 im Südwesten: In gut zwei Jahren wird der Abschnitt bis Großreuth eröffnet, aktuell ist der Rohbau so gut wie abgeschlossen. Parallel dazu laufen die Planungen für den folgenden Abschnitt bis Gebersdorf; der erste Spatenstich ist in rund einem Jahr vorgesehen. 

Wolfgang Heilig-Achneck

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