Dienstag, 18.12.2018

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Fall 22: Endstation Pflegeheim für Krebspatientin?

Parallel zur belastenden Diagnose verlor frühere Kosmetikerin auch ihre Wohnung - 05.12.2018 08:42 Uhr

In einem Erlanger Pflegeheim wird Jutta L. so oft wie möglich Sauerstoff zugeführt. Die Zeit versucht sie sich noch am ehesten mit Lesen zu vertreiben. Einen Fernseher hat sie bisher nicht in ihrem Zimmer. © Heilig-Achneck


Groß war sie noch nie, aber drahtig und sportlich aktiv, hielt sich fit mit Laufen und Schwimmen. Wer nun mitansieht, wie sie sich gebeugt vom Stuhl zum Bad oder zum Bett plagt, kann darüber nur erschrecken: Jutta L. hat nicht nur körperlich enorm an Kraft verloren. Für alle Wege, die nicht mit ein paar Schritten zu bewältigen sind, steht ein Rollstuhl parat.

Schwer zugesetzt hat ihr mit Anfang 50 in erster Linie ihre Tumorerkrankung: "Inflammatorischer Brustkrebs" lautet die Diagnose, eine seltene und besonders heimtückische Spielart. Die Belastung durch die Behandlungen, vor allem die Chemotherapie, kommen dazu – und die allgemein bedrückenden Lebensumstände.

Im vergangenen Sommer war die Tumorerkrankung entdeckt worden, die Krebszellen hatten auch schon gestreut und Leber und Knochen erfasst. Doch obwohl die Ärzte durchaus realistische Chancen auf eine weitgehende Genesung sehen und ihr Mut zusprechen, ist der Lebensmut der Patientin doch merklich geschwunden. "Ich bräuchte etwas, wofür ich kämpfen kann. Und hier finde ich auch keine Ansprechpartner oder Bekannte. Ich sitze nur herum", meint sie mit schon ziemlich resigniertem Unterton. "Manchmal glaube ich, ich bin im falschen Film."

Dabei könnte eine Portion eiserner Wille sicher nicht schaden, wenn es um die Überwindung der Krankheit geht. Die nötige Kraft könnte die Aussicht mobilisieren, wieder ein Leben außerhalb eines Pflegeheims führen zu können. Doch mehr als eine vage Sehnsucht danach gibt es für sie derzeit nicht. Und noch weniger die Perspektive, an ihre frühere Tätigkeit als Kosmetikerin anzuknüpfen.

Der entscheidende Grund: Ihr Partner, mit dem sie etliche gemeinsame (und zuletzt auch leidvolle) Jahre verbracht hatte, ist vor rund einem Jahr verstorben. So sehr sie das auch als Erlösung empfinden konnte, bedeutete es doch auch den Verlust der Wohnung. Denn der Mietvertrag lief auf seinen Namen – und die Eigentümer waren nicht bereit, Jutta L. als Nachfolgerin zu akzeptieren.

In ihrer Not suchte sie schon Rat beim Fürther Treffpunkt – und sah sich urplötzlich mit der fatalen Krebsdiagnose konfrontiert. Damit hatte sie von einem Tag auf den anderen auch weder Zeit noch Kraft, eine neue Bleibe zu suchen. Der bisherigen muss sie indes auch nicht mehr nachweinen, denn mit vielen Treppen und einer teuren Nachtspeicherheizung wäre sie ohnehin ungeeignet. Bitter freilich, dass sich auch die Hoffnung, bei einer Freundin Unterschlupf samt der nötigen Betreuung zu finden, inzwischen zerschlagen hat. Da ihre schmale Erwerbsunfähigkeitsrente ganz zur Deckung der Heimkosten herangezogen wird, bleibt ihr – wie vielen Menschen in ähnlicher Lage – nicht mehr als ein bescheidenes Taschengeld.

Die "Freude für alle"-Aktionskonten:

Sparkasse Nürnberg: DE63 7605 0101 0001 1011 11
Sparkasse Fürth: DE96 7625 0000 0000 2777 72
Sparkasse Erlangen: DE28 7635 0000 0000 0639 99
Postbank Nürnberg: DE83 7601 0085 0400 0948 54

Mit Überweisungsträgern unterstützen die Sparkassen im Großraum die Aktion.  

Wolfgang Heilig-Achneck

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