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Frau belästigt? Verfahren gegen Ausländerstopp-Stadtrat Luft

BIA-Stadtrat soll ausgerastet sein — weist Vorwürfe aber zurück - 06.10.2018 05:45 Uhr

Fridrich Luft, Stadtrat der Bürgerinitiative Ausländerstopp, hat erneut Ärger. © privat


Wenn Bürgermeister Christian Vogel (SPD) bei der Eröffnung des Volksfestes das erste Fass anzapft, dann ist dort auch allerhand Politprominenz zugegen. Brauerei, Festwirt, Schaustellerverband und Stadt laden Stadträte und Abgeordnete ein. Doch die diesjährige Eröffnung des Herbstvolksfestes hat für einige Gäste ein polizeiliches Nachspiel.

Besucher schildern, dass BIA-Stadtrat Fridrich Luft im Festzelt Papert ausgerastet sei. Der Anlass? Luft wollte sich an einen Tisch mit Vertretern der Partei Die Linke und der SPD setzen, wie mehrere Augenzeugen bestätigen. "Aber wir wollten das nicht", berichtet SPD-Stadträtin Claudia Arabackyj auf Anfrage.

Linken-Politikerin erstattet Anzeige

"Ich habe ihm klar gesagt, dass ich das nicht möchte und dass er gehen soll", sagt auch eine Linken-Politikerin im Gespräch mit der Redaktion. Doch Fridrich Luft habe sich dann einfach neben sie gequetscht. "Dabei hat er mich an einer Stelle berührt, wo man Frauen nicht berührt", fährt das Mitglied der Linken fort, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Sie sei schließlich zur Security, weil sie sich belästigt gefühlt habe, so die junge Frau weiter. Der Sicherheitsdienst brachte den sich heftig wehrenden BIA-Stadtrat auf den Boden und fixierte ihn. Für Luft endete der Abend auf der Polizeiwache.

Die betroffene Linken-Politikerin erstattete noch am selben Tag Anzeige gegen Luft wegen des Vorwurfs der sexuellen Belästigung, wie sie gegenüber den Nürnberger Nachrichten sagt. Der BIA-Stadtrat wurde daraufhin erkennungsdienstlich behandelt und musste eine DNA-Probe abgeben.

Es habe am Tag der Volksfesteröffnung einen Polizeieinsatz gegeben, bestätigt denn auch Polizeisprecher Michael Petzold auf Anfrage. In diesem Zusammenhang seien mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, fährt er fort. Im Fall der Linken-Politikerin prüft die Polizei dem Vernehmen nach den Vorwurf der Beleidigung auf sexueller Grundlage.

Fridrich Luft weist alle Vorwürfe zurück. Er habe nichts Verbotenes getan und dieser Frau nicht an die Brust gefasst. "Ich habe nicht mal zufällig Körperkontakt mit ihr gehabt", sagt er auf Anfrage.

Dass er sich neben sie auf die Bierbank gesetzt hat, räumt der rechtsextreme Stadtrat ein. "Da war noch Platz." Er habe wissen wollen, wer die Frau sei. Denn seiner Darstellung zufolge soll sie ihm — wie auch Linke-Liste-Stadtrat Titus Schüller — den Mittelfinger gezeigt haben, als er am Biertisch vorbeiging. Deshalb habe er beide auch wegen Beleidigung angezeigt, so Luft weiter.

Rücklings von Bank gezerrt

Der BIA-Stadtrat sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Er sei auch nicht alkoholisiert gewesen, habe nur 0,7 Promille gehabt. Der Security wirft er vor, ihn zu hart angefasst zu haben. Sie habe ihn rücklings von der Bank gezerrt. Am nächsten Morgen habe ihm alles wehgetan. Seine Finger seien so geschwollen gewesen, dass er kein Lenkrad mehr anfassen konnte, weshalb er über 20 Tage krankgeschrieben gewesen sei, sagt der VAG-Busfahrer.

Zum Mittelfinger-Vorwurf wollen die Vertreter der Linken nicht viel sagen. Titus Schüller wirkt allerdings überrascht. "Ich weiß nichts von einer Anzeige gegen mich." Auch die betroffene Linken-Vertreterin weiß ihren Angaben zufolge nichts davon.

Luft ist bereits Anfang des Jahres im Stadtrat ausgerastet. Dort fühlte er sich offensichtlich von Mittelfrankens DGB-Chef Stephan Doll provoziert. Luft störte die Sitzung durch Zwischenrufe und tat sinngemäß kund, dass er sich von dem Gewerkschafter beleidigt und in seiner Ehre verletzt fühlte. Als Doll die Sitzung nach Ende seines Beitrags verlassen wollte, ging Luft diesem aufgebracht hinterher und verfolgte ihn bis zur Garderobe. Vor dem Sitzungszimmer kam es Zeugen zufolge beinahe zu tumultartigen Szenen. Am Ende blieb es beim Wortgefecht. Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) verwarnte den Stadtrat hinterher. Sollte dieser noch einmal eine Sitzung massiv stören, soll er ausgeschlossen werden. 

Sabine Stoll E-Mail

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