Freitag, 18.01.2019

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Früh übt sich der Jungunternehmer

„Jugend denkt Zukunft“: Schüler tauchten eine Woche lang in eine andere Welt ein - 01.03.2014

Welches Bild hat die Jugend vom Unternehmertum? „Aus eigener Erfahrung eigentlich gar keins. Oder nur das Bild, das ihnen ihre Eltern vermitteln“, klagt Christine Bruchmann, Chefin der Fürst-Gruppe, die 4400 Menschen in den Sektoren Zeitarbeit, Gebäudereinigung und Sicherheit beschäftigt.

Fiktive Firmen

Um Abhilfe zu schaffen, startete die bundesweite Initiative „Jugend denkt Zukunft“. Gymnasiasten und Unternehmer vor Ort schließen sich zu einem einwöchigen Schnupperkurs zusammen, die Unternehmer laden die Jugendlichen in ihren Betrieb ein und erzählen von ihren vielfältigen Aufgaben. Umgekehrt gründen Teams von drei bis fünf Mann fiktive Firmen und präsentieren ihr Konzept. Das alles läuft unter einem Leitbegriff, dieses Jahr lautete das Motto „Spannungsfeld Unternehmertum“.

Was macht einen guten Unternehmer aus? So viel Geld scheffeln wie möglich? Oder nachhaltiges Wirtschaften zum Wohle aller? Möglichst viel Lohn für wenig Arbeit? Und wie sieht es aus mit dem Umweltschutz? Das sind die Spannungspole, zwischen denen ein Unternehmer laviert. Die Elftklässler schlossen sich zu Teams zusammen und versetzten sich gedanklich ins Jahr 2030. Dann wären die heute 17-Jährigen etwa 33 Jahre alt, immer noch frisch, dynamisch und doch schon etwas erfahren.

Was gilt es zu beachten? Natürlich soll die Idee am Markt einschlagen. Dabei gilt es, diverse Mega-Trends im Auge zu behalten. Mega-Trends sind keine Modewellen, sondern unumkehrbare gesellschaftlich-technologische Veränderungen. Als da wären: Globalisierung und Vernetzung; demografischer Wandel; Nachhaltigkeit; Individualisierung und mehr Frauen in Führungspositionen.

Tolle Ideen sind das eine, sie überzeugend zu präsentieren, das andere. Und das muss man den 17-Jährigen schon lassen: Es gelingt ihnen überzeugend. Schick in Anzug und Krawatte die Herren, die Damen im dunklen Rock und in Highheels priesen sie ihre Produkte in freier flüssiger Rede an.

Die fünf Mann von „WorkScout“ beglücken die Menschheit mit der ComBox, einer Art 3-D-Beamer. Damit kann man Dokumente, Pläne, Modelle, aber auch leibhaftige Gesprächspartner als Hologramm in den Raum stellen und so über Tausende Kilometer an einem Ort zusammenbringen. Die fünf Damen der DCK-

Fitness hingegen setzen ganz auf den Mega-Trend Jugendlichkeit und Sportlichkeit, rüsten Fitness-Studios mit Gerät, Kraftfutter und Know-how aus, und sorgen ihrerseits für ein Wohlfühlklima für ihre Angestellten.

Die EEK, die „Elite Ehrbarer Kaufmänner“ setzt ganz auf eine ökonomische Elitenbildung mittels „trialer Ausbildung“. Zum dualen Studium in Betrieb und Universität tritt als drittes Element das Fach „Leben“ hinzu, welches die Faktoren „Selbstständigkeit“ und „Zwischenmenschliches“ enthält. Wie letzteres Fach genauer aussehen soll, wollten die Gründer allerdings nicht vertiefen.

Konzepte prüfen

Um die Luftschlossbauer auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen, hatten sich auch zwei Kritik-Teams gebildet, die die Unternehmenskonzepte auf ihre ökonomische und arbeitnehmerfreundliche Tauglichkeit hin abklopften. Außer einigen Bedenken gab es aber nicht viel zu bekritteln.

Und was wollen die Jugendlichen nach dem Abitur beginnen? „Ich will gerne Kommunikationsmanagement studieren“, bekundet Darleen Hoffman, wogegen Catrin Dalitzsch zwischen Personalmanagement und Zahnmedizin schwankt.

Eine ganze Woche haben die jungen Leute für ihre Unternehmer-Utopien geopfert, ohne dass dies eine Benotung erfährt. Dafür müssen sie den Lernstoff einer ganzen Woche nachholen und Klausuren nachschreiben. Tja, wer Unternehmer sein will, muss viel Freizeit opfern.

 

VON REINHARD KALB

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