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Gastspiel im Gefängnis: Marek Mintal kickt mit JVA-Insassen

Der Ex-Fußballer des 1. FC Nürnberg sorgt in der Anstalt für Abwechslung - 07.03.2018 05:49 Uhr

Marek Mintal kam zusammen mit Hund Max in die Nürnberger JVA. © Ralf Rödel


Dort, wo der Alltag aus Arbeit und Langeweile besteht, ist ein Promi wie Mintal eine besondere Abwechslung. Zwölf junge Männer sitzen in gelben Trikots mit grünem Kragen auf den Stühlen in der Turnhalle. Sie sind zwischen 17 und 21 Jahre alt und wurden zu Jugendarrest verurteilt.

Links von ihnen sitzen Männer in den, für die JVA typischen blauen Stoffhosen. Einer trägt seine langen Haare zum Zopf gebunden, der andere hat einen Vollbart und eine Glatze. Sie wurden nach dem Erwachsenenstrafrecht zu einer Haftstrafe verurteilt oder sitzen in Untersuchungshaft. Schon als sie Marek Mintal in die Turnhalle kommen sehen, feiern sie ihn mit tosendem Applaus wie einen Popstar.

Mintal hingegen war nicht ganz wohl, als er von diesem Termin im Rahmen der Initiative "Nürnberg gewinnt" gehört hat. "Mir hat das Herz gezittert", gibt er ganz offen zu. Aber jeder mache Fehler, sagt er zu den Inhaftierten. "Ihr seid auch nur Menschen." Es ist eine aufrichtige Anerkennung – etwas, das die Gefangenen bräuchten, wie die Justizbeamten sagen. "Sie müssen einfach mal auf einen Ball schauen und nicht immer auf Gitterstäbe", sagt Thomas Vogt, Leiter der Justizvollzugsanstalt.

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"Nürnberg gewinnt": Marek Mintal zu Gast in der JVA

Club-Legende Marek Mintal stattete am Dienstag der Nürnberger JVA einen Besuch ab. Zusammen mit Hund Max und dem ehemaligen FCN-Spieler Jörg Dittwar sorgte er für sportliche Abwechslung bei den Häftlingen und schrieb fleißig Autogramme.


Und tatsächlich: Als die beiden Ex-Profis Jörg Dittwar und Herbert Harrer die jugendlichen Strafgefangenen an Hütchen entlang trippeln und Bälle ins Fußballtor schießen lassen, drehen die jungen Männer auf. "Die gehen ab wie Schmidts Katze", sagt Dittwar, der zuletzt die Nationalmannschaft für Fußballer mit intellektueller Beeinträchtigung trainiert hat.

Ein krasser Spieler

Ein- bis zweimal in der Woche spielen die Jugendlichen Fußball, Basketball oder trainieren an den Fitnessgeräten. Mindestens zwanzig Mal könnten sie den Ball von einem auf den anderen Fuß jonglieren oder hochhalten, sagen sie. Von Mintal aber könnten sie noch viel lernen. "Der ist ein krasser Spieler."

Mit Mintal in der Mannschaft wäre es nicht zu einer solchen Derby-Pleite am Wochenende gekommen, sind sich die erwachsenen Gefangenen sicher. Jens will das nächste Derby in Freiheit schauen. Übermorgen wird er nach 35 Monaten entlassen. Wegen Handel mit Betäubungsmitteln war der 32-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Zurück bei der Familie soll ihn nicht viel an die Zeit im Gefängnis erinnern. Beim Autogramm von Marek Mintal macht er aber eine Ausnahme.

Autogramme im Akkord

Der ehemalige Club-Spieler und Trainer der U16-Mannschaft Mintal signiert an diesem Vormittag Trikots und Autogramme im Akkord. Auch ein paar Bälle mit den Männern zu kicken, lässt sich er nicht nehmen. Zwischen ihren Beinen springt das neue Maskottchen der Club-Initiative "Nürnberg gewinnt" hin und her: Der einjährige Boxermischling Max.

Weil er immer wieder das Training am Valznerweiher gestürmt hat, wurde Vereinssprecherin Katharina Fritsch auf den Hund aufmerksam. Die Besitzerin ist eine waschechte Clubberin. Seinen Namen verdankt das Tier Max Morlock. Und mit schwarz-rotem Schal um den Hundehals durfte Max sogar mit in die JVA.

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Mintal und der Club - Eine Nürnberger Liebesgeschichte

Marek Mintal hat die Herzen der FCN-Anhängerschaft rasant und nachhaltig erobert. Wenige haben es in der wechselhaften Vereinsgeschichte geschafft, wie er Aufnahme in den Heroen-Kreis um Max Morlock zu finden. Mittlerweile gibt Marek seine fußballerischen und menschlichen Fähigkeiten an junge Spieler weiter.


 

Marie Zahout

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