Genervte Anwohner bei Skateranlage im Spittlertorgraben

21.8.2013, 06:58 Uhr
Genervte Anwohner bei Skateranlage im Spittlertorgraben

© Michael Matejka

„Wir sind Lärm gewohnt, wir leben in der Stadt, aber diese ständigen lauten Schläge der Boards, daran kann man sich einfach nicht gewöhnen“, klagt eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Anders als beispielsweise das stetige Rauschen des fließenden Verkehrs, das vom Plärrer tönt. Die 40-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter im oberen Stockwerk der im Jahr 2008 an der Spittlertormauer erbauten Wohnanlage.

25 Parteien gibt es hier — beim Gros handelt es sich um Eigentumswohnungen —, sechs haben sich mittlerweile bei der Stadt beschwert. Viele der Balkone gehen zur Stadtmauer raus. „Das Lüften und die Nutzung dieser Balkone ist kaum noch möglich“, berichtet die Nürnbergerin. Ein Mieter habe einem Wohnungseigentümer bereits mit Mietminderung gedroht. „Die Nerven liegen bei einigen Bewohnern nach sechs Wochen Dauerlärm blank“, weiß die Nürnbergerin.



Der Skaterpark im Burggraben wurde am 6.Juli eröffnet und erfreut sich großer Beleibtheit. Die Skater seien sehr ambitioniert, weiß Kurt Gref vom Jugendamt. Der Lärm entstehe vor allem bei Fahrfehlern, „wenn Tricks misslingen und Boards auf Beton knallen“.

Die Anlage ist beleuchtet und frei zugänglich. Da es sich um eine Sport- und Freizeitanlage handelt, kann sie bis Ende Oktober von 8 bis 21Uhr, sonntags ab 9Uhr, genutzt werden — in den Wintermonaten zwei Stunden kürzer. Aber: „Die Skater fahren auch nachts, am Wochenende teilweise bis 4Uhr morgens“, moniert die 40-Jährige. Und sagt im gleichen Atemzug, dass die Anwohner die Anlage nicht generell in Frage stellen.

Ein anderes Lärmproblem ist bereits gelöst: In den ersten Wochen dröhnten dort Ghettoblaster. Nachdem Streetworker und der Verein Nürnberger Skateboardfreunde, der in der Szene über einen gewissen Einfluss verfügt, das Gespräch mit den Betroffenen gesucht hat, ist die Musik verstummt. Die Polizei kontrolliert regelmäßig das Areal.

Die Skateranlage existiert bereits seit 2001. Doch sie wurde zum Schluss mangels Attraktivität nur noch von BMX-Fahrern genutzt. Die Skater trafen sich lieber am Kornmarkt, wo sich alsbald Mitarbeiter des Germanischen Nationalmuseums über den Krach beschwerten (wir berichteten).

Die Stadt investierte rund 260.000 Euro und baute den 850 Quadratmeter großen Park um. Der alte Asphalt und die einzelnen Hohlelemente sind einem gegossenen Ortbeton gewichen. „Die Anlage wurde nach neuesten Erkenntnissen gebaut und bietet gegenüber ihrem Vorgänger bezüglich der Lärmentwicklung nur Vorteile“, unterstreicht Sör-Werkleiter Marco Daume. Das bestätigt auch Sebastian Fischer von den Nürnberger Skateboardfreunden: „Mit der Bauart ist sie um vieles leiser als die alte Anlage.“ Der 31-Jährige hat bei der Gestaltung mitgewirkt, genauso wie die übrigen Vorstandsmitglieder.

„Da sie sich zwischen zwei Mauern befindet, wird der Schall reflektiert, der Lärm kann sich ungehindert nach oben ausbreiten“, weiß Daume. An der räumlichen Situation hat sich nichts geändert, aber die Nutzer, nun Skater und Rollerfahrer, und vor allem ihre Anzahl. Fischer zeigt sich optimistisch: „In wenigen Wochen macht in Fürth ein vergleichbarer Park auf, dann wird der Besucherstrom versiegen.“

Runder Tisch

Um eine rasche Lösung zu finden, hat die Stadt für den 10. September einen runden Tisch anberaumt, an dem Anwohner, Skater sowie Vertreter von Sör und des Jugendamts sich austauschen. „Wir möchten eine bedarfsgerechte Anlage“, unterstreicht Kurt Gref vom Jugendamt. Er will an den Nutzungszeiten, die mit Blick auf die gesetzlichen Möglichkeiten sowieso schon um je eine Stunde nach unten und oben reduziert wurden, festhalten, „wenn es nachbarschaftsverträglich möglich ist“.

Ebenfalls für September ist eine Eigentümerversammlung geplant. „Wir wollen uns abstimmen“, so die Anwohnerin. Auch sei im Gespräch, Klage einzureichen.

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