Mittwoch, 14.11.2018

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Groll in der Gartenstadt: Luxus-Radweg nervt Anwohner

Bewohner der Minervastraße empören sich über Fehlplanung - 03.09.2018 05:52 Uhr

Obwohl die Stadt in der Minervastraße einen ausreichend breiten Fahrradweg gebaut hat, fahren viele Radler auf dem Gehweg. © Peter Romir


Zugegeben: Es gibt diese Orte in der Stadt, die den Radfahrern das Leben schwer machen. Radwege, die plötzlich abbrechen oder von Autos zugeparkt werden. Gefährliche Engstellen, plötzliche Abzweigungen, unklare Streckenführungen.

Das alles gibt es in der Minervastraße in der Gartenstadt nicht. Im Gegenteil: Schnurgerade ziehen sich hier zwei überbreite, leuchtend rote Radstreifen links und rechts der Straße entlang. Auf den ersten Blick ein Radler-Paradies: Ebener Boden, freie Sicht – und so viel Platz, dass sogar zwei Radfahrer nebeneinander fahren könnten. Und dennoch fahren viele Menschen auf dem Gehsteig. Warum?

"Der große Radweg ist eine Fehlplanung", sagen die Anwohner Andreas und Martha Oehler. "Ein Prestigeobjekt, mit dem die Stadt ihre Radfreundlichkeit zeigen will, das aber in der Praxis gar nicht funktioniert."

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Komplizierte Straßenführung

Das Problem ist nämlich, dass sich in der Mitte der Minervastraße ein Streifen mit Bäumen befindet, der für Radler unüberwindbar ist. Wer also vom Minervaplatz kommend Richtung Dianaplatz fahren möchte, müsste erst einmal in die andere Richtung auf der Straße fahren, dieser bis zu einer der wenigen Übergänge über die Mitte folgen und dann wenden – dabei wieder die Straße überqueren – und zurückfahren. "Aber die wenigsten machen das", sagt Martha Oehler.

"Viele biegen einfach bei uns auf den Gehsteig und fahren entgegen der Fahrtrichtung zum Dianaplatz – direkt an unseren Gartentoren vorbei." Auch beim Ortstermin mit dem Stadtanzeiger kommt eine Radlerin aus der Siedlung und fährt schnurgerade auf den Gehsteig zu. Allerdings handelt es sich um eine ausgesprochen höfliche Dame, die sofort absteigt, als sie die Gruppe Fußgänger sieht.

Parkbuchten wurden verkleinert

"Ich fühle mich hier auf dem Gehsteig einfach sicherer als auf der Straße", erklärt sie. "Ich weiß ja gar nicht, wo ich über die Straße hinüberkönnte." Auch die Tradition spielt bei der Wahl des Weges eine Rolle: Bis vor etwa zwei Jahren führte hier tatsächlich ein Teerstreifen ganz offiziell als Radweg auf dem Gehsteig entlang: "Doch dann kam die Stadt auf die Idee, hier diesen Luxus-Radweg auf der Straße anzulegen", meint Martha Oehler.

Die Folge: Die Parkbuchten der Anwohner wurden verkleinert, was dazu führt, dass nun die breiteren Autos mit ihren Seiten wahlweise in den Geh- oder den Radweg ragen.

Brenzlige Situationen

Das führt immer wieder zu brenzligen Situationen, wenn die Anwohner aus ihren Gärten oder Wagen kommen: "Wenn man mit Kind oder Hund durch die Tür geht, muss man schon sehr genau aufpassen, um nicht mit Radfahrern zusammenzustoßen", berichtet die Anwohnerin Michaela Kräusel. Als Post-Zustellerin ist sie selbst viel mit dem Rad unterwegs und kann das bis zu einem gewissen Grad verstehen, wenn Radlern die Straße zu gefährlich ist: "Aber letztlich ist der Gehsteig kein Radweg. In der Zone 30 muss man sich ja auch an die Vorschrift halten und kann nicht 70 fahren, weil es einfacher ist."

Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht: "Wir haben schon mit der Polizei gesprochen, aber die sagen, da können sie nichts machen", sagt Andreas Oehler. Und Diskussionen mit den Radlern führen oft zu mehr bösem Blut als zu einer erhofften Entspannung.

Zum Glück hat Martha Oehler noch eine Idee: "Vielleicht sollten wir aufhören mit den Radlern zu schimpfen, die auf dem Gehsteig fahren - und stattdessen mal einen Tag lang jeden, der es richtig macht, und den Radweg benutzt mit einer Blume oder einem Bonbon belohnen." 

Peter Romir

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