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Wenn es dumm gelaufen wäre, dann hätten die Nürnberger seit langem nur mehr einen gefühlt handtuchgroßen Stadtpark. Doch zum Glück entschied sich der Magistrat vor vier Jahrzehnten gegen die Idee, das aus allen Nähten platzende Messegelände an der Bayreuther Straße auf Kosten der grünen Oase zu erweitern: Der Stadtrat beschloss im Februar 1970, ein neues Ausstellungsareal im Südosten der Stadt nahe dem Silbersee zu schaffen.
Die Kosten des Projekts lagen bei 130 Mio. DM, umgerechnet also gut 66 Mio. €. Zum Vergleich: Die letzte große Baumaßnahme der Messe, die im Spätsommer 2010 abgeschlossene komplette Umgestaltung des Eingangsbereichs Mitte inklusive des markanten 255 Meter langen Luftkissen-Lamellendaches, schlug mit 47 Mio. € zu Buche. Die neue Halle 3A ist mit 37 Mio. € kalkuliert.
Dennoch: Vor gut 40 Jahren war die Investition in das neue Ausstellungsgelände in Langwasser, das vor allem wegen der rasant wachsenden Spielwarenmesse dringend notwendig war, ein dicker Brocken. Am 6. Dezember 1971 legte der damalige Oberbürgermeister Andreas Urschlechter den Grundstein für die neue Messe. Mit dabei: Arbeitsminister Fritz Pirkl und Wirtschaftsstaatssekretär Franz Sackmann. Bayern hatte mit einem Grundstück im Wert von 22 Mio. DM sein Scherflein zu dem Projekt beigetragen. Urschlechters Hoffnung auf weitere Hilfe dämpfte Sackmann seinerzeit mit einem wahrhaft zeitlosen Argument: „Ich kann wegen der schlechten Finanzlage nichts Konkretes sagen“, erklärte der Politiker. Geholfen hat der Freistaat dann aber immer wieder — wenn auch nicht in dem Maße, wie er der Messe München unter die Arme gegriffen habe, wie Kritiker aus Franken nicht müde werden festzustellen.
Nach zweijähriger Bauzeit hatte das gut 60000 Quadratmeter große Ausstellungsgelände 1973 Premiere, und das gleich mit einem Schwergewicht: Die 24. Spielwarenmesse öffnete in den neuen Hallen in Langwasser ihre Pforten. Die Weltleitschau, die seit jeher unter Platzmangel leidet, hat sich auch in der Folgezeit als fordernde, aber auch fördernde Kraft für den weiteren Messeausbau erwiesen: Ihre Eigentümerin, die Spielwarenmesse eG, unterstützte die NürnbergMesse immer wieder mit Darlehen, um so zusätzliche Hallenflächen zu ermöglichen.
Bagger ließ die NürnbergMesse — sie wurde 1974 als Nachfolgegesellschaft der Messehallen GmbH gegründet, ihre Hauptgesellschafter sind die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern — in den vergangenen Jahrzehnten oft und gerne anrollen. Allerdings nicht, ohne zuvor genau geprüft zu haben, dass sich die neue Investition auch rechnet. In der Lust am Bauen spiegelt sich die Erfolgsgeschichte des Unternehmens, das lange Zeit von der Konkurrenz überhaupt nicht beachtet und dann zunächst als Zwerg belächelt wurde. Das gönnerhafte Lächeln ist manchem Wettbewerber allerdings längst vergangen: Die NürnbergMesse ist heute, gemessen am Umsatz, die Nummer sieben der deutschen Branche und gehört zu den 15 größten Messeplätzen weltweit.
1984 gab die Frankenhalle ihr Debüt. Ein gewaltiger Sprung gelang mit dem 1997 fertiggestellten Westflügel, mit dem die Ausstellungsfläche um ein Viertel auf 133000 Quadratmeter wuchs. 2001 folgte die Halle 7A, in die durch ein Fensterband unterhalb der Decke Tageslicht dringt. Fenster hatten in Hallen lang ein Mauerblümchendasein gefristet: Beim Bau des Geländes Anfang der 1970er Jahre galt natürliches Licht gar noch als störend und künstliches als total schick.
Ein Meilenstein in der Karriere der Messe ist auch das 2005 eingeweihte CongressCenter Nürnberg (CCN) Ost an der Großen Straße, das seit einiger Zeit unter NürnbergConventionCenter (NCC) firmiert. Kurz darauf folgte die Halle 4A, die zusammen mit der 7A das NCC einrahmt. Neben der 4A wird nun die Halle 3A errichtet.
Heute verfügt die NürnbergMesse über gut 160000 Quadratmeter Ausstellungsfläche und 14 Hallen. Und bald schon, zur Spielwarenmesse 2014, sind es 15 Hallen und rund 170000 Quadratmeter. 670 Mio. € sind seit 1973 in den Messe- und Kongressplatz Nürnberg investiert worden. Ausgaben, die sich nach Ansicht der Verantwortlichen gelohnt haben.
Heuer erwartet die NürnbergMesse mit über 210 Mio. € Umsatz ein Rekordjahr. Apropos Wachstum: Möglichkeiten, die Ausstellungsfläche am Silbersee noch ein bisschen zu erweitern, gibt es auch noch.
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