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Grüne entsetzt: Nürnberger kaufen immer mehr Waffen

Stadtrats-Grüne reden von "traurigen Höchststand" — Reizgaspistolen gefragt - 29.04.2017 19:59 Uhr

Heiß begehrt: Der Absatz bei Schreckschusswaffen ist groß. © Weigert


Bayern ist das sicherste Bundesland in der Republik, so ist es gebetsmühlenartig aus dem Innenministerium in München zu hören. Doch immer mehr Bürger im Freistaat scheinen das anders zu sehen, geht man von den Zahlen der kommunalen Sicherheitsbehörden aus. Zum Stichtag 31. Dezember 2016 haben in Bayern 204.000 Waffenbesitzer insgesamt 1,149 Millionen Schusswaffen. Das geht aus einer schriftlichen Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Katharina Schulze an das Bayerische Innenministerium hervor.

Dazu zählen aber nicht die Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen in bayerischen Haushalten — denn die sind nicht meldepflichtig. Nürnberg hat zwar Regensburg den Rang als unsicherste Großstadt im Freistaat abgelaufen. Denn die Straftaten in der Bezirkshauptstadt der Oberpfalz sind deutlich zurückgegangen. Doch die Metropole in Mittelfranken ist nicht sicherer oder unsicherer als in den Jahren zuvor, berichtete am Mittwoch die Polizei im Stadtrat. Dennoch kaufen auch hier immer mehr Bürger Waffen.

Grüne sind besorgt

So ist die Zahl der erlaubnispflichtigen Schusswaffen, für die man einen großen Waffenschein benötigt, in Nürnberg von 3987 im Jahr 2015 auf 4217 im Jahr 2016 gestiegen. Die Grünen sprechen hier von einem "traurigen Höchststand". Auf Anfrage im städtischen Ordnungsamt wird die Zahl aber relativiert: "Die Zahl steigt jedes Jahr, denn die Erlaubnisse für Schusswaffen werden unbefristet erteilt", sagt der stellvertretende Behördenleiter Robert Pollack. Nur wenn jemand stirbt oder als nicht mehr zuverlässig gilt, werde die Erlaubnis widerrufen.

Jäger, Sportschützen und Waffensammler müssen ihre Revolver, Pistolen und Gewehre auf einer Waffenbesitzkarte eintragen lassen. In Nürnberg gibt es 4217 Besitzer, alle zusammen haben sie 24.267 scharfe Waffen. "Besonders besorgniserregend" finden die Grünen, die Zunahme an Reizstoff-, Schreckschuss-, und Signalwaffen, für die man den kleinen Waffenschein benötigt, falls man die Pistole in der Öffentlichkeit mit sich führen möchte. Im Jahr 2016 beantragten sechsmal so viele Nürnberger einen kleinen Waffenschein wie noch im Vorjahr (933; 161).

Tatsächlich ist auch im laufenden Jahr die Zahl steigend, wie Robert Pollack bestätigt. Doch sei der Anstieg nicht mehr so steil wie noch 2016. "Bis heute wurden 109 kleine Waffenscheine erteilt — verglichen mit dem Vorjahr liegen wir im selben Zeitraum erheblich darunter."

Für den Vize-Amts-Leiter ist klar: Der "explosionsartige" Anstieg in den ersten Monaten von 2016 hängt mit den Ereignissen der Silvesternacht 2015/ 2016 in Köln zusammen, in der zig Frauen sexuell belästigt wurden. 

Alexander Brock E-Mail

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