Mittwoch, 21.11.2018

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Happy End per Zeitungsannonce: Hahn darf weiterkrähen

Familie bangte um das Leben des lautstarken Hausgenossen - 17.04.2018 11:09 Uhr

Hannah (13) mit Hahn und Henne. Der zweite Hahn wurde nach Eichstätt vermittelt. © Roland Fengler


"Wer hat Hühner und braucht einen Hahn? Es ist ein hübscher, friedlicher, gesunder, einjähriger Zwergbrahma-Hahn. Bitte melden Sie sich umgehend, da Gefahr besteht, dass er geschlachtet wird wegen Krähen." Diese Zeitungsanzeige klang dringend, tatsächlich steht eine extrem rührende Geschichte dahinter. Sie spielt in Stein, im Mittelpunkt stehen der Hahn und Helga Urbans 13-jährige Enkelin Hannah Die hatte seit langer Zeit einen Wunsch: Sie wollte Hühner aufziehen. Vor einem Jahr beschlossen Eltern und Großmutter, dem Kind den Herzenswunsch zu erfüllen.

Im Garten ist Platz, im Gartenhaus sollte das Federvieh einziehen. So weit, so gut. Die Familie ging davon aus, dass aus den drei Junghennen einmal drei stattliche Hühner werden. Aber nach einem Jahr war deutlich zu erkennen, dass es sich um eine Henne und zwei Hähne handelte. Und die haben bekanntlich die Angewohnheit, ziemlich laut zu krähen. "Wir haben den Stall schallgedämmt", berichtet die 77-jährige Oma. Doch das reichte nicht . Erst krähte der eine Hahn, dann zeigte der andere, was in ihm steckt. Schließlich wollten beide der Henne imponieren. Und so schaukelte sich das akustische Gockel-Gehabe hoch. Eine Nachbarin beschwerte sich, Helga Urban wurde immer gestresster, wollte aber auch Enkelin Hannah nicht unglücklich machen. Und die wollte sich sich auf keinen Fall von einem Hahn trennen.

Handel war schnell gemacht

"Zwei Hähne und eine Henne, das ist doch nicht artgerecht", argumentierte Mutter Doris Urban. Sie bemühte sich wochenlang, einen der beiden Hähne bei einem neuen Besitzer unterzubringen — vergeblich. Niemand benötigte den Vogel. Dann beschloss sie, das Tier an den Züchter zurückzugeben. Schweren Herzens stimmte Hannah zu. Doch nun war die Großmutter besorgt: Würde der Hahn dort vielleicht geschlachtet werden? Sie wollte es nicht darauf ankommen lassen und gab die Zeitungsanzeige auf.

Als das Telefon klingelte, dachte Urban, es sei der erste Interessent. Stattdessen rief eine Händlerin an, die ihr Torf und Hornspäne für den Garten verkaufen wollte. "Ach schade, ich dachte, Sie melden sich wegen des Hahns", entgegnete die Seniorin etwas enttäuscht. "Wegen des Hahns?", fragte die Händlerin verblüfft, die von der Anzeige nichts wusste, "ich habe acht Hennen, aber keinen Hahn." Also war der Handel schnell gemacht. Urban kaufte keinen Torf, aber der Hahn zog um zur Händlerin nach Eichstätt, wo er jetzt nach Herzenslust krähen kann.  

Hartmut Voigt Lokalredaktion Nürnberg E-Mail

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