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Heimaufsicht alarmiert: Drastischer Anstieg der Pflegemängel

Patient auf der Toilette vergessen - Trend setzt sich in diesem Jahr fort - 22.06.2015 15:58 Uhr

Ein alarmierendes Ergebnis: Die Zahl der erheblichen Pflegemängel steigt drastisch an. © dpa


Bei „erheblichen Mängeln“ in der Pflege geht es immer um „die Gesundheit oder das Leben der Patienten“, betont Andrea Brouer. Die Ärztin leitet die städtische Heimaufsicht und stellt fest: „Die Qualität der Pflege nimmt ab.“ Das belegt aus ihrer Sicht die deutliche Zunahme der erheblichen Mängel von vier auf 32. „Das ist ein Trend“, erklärt sie, "in diesem Jahr haben wir bereits wieder 14 Fälle.“

Da geht es beispielsweise um schlechte Versorgung der betagten Patienten, wenn sie sich wund gelegen haben. Vorgaben für die Ernährung oder der Medikation werden nicht eingehalten und bedrohen den Gesundheitszustand der Bewohnerinnen und Bewohner. Das Personal geht, etwa nach einem Sturz, nicht auf Schmerzen der zu pflegenden Person ein. In einem Fall wurde sogar ein Heimbewohner mehrere Stunden auf der Toilette „vergessen“.

"Wir machen uns große Sorgen"

„Diese Entwicklung macht uns große Sorgen. Wir sind beunruhigt“, sagt Fred-Jürgen Beier, Leiter des städtischen Gesundheitsamts. Eine Erklärung für den drastischen Anstieg sehen die Experten unter anderem im Mangel an Pflegefachkräften; auch wenn viele Heime die vorgeschriebene Quote von mindestens 50 Prozent einhielten. Häufig stiegen auch Fachkräfte in Führungspositionen auf, die für diese Aufgaben aber nicht geeignete seien, so Beier: „Die Qualität der Leitung ist entscheidend für die Qualität des Hauses.“ Brouer macht die Mängel auch an der häufigen Fluktuation von Personal fest. „Die Mitarbeiter kennen ihre Patienten dann nicht mehr genügend.“ Ein weiterer Grund für den Anstieg: Die Bewohner werden immer älter und haben gleich mehrere Krankheiten („multimorbid“).

Wie die Situation verbessert werden kann, da ist auch der zuständige Umwelt- und Gesundheitsreferent Peter Pluschke etwas ratlos. „Die Rahmenbedingungen setzen nicht die Kommunen“, sagt er. Er verweist darauf, dass es immerhin rund 7000 Plätze in den 99 Einrichtungen gebe. Andrea Brouer stellt zumindest fest, dass sich die Kontrollen (133 im vergangenen Jahr) auswirken. „Je mehr wie kontrollieren, desto stärker arbeiten die Heime an ihrer Qualität“, betont die Ärztin. Doch bei der begrenzten Zahl des Personals ist man bei der Heimaufsicht schon froh, wenigstens jede Einrichtung einmal im Jahr aufsuchen zu können. Für zusätzliche Beratung, so die Ärztin, bleibe da leider keine Zeit mehr. 

Andreas Franke

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