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Grüß Gott, Herr Hermann, wir würden gerne kurz mit Ihnen über das Derby sprechen.
Peter Hermann: Das geht jetzt nicht, ich sitze im Auto und muss ins Training.
Ach so. Darf ich Sie dann später noch einmal anrufen?
Hermann: Dauert das lange, was Sie da von mir wissen wollen?
Naja, ein paar Fragen hätten wir schon...
Hermann: Naja, okay. Dann lassen Sie uns das jetzt schnell machen.
Sie haben durch die Zweitligasaison 2009 nur ein Derby gegen die Bayern als Co-Trainer beim Club erlebt...
Hermann: Stimmt, das war das 0:2 damals im Pokal in München, oder?
Genau. Können Sie sich an die Euphorie erinnern, die in Franken vor einem Derby gegen die Bayern herrscht?
Hermann: Naja, das war ein Pokalspiel, eine andere Ausgangsposition. Für mich waren die zwei Spiele gegen Fürth ein echtes Erlebnis. Das war nochmal mehr Derby als gegen Bayern München.
Welchen Stellenwert hat das Derby aus Sicht des großen FC Bayern?
Hermann: Na gut, es geht natürlich um drei Punkte. Aber es ist mehr Zündstoff drin in einem Derby. Wir wissen, dass Nürnberg zu Hause schwer zu schlagen ist, das haben wir ja auch die letzten Jahre erlebt.
Hört sich an, als sei es ein Spiel wie jedes andere für die Bayern.
Hermann: Nein, nein. Das wird eine schwere Aufgabe.
Es ist aber doch wohl nicht so, dass ein Weltstar wie Franck Ribery seit Tagen voller Ehrfurcht vor der bayerischen Derbyrivalität spricht.
Hermann: Das ist so, bei der ganzen Mannschaft. Was Franck Ribery jetzt persönlich sagt, das weiß ich jetzt so nicht, das müssen Sie ihn selbst fragen.
Werden wir. Ist für Sie persönlich ein Spiel gegen Bayer Leverkusen ein größeres Erlebnis, weil sie dort über 30 Jahre Spieler, Co-Trainer und Talentscout waren?
Hermann: In Nürnberg war ich nur ein Jahr. Aber gegen jede Stadt, in der man gearbeitet hat, ist es etwas Besonderes zu spielen. Da hat man noch gute Beziehungen und Kontakte, da freue ich mich natürlich jetzt am Samstag darauf, die alten Bekannten wiederzutreffen.
Wen zum Beispiel?
Hermann: Wenn ich Martin Bader treffe, werde ich immer herzlich begrüßt. Auch Adam Matysek, das Funktionsteam mit Udo Rauh und Chico Vogt, da hab’ ich immer noch besten Kontakt. Die Spieler von damals werden natürlich immer weniger, aber einige sind ja noch da.
Es heißt, Sie halten sich lieber im Hintergrund und meiden sogar die Öffentlichkeit. Wie passt das dann mit dem FC Bayern zusammen?
Hermann: Ach, damit komme ich dort genauso gut klar wie in Nürnberg oder in Leverkusen. Das ist für mich überhaupt kein Problem, ich habe meine Rolle – und damit ist es okay.
Sie haben sich auch nicht in den Vertrag schreiben lassen, dass Sie sich raushalten dürfen aus Pressekonferenzen oder öffentlichen Terminen?
Hermann: Damit habe ich ja gar nichts zu tun. Wie gesagt, ich habe da meine Rolle.
Jetzt gibt es doch sicher aber auch hartnäckige Journalisten, die bei Ihnen versuchen nachzubohren, ob zum Beispiel gegen den 1.FC Nürnberg Mario Gomez auflaufen wird.
Hermann: (überlegt) Das werden Sie ja im Stadion sehen, ob er spielt.
Gute Antwort. Wie schätzen Sie denn die Situation für Gomez ein nach der Verletzung mit der großen Konkurrenz?
Hermann: Wir haben insgesamt sehr starke Konkurrenz, das gilt für jeden, das muss man auch haben beim FC Bayern München. Bei der Anzahl von Spielern auf diesem hohen Niveau ist das normal. Dafür muss man gerüstet sein. Und das ist Mario Gomez.
Jupp Heynckes wollte unbedingt den Peter Hermann als Co-Trainer, Toni Kroos hat mal gesagt, es gebe keinen besseren als Sie. Was macht Sie so besonders?
Hermann: Ah, da kann ich jetzt nichts dazu sagen.
Ein Geheimnis?
Hermann: Nein. Wir haben uns kennengelernt in Leverkusen und auf unsere alten Tage sind wir das Traineramt in München noch einmal gemeinsam eingegangen.
Aber warum die alle so verrückt sind nach Ihnen, muss doch einen Grund haben.
Hermann: (lacht) Naja, das wage ich jetzt mal zu bezweifeln, dass alle nach mir verrückt wären. Da müssen wir mal die Kirche im Dorf lassen.
Ist es Ihr Umgang mit den Spielern? Muss man als Trainer vor den Stars in München anders auftreten als zum Beispiel mit den Nürnberger Profis?
Hermann: Nein, das sind alles normale Jungs, die gern Fußball spielen, die gut trainieren – da gibt es gar keinen Unterschied. Nur der Trubel hier ist natürlich noch mehr als in Nürnberg. In Nürnberg war es auch schon mehr als in Leverkusen... So gesehen war jeder Verein verschieden.
In Nürnberg war tatsächlich viel mehr los als in Leverkusen? Immerhin standen Sie doch an der Seite von Klaus Toppmöller im Finale der Champions League.
Hermann: Ja, beim Club war mehr los vom Trainingsbesuch, von den Fans, den Zuschauern. Das ist ein anderer Verein, die Tradition, das spielt schon eine Rolle.
Dann war der Club die richtige Zwischenstufe auf Ihrem Weg zum FC Bayern?
Hermann: Ja war es. Da hatte ich bisschen Glück, dass ich gerade keine Mannschaft hatte zum Trainieren. Das war gut, wir sind aufgestiegen. Allein aus dem Grund werde ich die Zeit immer als schöne Erinnerung im Kopf behalten.
Martin Bader hat vor dem Derby in einem Interview gesagt, es sei jedes Jahr ein großes Privileg für den 1. FC Nürnberg, überhaupt gegen einen Verein wie Bayern München spielen zu dürfen...
Hermann: Nürnberg ist eine Mannschaft, die in der Liga jetzt etabliert ist. Sie spielt zwar wieder um den Klassenerhalt, aber viele haben da eine gute Arbeit geleistet. Das ist für jeden Verein immer das Spiel des Jahres gegen uns. Ob das Nürnberg, Leverkusen oder Köln ist – entsprechend schwer sind die Spiele für uns dann auch.
Das bedeutet ja aber auch irgendwie: Wir haben keine Chance gegen Bayern München.
Hermann: Weiß ich nicht. Wenn Sie sich die letzten Ergebnisse ansehen, würde ich das ausschließen. Letztes Jahr haben wir 1:0 gewonnen, davor war es glaube ich zweimal ein 1:1 – habe ich jedenfalls vorhin gelesen – und davor stand ein 3:0. Also: So chancenlos waren die nicht...
Man hofft beim 1. FC Nürnberg ein bisschen auf die Müdigkeit des FC Bayern und vielleicht darauf, unterschätzt zu werden.
Hermann: Nein, das glaube ich auf keinen Fall. Müde sind wir tatsächlich etwas geworden, aber auch bei Nürnberg waren nicht alle zu Hause und haben sich ausgeruht, sondern die hatten Spieler, die unterwegs waren, wie Kiyotake, Chandler und wie sie alle heißen.
Gibt es beim Club derzeit einen Spieler, der Sie interessiert beim FC Bayern?
Hermann: Ich hänge da selbst ein bisschen an den Spielern, die damals noch gespielt haben, als ich in Nürnberg war. Wie Raphael Schäfer, Mike Frantz, Pino – das sind die Spieler, über die ich mich informiere und nachlese: Wie sind die drauf? Wie haben sie gespielt? Ob Spieler für uns interessant wären, kann ich jetzt nicht sagen...
Gehen wir mal kurz davon aus, dass die Bayern hoch gewinnen werden...
Hermann: (fällt ins Wort) Nein, davon gehen wir nicht aus.
Naja, die Bayern sind aber doch...
Hermann: Nein, da sag’ ich Ihnen ganz ehrlich: Auf so einem Niveau spreche ich nicht mit Ihnen. Als nächstes bitten Sie mich: Macht es gnädig. Von was reden wir hier? Das ist ein Spiel, in dem die Chancen am Anfang immer ziemlich gleich groß sind. Hören Sie auf mit so etwas!
Aber der FC Bayern ist derzeit in überragender Form.
Hermann: Trotzdem.
Es gibt also keinen Punkt, an dem Peter Hermann mitleiden würde mit dem Club?
Hermann: Das würde es nicht geben. Natürlich will ich das Spiel gewinnen, ich arbeite hier für Bayern und wir brauchen den Sieg auch. Ich gönne Nürnberg wirklich alles Gute und ich guck’ auch immer, wie sie gespielt haben und was dort so los ist. Ich bin Nürnberg noch sehr verbunden. Aber ich will den Sieg schon für uns haben.
Sie haben den Club damals auch des Heimwehs wegen verlassen, lebt Ihre Familie mittlerweile in München?
Hermann: Nein, wir haben ja damals gebaut, daher sind sie im Rheinland geblieben und nicht in München. Das ist nicht immer ganz einfach. Aber gut, da muss man sich irgendwie arrangieren.
Sie besuchen viele andere Spiele einfach aus Spaß am Fußball. Waren Sie heuer schon im Frankenstadion?
Hermann: Zwei Spiele habe ich gesehen. Ich war gegen Augsburg da und nochmal... ähmmm... Im Süden ist das ein bisschen schwieriger als oben im Westen mit dem Zuschauen. Da kann man in einer Stunde zehn Stadien abfahren, hier kann man dafür in einer Stunde zehn Berge abfahren.
Letzte Frage, dann lasse ich Sie in Ruhe...
Hermann: Ja.
Bleiben Sie nach dem Spiel noch in Nürnberg, um ein Bierchen mit den alten Bekannten zu trinken?
Hermann: Wir sind ja am Dienstag schon wieder beschäftigt beim FC Valencia in der Champions League. Da bleibt keine Zeit für irgendetwas, am Sonntag müssen wir trainieren, am Montag geht’s nach Valencia. Da sind wir ganz schön eingespannt und angespannt.
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