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Hotelboom in Nürnberg: Sind 20.000 Betten zu viel?

Immer neue Investoren wollen offensichtlich Hotelprojekte realisieren - 10.05.2018 05:52 Uhr

Zwei Hotels werden derzeit neben dem Hauptbahnhof, auf dem ehemaligen Postgelände, gebaut. Doch fünf weitere große Häuser sind schon beschlossen. © Stefan Hippel/Simulation: Haupt-Immobilien


"Wir sind kein Hotelverhinderungsverein. Wir wollen aber eine Entwicklung mit Augenmaß", sagt Gerhard Engelmann, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Im Namen seiner Mitgliedsbetriebe freut sich Engelmann natürlich über die 3,3 Millionen Übernachtungen, die 2017 gezählt wurden, was einem Plus von 3,3 Prozent gegenüber 2016 entspricht.

"Wir wissen aber nicht, ob es so weitergeht." Seit 2009 stieg die Zahl der Übernachtungen in Nürnberg um 56,3 Prozent. Auch die Auslastung der Betten entwickelte sich in diesem Zeitraum positiv. 2016 lag sie bei 48,9 Prozent. Der positive Trend hängt eng mit der Einführung des Tourismusfonds 2010 zusammen: Stadt, Hotels und Gastrobetriebe geben gemeinsam Geld, um die Marketingaktivitäten zu stärken.

Für die nächsten drei Jahre soll er noch einmal aufgestockt werden. "Wir haben in Nürnberg Hotelbetten in jeder Qualität und in jedem Preissegment", sagt Stefan Rottner, Hotelier und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands. Immer neue Investoren kämen mit Hotelprojekten nach Nürnberg, weil die Übernachtungszahlen weiter steigen und damit Geld zu verdienen sei.

Sorge um mittelständische Hotels

Das stimme aber nur zum Teil, denn der am Markt erzielte Durchschnittspreis pro Zimmer sei 2017 zurückgegangen. "Investoren fallen offenbar nur noch Hotels ein", sagt Rottner. Laut Engelmann liegt der Durchschnittspreis im Vier-Sterne-Bereich bei 80 Euro. Die Auslastung der Hotels sei zwar im Sommer erheblich besser geworden, es könnten aber nur niedrige Preise erzielt werden.

Der Geschäftsführer sorgt sich vor allem um die mittelständischen Hotels, die in den vergangenen Jahren sehr viel investiert hätten, um individuelle Angebote machen zu können. Eine anonyme Hotellandschaft sei für den  Tourismusstandort Nürnberg schlecht. "Während der Interzoo sind alle Hotels ausgebucht. In den anschließenden Pfingstferien sind die Zimmer zum Dumpingpreis zu haben", sagt Rottner.

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Zu den vorhandenen rund 18.000 Betten kommen noch weitere Hotels hinzu: Am Standort der ehemaligen Hauptpost ist ein Vier-Sterne-Superior-Hotel der Marke Leonardo mit 238 Zimmern geplant. Außerdem wird an diesem Standort ein neues Motel One mit fast 500 Zimmern gebaut. Neue Hotels sollen auch im City-Point, auf dem Grundstück von Schuh-Leiser, den es nicht mehr gibt, in der Breiten Gasse und auf dem Augustinerhofgelände gebaut werden.

Club-Aufstieg tut Nürnberg gut

Zuletzt kündigte die Hamburger Hotelkette Niu zwei Neubauten mit mehreren Hundert Hotelzimmern an: Das Niu Spice soll 2021 in der Zufuhrstraße eröffnen. Ebenfalls 2021 geht das Niu Leo in der Schlachthofstraße an den Start. Wenn alle Projekte realisiert werden, dann sind es wahrscheinlich fast 3000 und nicht nur 2000 neue Betten.

Die Stadt selbst kann Hotels in Mischgebieten nicht verhindern, das weiß auch der Hotel- und Gaststättenverband. Der Tourismusfonds ist deshalb für Rottner wichtig, damit noch mehr auf Nürnberg aufmerksam gemacht werden kann. Für die positive Entwicklung der Tourismuszahlen sind neben einem gezielten Marketing, einem guten Messejahr auch Veranstaltungen wie die Blaue Nacht und die beiden Klassik-Open-Air wichtig. "Das hebt Nürnberg von anderen Städten ab", so Rottner. Deshalb sei auch der Aufstieg des 1. FC Nürnberg in die Erste Bundesliga sehr positiv zu bewerten: "Alles, was erstklassig ist, tut Nürnberg gut." 

André Fischer E-Mail

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