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In Nürnberg droht ein Sterben der Diskotheken

Geplante Tarifreform der Gema kommt Clubbesitzer teuer zu stehen — Bands kritisieren die Pläne - 09.07.2012 09:18 Uhr

Nürnberg  - Die geplante Tarifreform der Gema kann für viele Disco-Betreiber und Konzertveranstalter richtig teuer werden. Sie müssen mit einer radikalen Erhöhung der Abgaben rechnen. In der Clubszene brodelt es.

Ende der Party: Discobetreiber fürchten durch eine Gema-Reform höhere Abgaben.
Ende der Party: Discobetreiber fürchten durch eine Gema-Reform höhere Abgaben.
Foto: dpa
Ende der Party: Discobetreiber fürchten durch eine Gema-Reform höhere Abgaben.
Ende der Party: Discobetreiber fürchten durch eine Gema-Reform höhere Abgaben.
Foto: dpa

Gewöhnlich lassen sich Geschäftsleute nur ungern in die Bücher schauen. Axel Ballreich, der Inhaber des „Hirsch“, macht eine Ausnahme. „Pro Jahr steigen unsere Ausgaben von 7000 auf 35000 bis 40000 Euro pro Jahr“, schätzt er die Auswirkungen der Tarifreform auf seinen Betrieb. Auch Oliver Förschner, Mitbetreiber der Disco „Mach1“, sieht starke Belastungen auf sich zukommen: „Die Preiserhöhung wäre in unserem Fall zirka 700 Prozent. Das ist wirtschaftlich völlig unrealistisch und auch unmöglich tragbar.“

Solche Steigerungen sind nach Ansicht des Bundesverbandes deutscher Diskotheken und Tanzbetriebe (BDT) existenzgefährdend; er hat angekündigt vor Gericht zu ziehen, sollte die Gema die geplanten Änderungen umsetzen.


Die Gema, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, vertritt in Deutschland die Urheberrechte von mehr als 64000 Künstlern. Wird irgendwo in der Öffentlichkeit für ein breites Publikum Musik abgespielt, erhebt der Verein Gebühren und sorgt dafür, dass das eingenommene Geld an die Komponisten, Texter und Verleger weitergegeben wird.

Im Moment zahlen die Clubbetreiber eine geringe Pauschale — verglichen mit den weitaus höheren Gebühren für Live-Konzerte. Ab 2013 jedoch verlangt die Gema zehn Prozent einer Summe, die sich aus den Eintrittspreisen und der Größe des Veranstaltungsortes speist.

Der Knackpunkt: Die Gebühr berechnet sich also nicht anhand der Besucherzahlen einer Veranstaltung. „Wer Eintritt nimmt, den erwischt’s, egal ob groß oder klein, denn es wird davon ausgegangen, dass der Laden immer gleichmäßig voll ist“, sagt Ballreich. Die Reform bedeutet also vor allem für die größeren Discos eine radikale Erhöhung der Gebühren.

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Die Gema ändert ihr Tarifsystem für Discos. Das bedeutet für viele Betreiber eine radikale Erhöhung der Gebühren. Wir haben uns unter Nürnbergs Clubbesitzern, DJs und Musikern umgehört.



Aber auch Musiker und Bands sind betroffen, denn viele Clubs finanzieren durch die Discoabende die teureren Live-Konzerte. „Müssen wir von den Partyeinnahmen mehr abgeben, können wir weniger bis schlimmstenfalls gar keine Konzerte mehr veranstalten“, sagt David Lodhi vom „Club Stereo“. Deshalb stehen auch viele Musiker den Plänen der Gema kritisch gegenüber. Sie fürchten um ihre Auftrittsorte. „Es gibt eh schon wenige Clubs, die noch gute Konzerte buchen und auch den Nicht-Top-Ten-Bands eine Chance geben“, sagt Chris Mertel, Sänger bei der Band „Yucca“ Am Ende stünden Künstler und Publikum ohne Konzertabende da.

Aus für Livekonzerte

In das gleiche Horn stößt Sebastian Wild von der Kulturliga, einem Zusammenschluss von Livemusik-Veranstaltern in Nürnberg, Fürth und Erlangen. „Der geplante Gema-Tarif würde das Aus für viele Livekonzerte und die engagierten, zum Teil ehrenamtlich arbeitenden Veranstalterriegen bedeuten“, sagt er.

Doch noch hofft die Szene auf ein Einlenken der Gema. Die regionalen Verbände der Clubbetreiber stehen in Verhandlungen mit der Verwertungsgesellschaft. Dabei setzt die Szene auf Zusammenhalt. „Es wird Protestaktionen geben“, sagt Bernd Schweinar vom Verband für Popkultur in Bayern. Er schlägt vor, dass alle Discos nur noch zwei Euro Eintritt nehmen, dafür aber einen Aufschlag auf die ersten zwei Getränke verlangen. „Die Gema würde sich dann mit ihren eigenen Waffen schlagen, da sie eine geringere Summe durch den niedrigen Eintrittspreis einnähme“, meint Schweinar. 

LISA HAHN/hoe


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