Mittwoch, 12.12.2018

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Invasion in Franken: Schaben und Wanzen breiten sich aus

"Da, wo eine ist, sind meistens noch zehn weitere versteckt" - 12.10.2018 15:59 Uhr

Die Bernstein-Waldschabe sucht derzeit besonders oft die Nähe des Menschen. © Patrick Seeger/dpa


Die schlechte Nachricht vorweg: "Da, wo eine ist, sind meistens noch zehn weitere versteckt", klärt Schädlingsbiologin Eva Scholl auf. In die Wohnung kommen sie durch Türschlitze oder offene Fenster. Ihre Lieblingsplätze sind zum Beispiel hinter dem Kühlschrank, wo sich Tröpfchen bilden. Oder unter der Spüle. Zum Überleben brauchen sie nicht viel, sagt Scholl.  "Von der gummierten Rückseite einer Briefmarke kann sich eine Schabe zwei Wochen lang ernähren." Da hilft nur Putzen. Denn: Je länger sich die Insekten erst einmal eingenistet haben, desto schwieriger ist es, sie loszuwerden. 

Sie stellen ja auch ein hygienisches Problem dar, ergänzt Wolfgang Dötsch vom Bund Naturschutz Bayern. Wenn sie etwa die menschlichen Essensvorräte anknabbern und ihren Kot hinterlassen.

Besonders große Population

Vor allem Bernstein-Waldschaben lassen sich laut einer Meldung des Deutschen Presse-Diensts derzeit in Wohnungen im Süden Deutschlands blicken. Die kalten Herbstnächte treiben die ungebetenen Gäste nach innen. Das Tier ist aus den südlichen Schweizer Alpen eingewandert. Im warmen Sommer haben sich die Schaben zahlreich fortpflanzen können, daher ist die Population heuer besonders groß.

Doch Schaben sind vielseitig, das ist das Problem. Es gibt so viele verschiedene Arten, die alle andere Vorlieben haben. Die einen mögen Trockenheit, die anderen Feuchtigkeit. Manche fliegen sogar. Scholl erkennt sie alle - manche sogar allein am Geruch. Die Nürnbergerin merkt seit einigen Jahren aber, dass sich die Insekten neue Lebensräume suchen. So ist die Waldschabe seit jeher - freilich - in Wäldern angesiedelt. Dass sie sich nun immer häufiger eine Bleibe in Menschennähe suchen, wundert Scholl nicht. Das liege an den veränderten Klimabedingungen. Die können dafür sorgen, dass sich die Insekten umorientieren. "Was da noch kommt, weiß nur der Himmel!"

Bei der Bernstein-Waldschabe zumindest ist kein Kammerjäger nötig, schreibt die dpa. Sie ernährt sich am liebsten von Laub und Pflanzen. Wer in den eigenen vier Wänden mit einer Plage zu kämpfen hat, der sollte zuerst herausfinden, um welche Art es sich genau handelt. Scholl rät, die Tiere mit Alkohol anzulocken und ein Foto zu schießen, um sich dann an einen Experten zu wenden - ob Schädlingsbiologin oder -bekämpfer.

Übrigens haben auch andere Insekten vom warmen Sommer profitiert - unter anderem die Stinkwanze, die gerade ebenfalls nach warmen Orten zum Überwintern sucht. Die grünen und grauen Wanzen wurden aus den USA eingeschleppt. Auch sie haben es normalerweise nicht auf menschliche Nahrung abgesehen. 

Meike Kreil Online-Redakteurin E-Mail

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