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Investor hält Abriss am Hauptbahnhof für unumgänglich

Michael Lentrodt: "Der Kopfbau ist nicht mehr zeitgemäß" - 27.01.2015 06:00 Uhr

Der neue Eigentümer möchte nur noch die Fassade des Rundbaus (hinten links) stehen lassen: Kopfbau und Zwischenbau kommen weg.

Der neue Eigentümer möchte nur noch die Fassade des Rundbaus (hinten links) stehen lassen: Kopfbau und Zwischenbau kommen weg. © Foto: Haupt Immobilien


„Wir sind Experten im Bauen von nachhaltigen Gebäuden. Wir bauen keine Gebäude, die nur den heutigen Anforderungen entsprechen. Sie sollen auch noch morgen und übermorgen ohne große Umbauten genutzt werden können“, sagt Lentrodt. Der Kopfbau, der aus den dreißiger Jahren stammt, sei in energetischer Hinsicht, vom Tragwerk, von der Verwendungsfähigkeit, der Flexibilität, der Effizienz, der Gebäudetiefe und Aufteilbarkeit der Flächen her nicht mehr zeitgemäß. Lentrodt bestreitet nicht, dass es technisch möglich ist, den Kopfbau umzubauen: „Aber er bleibt ein Gebäude, das für einen anderen Zweck errichtet wurde und keine Zukunft mehr hat. Kein Investor würde Millionen in einen Umbau investieren.“ Ein großes Problem des Kopfbaus sei auch, dass er zum Teil über meterdicke Wände verfüge.

Haupt Immobilien möchte mit dem Neubau vom Raumvolumen (Kubatur) her ein städtebauliches Pendant zum Ergo-Hochhaus, das im Westen des Bahnhofsplatzes steht, errichten. Das bedeutet, dass der Neubau, der an der Stelle des Kopfbaus gebaut wird, höher ausfallen wird als das derzeitige Gebäude. Da der Kopfbau nicht unter Denkmalschutz steht und abgerissen werden darf, so Lentrodt, habe man die Gründung und die Statik des Kopfbaus nicht genauer daraufhin untersucht, ob ein Aufstocken grundsätzlich möglich sei.

Das geplante Gebäude muss multifunktional nutzbar sein. „Als Hotel, Büro, Verwaltung und Dienstleistungszentrum“, sagt Lentrodt. Möglich sei es, dass ein Hotelbetreiber in zehn Jahren das Gebäude wieder verlässt und ein neuer nicht zu finden ist. „Wir wollen riskieren, dass dann der Bau leersteht. Wir müssen so planen, dass wir das Gebäude mit einem relativ geringen Aufwand zu einem Bürogebäude umbauen können.“

Was die Höhe und das Volumen angeht, soll sich der Neubau an dem Ergo-Hochhaus neben dem Hauptbahnhof orientieren.

Was die Höhe und das Volumen angeht, soll sich der Neubau an dem Ergo-Hochhaus neben dem Hauptbahnhof orientieren. © Foto: Eduard Weigert


Rundbau ist einsturzgefährdet

Der Kopfbau besteht aus einem Stahlgerüst, das mit Mauerwerk und anderen Baumaterialien ummantelt ist. Die Bausubstanz des Kopfbaus ist offenbar nicht so schlecht wie die des angrenzenden Rundbaus, der einsturzgefährdet und total marode ist. Darüber gebe es ein Gutachten vom Denkmalschutz, so Lentrodt. Der Rundbau besteht aus unterschiedlichen, sehr heterogenen Materialien. „Bei drei Bohrungen in einer Etage kommen drei unterschiedliche Materialien mit unterschiedlicher Festigkeit zutage“, sagt Lentrodt. Deshalb habe man auch seit über 20 Jahren keine neuen Nutzer gefunden. Nach dem Wunsch der Denkmalschützer sollen die Fassaden mit den Fenstern und die Treppenhäuser stehen bleiben. Daran will sich Lentrodt halten: „Der Rundbau wird entkernt und im Inneren neu gebaut. Auch die alte Dachformation wird übernommen.“

Neue Nutzer kann Haupt Immobilien noch nicht präsentieren. Derzeit stimme man mit der Stadt den Architektenwettbewerb ab. Der Zeitplan sieht nach Angaben des Unternehmens folgendermaßen aus: Im Mai sollen Ergebnisse zur Architektur des Neubaus vorliegen, damit im Herbst der Bauantrag gestellt werden kann. Ende 2015 oder im Frühjahr 2016 soll mit dem Neubau begonnen werden.

Die Investitionssumme kann Lentrodt noch nicht nennen: „Erst wenn wir die Kubatur haben, können wir über die Flächen reden. Es wird ein großer zweistelliger Millionenbetrag sein.“ Im Rahmen des Neubaus sollen auch die Verkehrsbeziehungen am Hauptbahnhof verbessert werden. Haupt Immobilien hat noch nicht entschieden, ob der Neubau nach der Fertigstellung weiterverkauft wird oder man ihn im Bestand behält.

Auch Baureferent Daniel Ulrich hält einen Neubau für unumgänglich: „Ich bin kein großer Freund von Abrissen. Wenn aber ein Haus 25 Jahre leersteht, dann muss man es sich überlegen.“ Ulrich ist optimistisch, was den Architekturwettbewerb angeht. Seiner Meinung nach hat die Crème de la Crème zugesagt: „Es sind Architekten dabei, von denen wir uns schon immer gewünscht haben, dass sie ein steinernes Highlight und nicht eines aus Stahl und Glas in Nürnberg errichten.“ 

André Fischer (Nürnberger Zeitung)

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