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Kirche St. Martha in Nürnberg ausgebrannt

Feueralarm um 1.30 Uhr - Ursache noch unklar - Schäden im Millionenbereich - 05.06.2014 13:19 Uhr

Die Feuerwehr begutachtet am Donnerstagmorgen die Schäden aus der Vogelperspektive: Das Kirchenschiff von St. Martha ist ein Trümmerfeld.

Die Feuerwehr begutachtet am Donnerstagmorgen die Schäden aus der Vogelperspektive: Das Kirchenschiff von St. Martha ist ein Trümmerfeld. © News5/Grundmann


Dachstuhlbrand im Herzen Nürnbergs: Die Kirche St. Martha in der Altstadt, unweit des Hauptbahnhofs, fing am frühen Donnerstagmorgen gegen 1.30 Uhr Feuer. Als die Feuerwehr eintraf, loderten die Flammen bereits meterhoch aus dem Gebäude, die Einsatzkräfte konnten aber ein Übergreifen des Feuers auf umstehende Häuser verhindern.

Die genaue Lage des Brandes war zunächst unklar, da es im gesamten Bereich zwischen Königstraße und Bauhof eine massive Rauchentwicklung und einen starken Funkenflug gab. Die ersteintreffenden Rettungskräfte stellten daraufhin fest, dass das Feuer in der Kirche St. Martha ausgebrochen war. Aus bisher unbekannter Ursache brannte der komplette Dachstuhl des Hauptschiffes der Kirche. Die Flammen schlugen bereits aus dem Dach hervor.

Anwohner in umliegenden Häusern eingeschlossen

An den Fenstern der umliegenden Gebäude machten sich mehrere Anwohner bemerkbar, die ihre Wohnungen wegen des starken Rauchs nicht mehr über die Haustüre verlassen konnten. Insgesamt wurden sechs Personen über Leitern der Feuerwehr gerettet und vom Rettungsdienst betreut.

Die Feuerwehr drang mit schwerem Atemschutz in die Kirche ein, um das Feuer so gut wie möglich einzudämmen. Wegen des drohenden Einsturzes des Dachstuhls mussten sie sich jedoch kurze Zeit später in einen sicheren Bereich zurückziehen. Zusätzlich wurden von außen drei Drehleitern eingesetzt, um die umliegenden Gebäude zu schützen und den Dachstuhl abzulöschen. Dieser brannte völlig aus und stürzte ein.

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Kirche in Flammen: St. Martha in Nürnberg nachts ausgebrannt

Meterhohe Flammen in Nürnbergs Altstadt: Am frühen Donnerstagmorgen brannte der Dachstuhl der Kirchew St. Martha unweit des Hauptbahnhofs völlig aus.


Gegen 3.30 Uhr war der Brand bis auf Nachlöscharbeiten eingedämmt. Menschen wurden nicht verletzt. Zur Klärung der Einsturzgefahr wurde ein Statiker der Bauordnungsbehörde hinzugezogen, der die Kirche und ein angrenzendes Haus im Laufe des Tages überprüfen soll. Die angrenzenden Gebäude wurden in der Nacht noch geräumt, die Bewohner konnten nach BR-Informationen bis zum Donnerstagmittag jedoch wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Die umliegenden Straßen wurden für die Dauer des Einsatzes von der Polizei gesperrt. Kurz nach 5 Uhr konnten die Verkehrssperrungen seitens der Polizei um den Einsatzort aufgehoben werden.

Die Höhe des entstandenen Sachschadens kann derzeit noch nicht beziffert werden. "Wir gehen derzeit von einem Schaden im siebenstelligen Bereich aus", sagte ein Sprecher der Polizei.

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St. Martha nach dem Brand: Trümmer im Kirchenschiff

Am Morgen nach dem katastrophalen Brand der Kirche St. Martha im Herzen Nürnbergs wird das ganze Ausmaß erst sichtbar: Der Dachstuhl ist komplett zerstört, im Innenraum der Kirche liegen verkohlte Balken und Trümmer herum. Eine weitere Hiobsbotschaft am Donnerstagmorgen: Das Gotteshaus ist wohl einsturzgefährdet.


Die Kriminalpolizei Nürnberg hat die Ermittlungen zur bisher völlig unklaren Brandursache aufgenommen. Insgesamt waren 60 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr, 22 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren aus Worzeldorf und Gartenstadt, 20 Polizeibeamte, vier Rettungswägen, eine Notärztin und der Einsatzleiter des Rettungsdienstes im Einsatz.

Vier weitere Freiwillige Feuerwehren waren für die Dauer des Einsatzes zur Absicherung des Stadtgebiets in Bereitschaft. Die VAG stellte zur Betreuung der betroffenen Anwohner einen Bus zur Verfügung. Die angrenzende Kindertagesstätte, die von der Kirchengemeinde betrieben wird, bleibt wegen der Nähe zur Einsatzstelle bis auf weiteres geschlossen.

Wie die Hilfskräfte selbst den Großeinsatz erlebten, erzählte Thomas Schertel, Pressesprecher der Berufsfeuerwehr Nürnberg, einen Tag nach dem Großbrand im Interview.

Sanierung rettete sakrale Gegenstände

Die evangelisch-reformierte Kirche steht inmitten von enger Bebauung in der Königsstraße und gehört zu den ältesten Kirchen in Nürnberg, 1385 wurde sie geweiht. Während des zweiten Weltkrieges wurden das Dach und das Chorgewölbe durch eine Fliegerbombe beschädigt. Allerdings hielten sich die Schäden im Vergleich zu denen an den anderen Nürnberger Kirchen in Grenzen und St. Martha war schon 1946 wieder in Stand gesetzt. In den letzten Wochen wurde das Gebäude saniert. "Ob die Renovierungsarbeiten mit dem Brand in Verbindung stehen, wissen wir derzeit noch nicht", sagte ein Sprecher der Polizei. Nach Angaben der Gemeinde seien an der Kirche allerdings noch keine feuergefährlichen Arbeiten wie etwa Schweißarbeiten ausgeführt worden.

Das Kirchenschiff ist ein einziges Trümmerfeld.

Das Kirchenschiff ist ein einziges Trümmerfeld. © Katrin Wiersch


Aufgrund der Arbeiten wurden die sakralen Kunstgegenstände ausgelagert und befanden sich laut Aussage der Kirchengemeinde nicht im Gotteshaus. Auch die wertvollen gotischen Fenster wurden ausgebaut, zu einer Spezialfirma nach München gebracht und blieben so verschont. Schwerwiegend ist jedoch der Schaden an der erst 1990 neu eingebauten Orgel, die während des Brandes enorm viel Hitze speicherte. Daher musste die Feuerwehr am Donnerstagmorgen immer wieder Brandherde im Bereich um das Instrument löschen. Wie der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf den Gemeindepfarrer berichtete, schmolzen auch alle Glocken der Kirche.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Nürnberg hat zu einem Gottesdienst am Donnerstagabend um 18 Uhr aufgerufen. Im Rahmen der Gebetswoche für die Einheit der Christen werde ein Gottesdienst "bei" St. Martha gefeiert, teilte der Vorsitzende der ACK Ekkehard Wohlleben mit. Zahlreiche Menschen nahmen an der Andacht teil. Die Kollekten kommen dem ausgebrannten Gotteshaus zugute.

Auch die Katholische Stadtkirche zeigte sich solidarisch und rief zu einer Sonderkollekte auf. Vom 21. bis 22. Juni soll Geld für die Instandsetzung gesammelt werden.
  

lio/mst/AFP

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