Mittwoch, 16.01.2019

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Klinikum Nürnberg will ab 2018 Tierversuche durchführen

Experimente sollen Erkenntnisse zu künstlichen Knorpeln und Sehnen bringen - 27.09.2017 05:57 Uhr

Am Nordklinikum sollen künftig Tierversuche an Mäusen und Ratten stattfinden. © Roland Fengler


Die Untersuchungen könnten beispielsweise dazu beitragen, künstlichen Ersatz für Kreuzbänder zu entwickeln. Die private Paracelsus Universität am Klinikum führt die Forschungen durch. Schon in den 1980er Jahren gab es ein Tierlabor am Nordklinikum, doch die Forschungen wurden eingestellt. Jetzt greift man diese Tradition wieder auf. Bis zu 100 Mäuse und 20 Ratten sollen im Labor für Forschungszwecke gehalten werden. Größere Tiere - wie etwa Hunde - sind dagegen keinesfalls vorgesehen, betonen die Verantwortlichen.

"Wir wollen nicht bereits vorhandene Ergebnisse reproduzieren, unsere Arbeit soll neue Erkenntnisse bringen", erklärt Professorin Gundula Schulze-Tanzil von der Paracelsus-Universität, in deren Zuständigkeit das Tierhaus fällt. Es soll keine unnötigen Tests geben. Auch wenn es sich um eine kleine Zahl an Versuchstieren handelt - in Berlin gibt es Einrichtungen mit 60.000 Individuen, so unterliegt die Nürnberger Einrichtung einem strengen Genehmigungsverfahren.

Für die räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen ist das hiesige Ordnungsamt zuständig. Daneben muss die für ganz Nordbayern zuständige Regierung von Unterfranken in Würzburg jeden einzelnen Tierversuch erlauben: Sie prüft die wissenschaftliche Fragestellung des Versuchs, seine Unerlässlichkeit für die Forschung, die ethische Vertretbarkeit sowie die Sachkunde des Versuchsleiters.

Eine halbe Million Euro wurde in das kleine Gebäude an der Flurstraße investiert: Es gibt dort Klimaschränke, in denen die Mäuse und Ratten gehalten werden sollen. Man kann die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Licht individuell einstellen. In den Käfigen sind neben Streu und Weichholz zum Nagen auch Holzhäuschen vorgesehen, in denen sich die Tiere verstecken können. Doch derzeit sind die Käfige noch leer, erst muss die behördliche Genehmigung vorliegen.

"Die Haltung muss so sein, dass es den Säugetieren gut geht. Außerdem ist Schmerz, Leid und Schäden bei den Tieren auf ein Minimum zu reduzieren", sagt Tierschutzbeauftragter Dr. Thilo Spruss von der Universität Regensburg. Der Wissenschaftler berät die Mediziner am Nordklinikum, die an den Tierversuchen beteiligt sind. Spruss selbst hat zahlreiche Tierversuche zur Tumorforschung durchgeführt und verfügt über eine langjährige, umfassende Erfahrung. 

Hartmut Voigt

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