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Kostas' Traum ist nie vorbei

Wie ein griechischer Wirt auf Abramowitschs Hilfe hofft - 17.10.2012 14:00 Uhr

KOS/NÜRNBERG  - Wo andere Griechen auf gestickten Spitzendeckchen Heiligenikonen aufstellen, hat Kostas einen grün-weißen Schal und ein vergilbtes Mannschaftsbild hingehängt. Er glaubt an Gott und an Panathinaikos Athen. Das war schon vor 22 Jahren so, als ich das erste Mal sein Restaurant auf der griechischen Insel Kos betrat, an der Hand vom Papa, der Fisch essen wollte, und ich Pommes.

Im kleinen Fernseher lief ein Fußballspiel, und immer, wenn der junge Kostas auf dem Weg in die Küche daran vorbei musste, blieb er stehen und vergaß für ein paar Pässe und Dribblings sein Kellnerleben. Erst der Ruf seiner Mutter, mit dampfendem Moussaka oder dem gegrillten Fisch auf dem Teller, riss ihn zurück in den kleinen Gastraum. Er fluchte dann manchmal leise: „Panagia mou“, Heilige Mutter Gottes.

Kostas und ich hatten einen Traum: Einmal so Fußball spielen zu können, dass jemand stehen bleibt, um uns im Fernseher zuzusehen. Ich beim FC Bayern, er bei Panathinaikos. Doch meine Karriere endete irgendwo in der Kreisliga, seine im Inselverein, wo sie auf staubigen Schotterplätzen spielen und Schiedsrichter manchmal bis in die Berge jagen.

Kürzlich haben wir uns mal wieder gesehen, Kostas und ich. Er freut sich immer sehr, und bevor er die Bestellung aufnimmt, fragt er nach der Familie, erzählt vom Fischfang und, natürlich, reden wir über Fußball. Diesmal ging es nicht um Panathinaikos, diesmal sprach Kostas über Roman Abramowitsch, der mit seiner Yacht für ein paar Tage die kleine Bucht und sämtliche Geschichten auf der Insel füllte.

Kostas, dessen Haare an der Schläfe langsam grau werden, erzählte nicht vom Kaffee in einer Hafenkneipe, den der Oligarch mit 50 Euro Trinkgeld bezahlt haben soll. Kostas sprach von seinem Traum. „Abramowitsch hat gefragt: Wo bin ich hier? Im Paradies?“ Der Milliardär, hatte er gelesen, wolle eine Nobelferiensiedlung bauen. „Und stell’ dir vor“, sagte Kostas und zeigte auf das staubige, mit Dornenbüschen überzogene Land hinter seinem Restaurant: „Gleich hier könnte er ein Trainingszentrum für den FC Chelsea errichten.“ Sicher, mit Abramowitsch würde alles teurer, aber für seine Stammgäste würde Kostas einfach eine alte Menükarte behalten. Mit den alten Preisen. Und alle wären glücklich. Als Kostas bemerkte, dass ich eher skeptisch dreinblickte, rückte er näher und flüsterte: „Trainingsspiele könnte Chelsea gegen unseren Inselklub machen. Wäre das nicht wunderbar?“

Der Wirt des kleinen Restaurants hat seinen alten, längst verflossenen Traum wiederbelebt. Vielleicht ist er ihm sogar näher, als je zuvor. Kostas könnte es mit Abramowitschs Hilfe doch noch schaffen, im kleinen Fernseher Fußball zu spielen. Zwar nicht mit Panathinaikos, dafür mit seinen Freunden aus dem Inselklub.

  

CHRISTOPH BENESCH


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