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Liberté, Égalité, Fraternité

Insel-Schütt-Schüler feiern im Namen der deutsch-französischen Freundschaft - 16.01.2015 21:07 Uhr

Die Grundschule Insel Schütt im Ausnahmezustand: Die Mädchen im Klassenzimmer 120 stellen französische Tänze mit bunten Tüchern dar. © Eduard Weigert


Im großen roten Backsteinhaus wird wieder gefeiert. Jeden Freitag vor dem 22. Januar gedenken die rund 130 Grundschüler der Geschichte. Im Pariser Élysée-Palast unterzeichneten vor 52 Jahren die Staatsoberhäupter Charles de Gaulle und Konrad Adenauer den Élysée-Vertrag, der das alte Vertrauen einstiger Freunde wiederherstellen sollte. Zu einem der Kernbereiche des deutsch-französischen Freundschaftspaktes gehört die enge Zusammenarbeit in der Kinder- und Jugendpolitik. Dieses Anliegen hat auch in Nürnberg seine Spuren hinterlassen: Die Grundschule Insel Schütt engagiert sich sehr im Namen des binationalen Austausches.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert des Friedens stärken die Grundschüler dort das Band der deutsch-französischen Freundschaft. Mit Liedern aus dem Französisch-Unterricht wie „la famille“ oder „la sorcière Grabouilla“ eröffnen sie in diesem Jahr diesen besonderen Tag und seilen sich von Klassenzimmer zu Klassenzimmer, um den Eiffelturm aus Legosteinen zu bauen, ihre Kräfte wie Asterix und Obelix zu messen und die Tour de France mit einem Fitness-Fahrrad zu bestreiten.

Melissa (links) und Diana haben Spaß beim hindernisreichen Kellner-Parcours. © Eduard Eeigert


Schulleiterin Sandra Schäfer war es an diesem Tag wichtig, das Positive zu verstärken und nicht den Fokus auf das Attentat von Paris zu legen. Bereits im Vorfeld waren die Kinder von ihren Eltern und den Lehrkräften diesbezüglich aufgeklärt worden. An diesem ereignisreichen und bereits lange im Vorfeld geplanten Tag wurde die Trauer beiseitegelegt, um wenigstens für ein paar Stunden etwas nach vorne blicken zu können.

„Ohne Schranken“

Das Lehrerkollegium, die Eltern, und vor allem die Kinder, sind hier alle vereint unter der Trikolore-Dekoration, den typisch französischen Spezialitäten und der internationalen Freundschaft. Hand in Hand stehen die Jungen und Mädchen in der Aula, singen Lieder von Toleranz, Respekt und Einigkeit. Der Kinderchor beschallt das Schulhaus mit den Worten: „Kleine Europäer rücken immer näher, immer näher aufeinander zu. Wie ich und du. Denken ohne Schranken, frei sind die Gedanken.“ Und ihre Gedanken sind frei.

Ihre Gesichter zieren die Nationalfarben Deutschlands und Frankreichs, doch in ihrem Inneren sind sie Weltbürger. Keine Flagge oder Religion trennt sie voneinander. Jeder kleine oder große Unterschied ist ein persönliches Merkmal, das respektiert wird. Hier ist jeder gleich — auch wenn er vielleicht anders aussehen mag. Diese kleinen Menschen, die in sich doch so groß sind, schaffen das, was viele Erwachsene nicht können: Den Wahlspruch der Französischen Revolution von „Liberté, Égalité, Fraternité“ haben sie verinnerlicht.

Sie leben die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit — angesichts der jüngsten Ereignisse wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Doch diese Kinder machen Mut. Mut für eine Welt ohne Ausgrenzung, Intoleranz und Unterdrückung. 

RAMONA NÜRNBERGER

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