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Mängel in Nürnbergs Pflegeheimen: Experte schlägt Alarm

Chef des Nürnberger Gesundheitsamtes: Scharfe Kritik an deutscher Politik - 19.06.2018 05:38 Uhr

Die Zustände in manchen Nürnberger Pflegeheimen sind weiterhin bedenklich. © Daniel Reinhardt/dpa


Beier wirft dem Berliner Politikbetrieb einen "Tunnelblick" vor, da ständig über Asylpolitik gestritten werde, zentrale Herausforderungen wie der Klimawandel oder die Pflege aber unter den Tisch fielen. Die Zahl von 8000 Pflegekräften, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zusätzlich schaffen will, vernebele die wahren Probleme. "Diese Stellen können gar nicht besetzt werden."

Es gebe viel zu wenige Menschen, die diesen schwierigen Job angesichts der mageren Bezahlung machen möchten. "Ein Arbeitnehmer verdient in Deutschland im Schnitt 16,97 Euro pro Stunde", rechnet Beier vor. "Eine Pflegefachkraft bekommt 14,24 Euro, eine Pflegehilfskraft 11 Euro." Beier stimmt dem Vorschlag des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach zu, dass der Lohn des Pflegepersonals um 30 Prozent angehoben werden müsste. "Das könnte das Problem entschärfen." Geschieht dies nicht, befürchtet der Amtschef angesichts des demografischen Wandels in einer alternden Gesellschaft eine weitere Zuspitzung der Lage.

Mehr Personal für die Heime

Fred-Jürgen Beier, Leiter des Gesundheitsamtes Nürnberg. © Fengler


Genau wie Beier denkt auch der für den Gesundheitsbereich in Nürnberg zuständige Umweltreferent Peter Pluschke (Die Grünen), dass mehr Personal in die Heime müsste – obgleich der Bericht der Heimaufsicht ergab, dass die Heime zum ganz großen Teil sogar die gesetzlich geforderte Fachkraftquote einhalten. Dennoch, meinen Pluschke und Beier, könnte eine bessere Personalausstattung helfen, Mängel zu vermeiden.

Wie die Nürnberger Zeitung bereits berichtete, hat die Heimaufsicht im Jahr 2017 102 erhebliche Mängel festgestellt. Ein solcher liegt dann vor, wenn durch Fehler in Pflege oder Arzneimittelvergabe die Gesundheit eines Bewohners gefährdet ist. In drei Fällen, so Andrea Brouer, Chefin der im Gesundheitsamt angesiedelten Heimaufsicht, habe aus pflegefachlicher Sicht der erhebliche Mangel zum Tod eines Bewohners geführt. Pluschke betonte aber, dass es in keinen dieser Fälle zu strafrechtlichen Konsequenzen gekommen sei. "Die Hürden sind da sehr hoch", so Beier.

2015 konnte die Heimaufsicht noch alle damals 98 Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe (inzwischen sind es 108) begehen und stellte dabei 24 erhebliche Mängel fest. 2017 waren es viermal so viel, obwohl die Behörde 24 Einrichtungen der Altenhilfe gar nicht kontrollieren konnte. Am Donnerstag diskutiert der Sozialausschuss über das Thema. 

Marco Puschner

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