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Medizinische Recherche im Netz: Nürnberger Agentur hilft

Xeomed: Pharma-Industrie hat Internetnutzer zu wenig im Blick - 05.10.2018 06:50 Uhr

Spezialuhren überwachen Körperfunktionen wie Puls oder Herzrhythmus. Die Daten geben Aufschluss über die Gesundheit. © Foto: Franziska Gabbert/dpa


Der unerschöpfliche Wissensschatz des Internets erstreckt sich natürlich auch auf medizinische Themen. Doch häufig sind die Informationen, welche die Pharma-Industrie ins Netz stellt, von ihren Produkten her gedacht. Ein klassischer Fehler, meint Niggemeier: "Wir wollen die Blickrichtung ändern. Die Firmen sollen den Blickwinkel der Betroffenen einnehmen." Hierbei sieht der Wirtschaftsingenieur einen deutlichen Schulungs- und Beratungsbedarf.

Seine Firma Xeomed unterstützt die Pharma-Industrie bei deren Auftritt im Internet. Was wird im Netz gesucht? Welche Bedürfnisse hat der User? Wie erreichen Videos, Grafiken oder Texte den Suchenden? Das sind zentrale Fragen. Es geht um die Optimierung von Suchmaschinen und die Google-konforme Aufarbeitung der Informationen. "Da sind wir noch ein Entwicklungsland, wir stehen ganz am Anfang", meint der 39-Jährige.

Eine gesunde Skepsis gegenüber allzu schnellen Antworten sollte man sich allerdings bewahren, wenn man Fragen zur Gesundheit im Internet recherchiert. Die Gefahr ist sehr groß, im Halbwissen stecken zu bleiben. Niggemeier räumt ein, dass "dieses Risiko mitschwebt", der Arztbesuch sei meist unumgänglich. Doch er wirbt bei Pharma-Industrie und allen im Gesundheitsumfeld Tätigen darum, ihr Wissen zu teilen: "Denn die Internet-Recherche wird genutzt, ob dies dem Arzt gefällt oder nicht." Eine neuere Studie deute übrigens ein Umdenken bei den Medizinern an, meint der Marketing-Profi. Früher sei die Mehrheit der Ärzte der Internet-Recherche skeptisch gegenübergestanden.

Jetzt würden sie "Dr. Google" überwiegend positiv bewerten. Die Ärzte müssten bei vorinformierten Patienten nicht mehr ganz beim Anfang beginnen. Allerdings hält es Niggemeier für unverzichtbar, immer wieder die Grenzen der Internet-Suche deutlich zu machen: "Man muss klar kommunizieren, wenn Grenzen erreicht sind."

Nutzen ist überschaubar

Und so kommuniziert der Unternehmer klar, was er von den zahlreichen Gesundheits-Apps hält: extrem wenig. Der Nutzen sei doch sehr überschaubar. "Viele Apps sind wertlos, weil sie keinen Mehrwert enthalten. Sie sind vom Produkt, vom Wettbewerb her gedacht, nicht vom Benutzer", erklärt der Unternehmer.

Anders sei es mit digitalen medizinischen Geräten, die beispielsweise den Puls oder Blutdruck messen. Sie würden sehr wohl einen konkreten Nutzen für die Benutzer bringen. So gibt es mittlerweile auch Kontaktlinsen, die den Blutzuckerspiegel ermitteln und die Daten aufs Handy liefern. Die sei eine konkrete Hilfe für Diabetiker. Die Apple Watch sammelt Gesundheitsdaten des Trägers rund um die Uhr, der Hersteller will sie als Medizingerät zulassen - und damit ein weiteres Geschäftsfeld erschließen.

Die digitale Technik wird großen Einfluss im Gesundheitswesen gewinnen, prognostiziert Niggemeier - und formuliert sein Credo: "Digital ist erfolgreich, wenn folgende Frage beantwortet wird: ,Was sind die Gesundheitsprobleme derer, die ich erreichen möchte?‘"

Beim Nürnberg Digital Festival informiert Xeomed über das Suchverhalten bei Gesundheitsfragen im Internet. Termin ist am Mittwoch, 17. Oktober, ab 18.30 Uhr in der Firma, Forchheimer Straße 2, Nürnberg. Anmeldung unter: https://nuernberg.digital/ festival/programm/ 

Hartmut Voigt

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