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Mit dem Ami-Schlitten durch Nürnberg kreuzen

Der Autoverleih „Dreamday with Dreamcars“ vermietet US-Klassiker für Selbstfahrer — An 5,70 Meter Länge muss man sich gewöhnen - 09.12.2013

Viel Chrom und ausladende Formen: Die Autos von Lukas Smolka und Virve Weigel, hier das Cadillac deVille Cabriolet von 1967, bringen amerikanisches Lebensgefühl auf die Straße. © Michael Matejka


Menschen bleiben auf der Straße stehen, freuen sich, gucken mit großen Augen. Machen Fotos aus fahrenden Autos heraus, winken, lachen an der Ampel. Als fahre ein Star, eine große Berühmtheit durch die Straßen Nürnbergs, deren Anwesenheit so ungewöhnlich, deren Anblick so erfreulich ist, dass es jedem eine Sekunde des Innehaltens wert ist.

Doch nicht der Fahrer ist der Held, sondern das Fahrzeug selbst: stattliche Erscheinung, imposantes Gebrumme, extravagantes Design. Ein Cadillac deVille, Baujahr 1967, weinrot mit cremefarbenem Verdeck. Das Auto ist Mitglied einer kleinen Oldtimer-Familie, die sich in Nürnberg niedergelassen hat: Der Verleih „Dreamday with Dreamcar“ ist auf amerikanische Klassiker spezialisiert – und weist eine große Besonderheit auf: Wer hier mietet, darf selbst ans Steuer.

Kühlergrill des Cadillac deVille © Michael Matejka


„Ich hatte immer schon ein Faible für altes Kulturgut, das mich einfach mehr fasziniert hat als das neue Zeug“, sagt Lukas Smolka und wirft dem weißen Ford Fairlaine einen fast schon liebevollen Blick zu. Das seltene Cabrio, Baujahr 1959, steht in einer Garage am Ostring – und soll möglichst vielen Menschen einen schönen Tag bereiten. Vier dieser Classic Cars befinden sich derzeit im Besitz des Unternehmers und seiner Freundin, der Architektin Virve Weigel.
Angebote zum Verleih von Old- wie Youngtimern verschiedenster Modelle gibt es in Nürnberg und Umgebung ausreichend und zumeist von privat. Die meisten Besitzer sind in ihr Fahrzeug jedoch so verliebt, dass sie sich als Chauffeur gleich mit vermieten.

„Weil der so schön war“

Das gibt es bei Smolka und Weigel nicht. Wer hier ein Auto mietet, fährt selbst. Gar nicht so leicht, verrät der 33-Jährige, der sich mit Anfang 20 bereits einen blauen Mercedes W123 gekauft hatte, „weil der so schön war“ und er von seiner Freundin wusste, dass die sich genau so ein Fahrzeug immer schon gewünscht hatte: „Während eines Urlaubes habe ich dann kurzum den Wagen gekauft, um sie damit vom Flughafen abzuholen.“

Der Beginn einer großen Liebe – nicht nur zu Oldtimern. Der nächste, ein 65er Dodge Cornet in Aubergine, (für Männer in Dunkelviolettmetallic), war ein gern gesehener Gast auf Oldtimertreffen oder Hochzeiten. Als die Zeit für Vergnügungsfahrten immer knapper wurde, begannen Smolka und Weigel darüber nachzudenken, worüber ein Oldtimer-Besitzer selten glücklich ist: das Auto zu vermieten, damit „auch andere an dem Kulturgut teilhaben können“. Der Haßfurter Oldtimer-Verleih, bei dem der Dodge schließlich integriert wurde, musste Anfang des Jahres verkauft werden. „Kennen Sie zufällig jemanden, der das übernehmen möchte?“ habe der Betreiber Smolka gefragt, und der ganz spontan geantwortet: „Ja, mich!“ So begeistert sei er von der Idee, von dem schönen Business gewesen, dass er das Angebot nicht habe ausschlagen können.

Das nostalgische "Cockpit" des Dreamcars. © Michael Matejka


Neben dem roten Cadillac deVille Cabrio (1967), dem Dodge und dem Ford Fairlane befindet sich unter den Schätzen noch ein roter Ford Mustang (1966), alle können tageweise gebucht werden.
Schön und ziemlich wuchtig sehen die Straßenkreuzer aus. „Viele haben großen Respekt vor der Größe, sind dann aber bereits nach kürzester Einweisung völlig sicher“, versichert Smolka.

Der linke Fuß hat Pause

In einer verkehrsberuhigten Zone erfolgt die Einweisung: Der linke Fuß hat dank Automatik Pause. Wie üblich befindet sich der Blinker links vom Lenkrad, wie heutzutage gar nicht üblich rechts davon der Schaltknüppel. Betätigt man den, um zwischen Vor- und Rückwärtsgang, Leerlauf und Park-Modus zu wechseln, macht das ganze Auto einen deutlich spürbaren Ruck. Das kommt vom riesigen Motor, erklärt Smolka. Bereits das erste Anrollen fühlt sich an, als schösse man in hohem Tempo davon.

Der Caddy ist laut, die Technik alt, man ist mit dem Fahrzeug so viel stärker verbunden als mit heutigen Fahrzeugen, die einen kaum mehr spüren lassen, was eigentlich alles so passiert. Entsprechend weit lässt einem der röhrende Motor das Herz aufgehen. Die Lenkung ist, anders als erwartet, höchst sensibel, ein bisschen, als würde man über die Straße schwimmen.
Während der ersten Runde hat nicht nur der linke, sondern auch der rechte Fuß Pause – abgesehen von einigen Bremsmanövern. Die Geschwindigkeit beim Anrollen reicht völlig aus, um sich an die riesigen Abmessungen des 5,70 Meter langen Caddys zu gewöhnen. Die Autos im Gegenverkehr bremsen, bleiben stehen, winken lächelnd durch. Der Respekt vor dem Cadillac ist auf beiden Seiten groß.

Auf der Hauptstraße lauern unzählige Schikanen wie Baustellen und andere Verkehrsteilnehmer. Alles scheint sehr eng zu sein. Und sehr schnell, dabei zeigt der Tacho doch nur 30 an. „Das sind natürlich Meilen“, lautet die Erklärung. Oh. Ach so. Dann lieber wieder auf 15 abbremsen. Der Puls ist hoch genug.
Wer selber mal ans Steuer möchte, muss mindestens 25 Jahre alt und bereit sein, mindestens 390 Euro für das Fahrvergnügen zu investieren. Der Preis scheint nicht abzuschrecken. Schon für das Jahr 2014 gibt es etliche Anfragen. „Mit Glück kann es aber auch mal kurzfristig klappen“, sagt Weigel.
  

KATHARINA WASMEIER

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