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Morlock-Stadion: Warum Scheitern keine Schande wäre

Sechs Lehren aus der Crowdfunding-Aktion für einen neuen Namen - 13.05.2017 08:00 Uhr

Das Max-Morlock-Stadion bleibt wohl ein Traum einiger FCN-Fans. Zumindest vorerst. © Max-Morlock-Stadion


Etwas über 300.000 Euro in 40 Tagen: Ist das für eine Crowdfunding-Aktion (eine Vielzahl von Menschen finanzieren gemeinsam eine Idee oder ein Projekt) nun viel Geld, wenn es um die Namensnennung des Nürnberger Stadions nach Club-Legende Max Morlock geht, oder nicht?

Gemessen am Ziel von 800.000 Euro nicht, der angepeilte Betrag wurde eindeutig verfehlt. Gemessen am relativ kurzen Zeitraum sind gut 300.000 Euro dagegen schon eine ordentliche Summe. Gerade, da es viele Kleinspender sind, die ihre Bereitschaft bekundet haben, Geld zu geben. Doch am Ende wird es nicht reichen, wenn nicht am heutigen Samstag oder am Sonntag noch (die Kampagne endet am 14. Mai um 23.59 Uhr) ein finanzielles Wunder, etwa in Form von Großspendern, geschieht. Das Geld der Unterstützer würde ja nur abgerufen, wenn das Ziel erreicht wird.

Damit ist die Consorsbank mit ihrer Namensaktion allem Anschein nach erst einmal gescheitert. Was genau das bedeuten - und wie sie nun weitermachen wird - will sie am Sonntag erklären. Schwer vorstellbar, dass die Manager einen Rückzieher machen. Das wäre nach dem verfehlten Crowdfunding-Ziel kaum vermittelbar und dem Image der Online-Bank sicher noch weniger zuträglich.

Doch einige Erkenntnisse und Lehren lassen sich bereits jetzt aus der Aktion der Consorsbank ziehen.

1. Es gibt, ganz banal, wohl eben doch nicht genügend Unterstützer für ein Max-Morlock-Stadion, die bereit sind, so viel Geld auszugeben. Wer Club-Fan ist (und nicht aus Nürnberg kommt), muss noch lange kein (zahlungswilliger) Morlock-Fan sein. Und: Die, die in der Vergangenheit besonders laut getönt haben, das Nürnberger Stadion müsse unbedingt nach Morlock benannt werden, gehörten nicht gerade zu den Unterstützern der Aktion. Das ist auch eine Blamage für sie.

2. Es ist eben wieder eine Bank - nach der Team-Bank mit ihrem easyCredit-Stadion -, die sich im Sponsoring versucht. Offenbar gibt es viele Vorbehalte in der (fußballaffinen) Bevölkerung gegenüber solch einem Engagement von Geldhäusern.

3. Dass die Finanzierung nur über drei Jahre gesichert gewesen wäre (oder vielleicht ja auch durch Eigenmittel der Bank dann doch noch ist), hat sicher zu dem Ergebnis beigetragen. Zu unsicher erscheint es potenziellen Spendern, wie es danach weitergeht.

4. Der 1. FC Nürnberg hat nicht eben ein ruhmreiches Bild abgegeben in dieser Kampagne. Anders ausgedrückt: Die Club-Spitze ist schlichtweg auf Tauchstation gegangen. Dabei geht es doch um ihren Max Morlock! Das mag verstehen wer will. Schlüssig ist das nicht. Erklärungen von Vereinsseite? Mangelware.

5. Die Wirtschaft, also andere Unternehmen aus Nürnberg, haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Sie hätten sich ruhig auch an dem Crowdfunding beteiligen können. Hier herrscht eine gewisse Ernüchterung in der Stadt über das mangelnde Engagement.

6. Stimmungen sind das eine. Die aber in bare Münze umzusetzen, das andere. Daraus sollte man durchaus Lehren ziehen. Stichwort Volksbad: Sollte es zu einer Wiederbelebung des maroden Bads kommen, wäre es ratsam, die Erwartungen an eine finanzielle Beteiligung der Bürger ganz niedrig anzusetzen.

Jetzt in Häme zu verfallen, weil die Kampagne nicht zum Ziel geführt hat, empfiehlt sich aber nicht. Davon geht die Welt nicht unter. Die Bank hat es versucht. Immerhin. Respekt! Sie wird ihre Lehren daraus ziehen.
Jetzt darf man mit Spannung warten, wie es weitergeht.

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Als das Nürnberger Stadion einmal Victory-Stadium hieß

Das "Max-Morlock-Stadion", der oft geäußerte Wunsch vieler Club-Fans, ist Realität geworden. Die Arena des Altmeisters ist nun nach der Vereinsikone, die Deutschland 1954 in Bern zum Weltmeister machte und für den FCN über 22 Jahre lang Treffer an Treffer reihte, benannt. Doch wie hieß die Spielstätte der Rot-Schwarzen eigentlich früher? Auf jeden Fall vielversprechend: Ausgerechnet Victory-Stadium tauften sie die Amis nach dem Zweiten Weltkrieg.


 

Andreas Franke E-Mail

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