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Mortler in Nürnberg: Drogenersatz statt "Fixerstuben"

Drogenbeauftragte gegen Cannabis-Legalisierung - Spritzen auf Spielplätzen - 18.05.2014 06:00 Uhr

Auch in Nürnberg landen benutzte Spritzen in Sandkästen. Auf diesem Platz sammelt der Verein "Hängematte" sie wieder ein, um die Bevölkerung und die Kinder zu schützen. Denn Drogenkonsumräume gibt es in Bayern nicht. © Hippel


Heimspiele sehen anders aus. Nicht weit von ihrem Wahlkreis Roth/Nürnberger Land muss Marlene Mortler mit bitteren Erkenntnissen klarkommen. Nirgendwo sterben pro 100.000 Einwohner so viele Menschen an ihrem Drogenkonsum wie in Nürnberg. Es habe in den vergangenen Jahren immer wieder "Ausreißer" nach oben gegeben, kommentiert sie den traurigen Rekord. "Wir haben aber auch verlässlichere Zahlen. Anders als in anderen Bundesländern wird in Bayern jedes Opfer, bei dem der Verdacht besteht, obduziert." Sprich: Wenn Drogen schuld waren, wird dies auch erfasst.

Experten sehen verschiedene Ursachen für die steigenden Zahlen: Die leichte Verfügbarkeit von Heroin, der stark schwankende Reinheitsgrad, aber auch der schlechte Gesundheitszustand der Betroffenen. Sorgen macht zudem der zunehmende Konsum der gefährlichen Modedroge Crystal Meth. Auch bei dem Treffen macht Mortler keinen Hehl daraus, dass sie der bayerischen Linie treu bleibt und in sogenannten Fixerstuben keine Lösung sieht. "Drogenkonsumräume bedeuten nicht gleich weniger Tote", sagt sie. "Ich glaube auch nicht, dass sich die Szene dort konzentrieren würde."

Spritzen in der Öffentlichkeit

Den Hinweis von Peter Groß vom Verein "Hängematte", dass durch solche Räume und die Betreuung nicht nur die Abhängigen geschützt wären, sondern auch weniger Spritzen im öffentlichen Raum landen würden, nimmt sie lediglich zur Kenntnis.

Mortler macht keinen Hehl daraus, dass sie in sogenannten Fixerstuben keine Lösung sieht. "Drogenkonsumräume bedeuten nicht gleich weniger Tote", sagt sie. © Stefan Hippel


Doch trotz dieser ablehnenden Haltung empfand Mudra-Geschäftsführer Bertram Wehner das Gespräch mit Marlene Mortler als "angenehm". "Sie zeigte sich sehr offen für die Themen", sagt er. Dennoch stieß er mit seinem erneuten Vorstoß einer möglichen Legalisierung von Cannabis bei ihr auf eine klare Absage, wie auch bei Georg Hopfengärtner. "Wir haben schon genug Probleme mit Drogen", so der Suchtbeauftragte der Stadt.

Diese ziehen weite Kreise. Denn es gibt zu wenig Hilfe. "Wir haben viel zu wenig Entgiftungsplätze", klagt etwa Silvia Kaubisch von "Lilith". Hinzu kommen viel zu wenige Plätze für die Substitution mit Methadon. So berichtet auch Peter Groß von der "Hängematte" von Betroffenen, die fürchten, wieder aus ihrem gewonnenen neuen Leben mit Arbeit zu fliegen, wenn sie die Substitution verlieren. "Das schlägt hohe Wellen." Die Leute hätten wirklich Angst, so Groß.

Bessere Bedingungen für Ärzte

"Wir müssen hier sicher die Rahmenbedingungen ändern. Ärzte sollen keine Angst mehr haben müssen, mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen", sagt Mortler. Die Substitution müsste auch durch das Berufsrecht abgesichert sein, damit sich wieder mehr Mediziner für diesen Bereich finden.

Selbst wenn legale Suchtmittel bei der Diskussion um harte Drogen leicht aus dem Blickfeld geraten, auch mit ihnen wird Mortler bei dem Treffen konfrontiert. Laut Stadtmission haben in Nürnberg über 50.000 Menschen einen riskanten Alkoholkonsum. Es ist ein "großes gesellschaftliches Problem", das viel Leid bei Familien verursacht und auch Kinder ins Unglück stürzt, sagt eine Vertreterin.

Ganz zu schweigen von den etwa 2000 Säuglingen, die jährlich bundesweit alkoholgeschädigt auf die Welt kommen, weil die Mutter während der Schwangerschaft getrunken hatte. Und wer in Nürnberg spielsüchtig ist, der hat es hier besonders schwer, wieder auf die Beine zu kommen. Denn nirgendwo in Bayern ist die Spielhallendichte und damit die Versuchung so groß wie in Nürnberg.
  

Irini Paul (Nürnberger Nachrichten)

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