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David Schweiger öffnet die Glastüre und empfängt strahlend. So läuft das also, wenn der Nürnberger Basketballclub vor Heimspielen zur Pressekonferenz lädt. Weil er das gestern ein erstes Mal gemacht hat, kündigt der Pressesprecher eine Überraschung an. Aus seinem Strahlen wird jedoch ein Grinsen, er verrät sich selbst. Dass der NBC einen Neuzugang präsentiert, ist in dieser Spielzeit längst keine Überraschung mehr, sondern Alltag. Dann aber geht erneut eine Tür auf und plötzlich steht im Konferenzraum kein Geringerer als: LeBron James, der unbestritten derzeit beste Basketballspieler der Welt.
Michael Nunnally erträgt die Begrüßung wie ein Profi, der in den letzten beiden Tagen zu wenig geschlafen hat, ein Profi, der ahnt, dass man die erste Pressekonferenz nicht abbrechen sollte, nur weil ein Journalist meint, einen blöden Witz machen zu müssen. Oder wie ein Mensch, der tatsächlich schon des Öfteren auf die Ähnlichkeit zu LeBron James, dem wertvollsten Spieler der National Basketball Association, dem Millionär und Weltstar, angesprochen wurde. „Einmal wurde ich sogar schon um ein Autogramm gebeten.“ Er sagt das mit einer Ruhe, die nicht allein davon kommen kann, dass er erst am Mittwoch in Nürnberg angekommen ist und seitdem Vertragsunterschriften geleistet, eine kurze Stadtrundfahrt mit David Schweiger genossen, eine erste Trainingseinheit mit seinen neuen Kollegen absolviert und den medizinischen Test bestanden hat. Nunnallys Lässigkeit ist angeboren, er stammt aus Stockton, einer Stadt, die zwar nicht San Francisco, San Diego oder Santa Barbara ist, aber doch immerhin in Kalifornien liegt.
In Stockton hat er im Dezember erstmals erfahren, dass man im fernen Nuremberg Interesse an seinen Diensten hat. Nuremberg, das klang weit weniger exotisch als Wedemark, Takamatsu, Nilan und Junin. „Erstaunliche Geschichten“ habe Nunnally als Basketballprofi in Hannover, Japan, Finnland und Argentinien erlebt, kündigt Martin Ides, der neue Coach des 2,03 Meter großen und 102 Kilogramm schweren athletischen Amerikaners an. Nunnally erzählt diese Geschichten dann aber doch nicht. „Basketball ist überall gleich, egal, wo du spielst.“ Und die Spielerberater, die junge Männer durch die Welt schicken, sind auch überall gleich, wahrscheinlich will Nunnally deshalb nicht darüber reden, was er erlebt hat.
Jetzt ist er wieder im kalten Deutschland, das zählt — und das erste Heimspiel in Nürnberg am Samstagabend (19.30 Uhr) in der Halle am Berliner Platz. Dass er in nur zwei Tagen die dicken Bücher mit den Spielzügen des NBC durcharbeiten muss, genauso wie Zamal Nixon, Dorian McDaniel, Nikita Khartchenkov und Ahmad Smith vor ihm, nimmt er, natürlich, locker. „Das ist nicht mehr High School- oder Universitätsbasketball, das ist Profi-Basketball. Ich weiß schon, was ich auf dem Feld machen muss — und die Spielzüge werde ich auch lernen.“
Seine neuen Kollegen werden das gerne hören, vielleicht entspannt das die Trainingseinheiten künftig ein wenig. „Für die Spieler ging es ja nicht nur darum, die Neuen selbst kennenzulernen“, sagt Ides, „sondern jedes Mal wieder bei null anzufangen. Es war nicht so einfach für sie, die Konzentration aufrecht zu erhalten.“ Für den Trainer sicher auch nicht.
Ides hat in seiner ersten Saison als Hauptverantwortlicher an der Seitenlinie bereits kennengelernt, wie Zweitligabasketball in Deutschland auch funktionieren kann. Ein guter Start, zwei unerwartete Abgänge, eine Niederlagenserie — und plötzlich steht eine neue Mannschaft in der Trainingshalle. „Wenn man sich die Kader der ProA ansieht, muss man sagen, ja, Sir, wir haben eine gute Mannschaft, aber wir müssen aufhören, darüber zu reden und endlich beweisen, dass wir eine gute Mannschaft sind.“ Deshalb lautet die offizielle Version, warum nun auch noch Michael Nunnally geholt wurde (abgesehen davon, dass er Dario Hunt ersetzen soll, der wiederum Cory Abercrombie hatte ersetzen sollen, dann aber die sportärztliche Untersuchung nicht bestanden hat): „Mike soll uns dabei helfen, in der ProA zu bleiben.“
Glücklich ist ein Club, der für eine solche Aufgabe, LeBron James verpflichten kann. Nunnally nimmt auch das locker, er sagt: „Nenn mich Mike LeBron.“
Fr. 17.05.13
Di. 14.05.13
Fr. 10.05.13
Mi. 17.04.13
So. 14.04.13