Donnerstag, 18.10.2018

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Nur das Allernötigste: Frauenhaftanstalt wird erneuert

Leerstehendes Gebäude soll im Herbst wieder genutzt werden können - 03.01.2018 08:15 Uhr

Roland Domes von der Bauverwaltung und JVA-Leiter Thomas Vogt (von links), erklären bei einem Rundgang, was alles modernisiert wird. Die Türen der Gemeinschafts- und Hafträume bleiben, wie sie sind. Erneuert werden aber Heizungen und Fenster. © Roland Fengler


Wer einen Eindruck haben möchte, wie das Raumklima im Winter vor der Sanierung war, begibt sich in die Anstaltskapelle im zweiten Stock des 1889 erbauten Gebäudes: Es ist kalt, durch die mit bunten Mustern versehenen Fenster zieht es. "In der Kirche bleibt aus Gründen des Denkmalschutzes fast alles so, wie es war", berichtet Roland Domes, Technischer Leiter der Bauverwaltung der Justizvollzugsanstalt (JVA) Nürnberg. Nur die Heizkörper und ihre Zuleitungen habe man erneuert, sagt er und zeigt auf die noch in Folie verpackten Neuanschaffungen.

In den Fluren, Haft- und Funktionsräumen des Gebäudes gibt es deutlichere Veränderungen: Neue, massive Holzfenster mit zeitgemäßer Isolation lassen Wind und Kälte nicht ins Haus. In frisch geschlagenen Schlitzen sind neue Rohrleitungen zu erkennen, in allen Räumen hängen moderne, flache Heizkörper.

"Eine Luxussanierung wird das nicht", betont Roland Domes bei einem Rundgang durch das Haus. Er zeigt auf von Zigarettenrauch vergilbte Leuchtröhren an den Decken, Toilettenkabinen und Einbauschränke, die allesamt schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben und nach den Baumaßnahmen weiter genutzt werden. "Erneuert wird nur das Allernötigste", bestätigt auch sein Vorgesetzter, JVA-Leiter Thomas Vogt.

Baumaterialien wie hier Ziegelsteine prägen derzeit das Bild in der Frauenhaftanstalt an der Mannertstraße. Das Gebäude aus dem Jahr 1889 wird zurzeit energetisch saniert. Die Arbeiten dauern noch bis in den Herbst. © Roland Fengler


"Das Allernötigste" in Angriff zu nehmen, war jedoch dringend. Insassinnen und Mitarbeiter beschwerten sich schon lange über die Zustände in dem alten Bauwerk. Bei starkem Wind flogen mitunter die Scheiben aus den Fenstern, erzählen Vogt und Domes. Und die Heizung war ein Relikt aus der frühen Haustechnik-Geschichte: Eine Dampfanlage beheizte unter enormem Energieaufwand und mit hohen Kosten den alten Kasten. Der heiße Dampf wurde durch Metallrohre geleitet, die sich auf bis zu 130 Grad Celsius aufheizten. Immer wieder verbrannten sich Frauen an den heißen Rohren. Belastend für Gefangene und Justizmitarbeiter gleichermaßen waren die lauten Klopfgeräusche, die sich in dem Röhrensystem durch Temperaturschwankungen entwickelten. Was tagsüber nervte, raubte vielen Frauen nachts den Schlaf. Handlungsbedarf bestand auch beim Brandschutz.

Frauen vorübergehend in Männerhaftanstalt

Die 65 Frauen, die vorübergehend in der Männerhaftanstalt untergebracht sind, sollten eigentlich Weihnachten 2017 schon wieder in ihrem alten Domizil verbringen. Allerdings machten unvorhergesehene Schwierigkeiten einen Strich durch die Zeitplanung: Beim Aufschlagen der Wände bemerkten die Bauarbeiter zum Beispiel einen alten und nie sanierten Wasserschaden. Balken waren verfault, dadurch entwickelten sich Probleme mit der Statik. "In einem Altbau ist man nicht vor Überraschungen gefeit. Je mehr man aufhackt, desto mehr kommt zum Vorschein", so der technische Leiter. Die Baukosten stiegen deshalb von ursprünglich 1,48 Millionen Euro auf nun etwas über drei Millionen Euro. Als neuer Bezugstermin wird der kommende Herbst angepeilt.

Der Rück-Umzug der Frauen würde die Belegungssituation bei den Männern verbessern. In der auf 1153 Häftlinge ausgelegten Anstalt herrscht nämlich drangvolle Enge. Erst eine Entlassungswelle zu Weihnachten hat die Situation etwas entspannt. 

Clara Grau E-Mail

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