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Nürnberg: Verhinderte Predigt war kein Einzelfall

Ex-Kultusminister Hans Maier erhielt vom Augsburger Bischof Zdarsa Auftrittsverbot - 05.02.2013 16:30 Uhr

Nürnberg/Bamberg  - Der kirchenkritische Priester Helmut Schüller darf nicht in Nürnberg predigen. Auch der angesehene Ex-Kultusminister Hans Maier durfte sein Buch nicht in kirchlichen Räumen präsentieren. Dabei legen sie den Finger in Wunden, die auch die Bischöfe schmerzen.

Der österreichische Pfarrerinitiativen-Sprecher Helmut Schüller vor einem Plakat mit der Aufschrift "Wir sind Kirche".
Der österreichische Pfarrerinitiativen-Sprecher Helmut Schüller vor einem Plakat mit der Aufschrift "Wir sind Kirche".
Foto: dpa
Der österreichische Pfarrerinitiativen-Sprecher Helmut Schüller vor einem Plakat mit der Aufschrift "Wir sind Kirche".
Der österreichische Pfarrerinitiativen-Sprecher Helmut Schüller vor einem Plakat mit der Aufschrift "Wir sind Kirche".
Foto: dpa

Das Thema Gastfreundschaft spielt in der Bibel eine wichtige Rolle. Heute scheint der Begriff Gastfreundschaft für die katholische Kirche allerdings heikel zu sein. Haben in ihren Räumen nur die Platz, die konformgehen mit den Regeln und Dogmen der Institution?

Das Bistum Eichstätt und das Erzbistum Bamberg haben jedenfalls einen Auftritt des kritischen Priesters Helmut Schüller in der Nürnberger Frauenkirche verhindert. Das erinnert an das Vorgehen des früheren Regensburger Bischofs Gerhard Ludwig Müller. Er ließ nicht zu, dass der hoch angesehene Ex-Kultusminister und frühere Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Hans Maier, in einer kirchlichen Einrichtung auftrat.

Warum? Weil Maier sich für die Organisation «Donum Vitae» einsetzte, die trotz eines Verbots der katholischen Obrigkeit Beratungsscheine an Frauen ausstellt, die zur Abtreibung berechtigen. In seiner Biografie, aus der er eigentlich in Regensburg lesen wollte, verteidigte er sein Engagement für «Donum Vitae». Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa sah das Anfang 2012 ebenso und untersagte der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG) Schwaben, mit Maier eine Lesung im kirchlichen Veranstaltungszentrum Haus St. Ulrich in Augsburg zu veranstalten.

In der katholischen Kirche war das nicht unumstritten - selbst der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, sah sich zu einer öffentlichen Stellungnahme veranlasst. Er betonte, dass es ein «generelles Auftrittsverbot» für Hans Maier in der katholischen Kirche nicht gebe und dass er den Mann sehr schätze. Das war leicht als indirekte Kritik an den Kollegen Zdarsa und Müller zu interpretieren.

«Unser Pfarrer ist eine Frau! Mehr als nur ein Traum?»


Nicht so im Fall der Nürnberger Fastenpredigten. Schüller ist in vielen Diözesen ein alles andere als gern gesehener Gast. Ihm in einem Wortgottesdienst im Rahmen einer Fastenpredigtreihe ein Forum zu bieten war ein besonders heikles Unterfangen. Womöglich wäre der Ärger ausgeblieben, hätte man Schüller lediglich zu einer Diskussionsrunde eingeladen.

Aber der Kirchenkritiker aus Österreich, der mit seinem «Aufruf zum Ungehorsam» europaweit Schlagzeilen gemacht hat, sollte predigen. Und die Regensburger Kirchenrechtsprofessorin Sabine Demel sollte zu diesem Thema sprechen: «Unser Pfarrer ist eine Frau! Mehr als nur ein Traum?»

Die Bistümer Eichstätt und Bamberg - in ihren Gebieten liegt Nürnberg - intervenierten. Das konservative Online-Portal kath.net schrieb erfreut, die Bischöfe Gregor Maria Hanke und Ludwig Schick hätten eine «Helmut Schüller-Show» verhindert.

Dabei legen Schüller und seine Mitstreiter den Finger in die Wunde, die auch die Bistümer heftig schmerzt: Der Mangel an Priestern ist groß. Natürlich sind da die bekannten Forderungen nach dem Ende des Zölibats und der Weihe für Frauen. Aber der «Aufruf zum Ungehorsam» ist auch der Aufschrei überforderter Priester, die mehrere Gemeinden zugleich betreuen müssen, nur noch von einem Gottesdienst zum nächsten hetzen und für die Seelsorge kaum noch Zeit haben.

Ein Vorschlag der Nürnberger Stadtkirche, im Anschluss an die Fastenpredigt eine Diskussion zu organisieren, fand kein Gehör in Bamberg und Eichstätt. «Wer primär provoziert, spaltet und trägt nicht zum Fortschritt bei», schreibt der Bamberger Generalvikar Georg Kestel über Schüller. Zugleich räumte das Erzbistum ein, dass viel Wirbel entstanden sei und viele Gläubige mit «Unverständnis» reagiert hätten. «Aber eine Fastenpredigt ist kein Forum für kirchenpolitische Aktionen», betont Kestel. 

dpa


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