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Nürnberger Grünen-Chef Ralph Hoffmann schmeißt hin

51-Jähriger legte Vorsitz nieder und trat aus Partei aus - 05.04.2014 05:58 Uhr

Verlässt enttäuscht die Grünen: Vorsitzender Ralph Hoffmann. © Michael Matejka


Hoffmann, der 2010 zum Vorsitzenden gewählt wurde, schmiss am Ende der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend ohne Vorankündigung alles hin. Seine Reaktion lässt auf Verärgerung schließen, doch über seine Motive rätseln auch seine Mitvorsitzende, Verena Osgyan, und der Fraktionschef der Grünen im Rathaus, Achim Mletzko. "Das muss wohl ein längerer Prozess gewesen sein", mutmaßt Osgyan, die zwar mit ihm noch kurz nach dem Rücktritt geredet, aber auch keine Gründe erfahren hat. Offiziell ist die Rede von "persönlichen Gründen". "Wir lassen ihn ungern gehen, weil wir seine Arbeit geschätzt haben", bedauert die Landtagsabgeordnete seine Entscheidung.

Hoffmann (51), seit 2003 Mitglied der Grünen und dem Fundi-Flügel zuzurechnen, verlässt die Partei in den Koalitionsverhandlungen mit der SPD. Auch wenn Osgyan an den Gesprächsrunden beteiligt ist, kommt dieser Schritt zur Unzeit für die Partei. Über seine Gründe kann man nur spekulieren, da der Nürnberger auch für die Redaktion nicht zu erreichen war. Er hatte bei der Nominierung für die Stadtratsliste auf Platz 4 kandidiert, war dann aber auf den 10. Listenplatz durchgereicht worden. Eine herbe Enttäuschung für den selbstständigen Kaufmann. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er nur, dass der Schritt "sehr gründlich" überlegt sei, spätestens seit der Aufstellungsversammlung. Aus Loyalität habe er bis nach der Wahl gewartet.

Hoffmann ist erklärter Gegner des Ausbaus des Frankenschnellwegs. Vielleicht hat ihn geärgert, dass Mletzko einen Verzicht nicht mehr als Voraussetzung für eine Koalition mit der SPD gemacht hat, was auch andere Parteimitglieder wurmt.

Der studierte Theologe, Philosoph und Wirtschaftswissenschaftler hatte nach seinem Rücktritt noch am Abend auf Facebook gepostet: "Soeben habe ich meinen Austritt aus B’90/Die GRÜNEN erklärt." Vor der Sitzung setzte er dort bereits ein Zitat von Martin Luther King ab: "Um Feinde zu bekommen, ist es nicht nötig, den Krieg zu erklären; es reicht, wenn man einfach sagt, was man denkt." Noch ist offen, ob ein Nachfolger vorzeitig gewählt oder bis zur Jahreshauptversammlung im Juni gewartet wird. 

ANDREAS FRANKE

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