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Nürnberger Kollektiv fordert: Flüchtlinge ins Quelle-Areal

Netzwerk bescheinigt 250.000-Quadratmeter-Riesen "ideale Bedingungen" - 27.10.2014 19:49 Uhr

Ziehen aufs Quelle-Areal bald Asylbewerber? Ein Kreativennetzwerk befeuert nun diese Idee. © Stefan Hippel


Das Quelle-Areal schläft, seit Jahren. "Ein Dornröschenschlaf", wie das Quellkollektiv, ein Netzwerk von Künstlern und Kreativen aus Nürnberg sagt. Werkstätten, Ateliers, Studios: Sie nutzen das ehemalige Versandzentrum, allerdings nur zu einem Bruchteil. Der Großteil der etwa 250.000 Quadratmeter steht leer.

Nun forciert das Quellkollektiv eine Idee, die schon seit Monaten kursiert. In den leeren Hallen und Büros soll eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. "Wir fordern die Verantwortlichen auf, gegen diesen Missstand jetzt zu handeln und unterstützen die Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge im ehemaligen Quelle-Versandhaus", heißt es in einem Offenen Brief, der am Freitag veröffentlicht wurde.

"Jedoch scheint es uns geradezu paradox, dass ein derart großes Gebäude einen Dornröschenschlaf schläft, darauf wartend dass sein portugiesischer Prinz es wach küsst, um seine zweifelhaften Pläne von Drive-In-Lofts, Lichthöfen und weiteren seelenlosen Einkaufszentren in die Wirklichkeit umzusetzen und damit eine wunderschöne Immobilienblase in Eberhardshof zu erschaffen."

Derzeit wird das Quelle-Areal stückchenweise verkauft. Eine Option hat sich die portugisische Investmentfirma Sonae Sierra gesichert, ein großes Einkaufszentrum und eine Umgestaltung des Areals sind dort im Gespräch. Sicher ist bislang nur: Am ehemaligen Versandzentrum sollen über 300 Wohnungen entstehen, außerdem ist ein kleinerer Park geplant. Für einen Großteil des 250.000-Quadratmeter-Riesen gibt es jedoch noch keine konkreten Pläne.

Nun also eine Asylbewerberunterkunft? "Die technische Instandhaltung ist voll gewährleistet, Heizung, Wasser und Sanitäranlagen sind ganzjährig in Betrieb", so der Wortlaut des Offenen Briefes weiter. "Sanitäranlagen waren im Quellegebäude für Tausende von Mitarbeitern ausgelegt und sind größtenteils nur mangels Nutzung stillgelegt." Insgesamt "ideale Bedingungen", sagt das Netzwerk.

Erst im September wurde die Initiative "Wir kaufen die Quelle" ins Leben gerufen. Über Crowdfunding will sie 25 Millionen Euro sammeln - und eine "Stadt in der Stadt" erschaffen. Dort sollen Gemeinschaftsräume, Werkstätten und kulturelle Einrichtungen entstehen. Ein Biotop für "alternative Lebensentwürfe und Gesellschaftsformen".

Derzeit wird das Quelle-Areal auch für Dauerausstellungen genutzt, etwa für Gunther von Hagens Plastinaten-Schau "Körperwelten". Zuvor war dort die weltberühmte "Tutanchamun"-Ausstellung zu Gast.

Bilderstrecke zum Thema

Quelle: Ein Rundgang durch die ehemalige "Versandmaschine"

Ein Rundgang durch das zweitgrößte leerstehende Gebäude Deutschlands im Dezember 2012.


 

tl

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