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Nürnberger Polizist bewältigt die härtesten Touren Europas

Carsten Stegner ist auf den anspruchvollsten Ultratrails der Welt unterwegs - 15.08.2015 17:44 Uhr

Frankens schnellster Polizist bewältigt den Tromsø Skyrace in Norwegen, den gefährlichsten Ultrarailweg der Welt. Kurz darauf wurde er Gesamtsieger des Tierra Arctic Ultra in Schweden, welchen er mit einer hervorragenden Zeit von 14:17 Stunden absolvierte. © pr


Der Tromsø Skyrace war buchstäblich eine "Gradwanderung für Kopf und Körper. "An beiden Seiten ging es mehrere Hundert Meter steil bergab", berichtet der 40-jährige Polizeibeamte, der erst im April die Deutsche Meisterschaft im 100 km Straßenlauf gewonnen hatte. Und damit nicht genug. Bei dem Rennen in Norwegen musste auch der Gipfel des Hamperokken bezwungen werden – durchaus anspruchsvoll selbst für Bergsteiger.

Stegner hatte auf 45 Kilometer über 4.400 Höhenmeter sowohl im Auf- als auch im Abstieg zu laufen. "Bei Nebel, Nieselregen und glitschigen Felsen, war das mit Laufschuhen mehr als eine Herausforderung", schließlich mussten steil abfallende Schneefelder, lose Geröllsteine, mehrere Bachdurchquerungen und viel wegloses alpines Gelände bewältigt werden. Das war für viele Starter zuviel. Jeder dritte Läufer gab vorzeitig das Rennen auf.

Der Nürnberger Polizist bewältigt den Tromsø Skyrace in Norwegen, den wohl schwierigsten und auch gefährlichsten Ultratrail der Welt. Dabei musste der Franke über steinige Felswände und sich über tiefe Schluchten hinweg bewegen. © pr


Die Eckdaten des Tierra Arctic Ultra im Nachbarland Schweden, den Stegner dann wenige Tage nach dem schweren Rennen anging, ließen die Vermutung zu, dass sich dieser Traillauf deutlich leichter laufen ließe, als das Tromsø Skyrace. Denn immerhin waren hier „nur“ 2.500 Höhenmeter zu bewältigen, die sich allerdings über 120 km verteilen.

Hiken in Lappland statt Pause

Doch anstatt die Füße nach dem schweren Rennen hochzulegen, wanderte der 40-jährige Nürnberger mit über 25 kg Rucksack durch die traumhafte Gegend Lapplands, schlief im Zelt – unter anderem am klarsten See Schwedens, dem Trollsjön, in absolut menschenleerer Gegend – und verhielt sich somit ganz anders als vor einem anstehenden Wettkampf.

Am Renntag hieß es dann um zwei Uhr aufstehen, Zelt abbauen, Campingfrühstück einnehmen. Um vier Uhr wurden die Teilnehmer mit Bussen vom Rande der Zivilisation in Kiruna in die „Wildnis“ Lapplands nach Nikkaluokta gefahren. Um sechs Uhr erfolgte dort der Start der 100 und 120 km. Für beide Strecken war das Zeitlimit auf 24 Stunden beschränkt.

Carsten Stegner: "Ich meldete mich für die 120 km, so konnte ich noch mehr dieser unglaublichen Landschaft erleben, hier ging es über 600 Höhenmeter zum Tarfala, einen Talkessel in dem drei Gletscher enden und noch zwei weitere Male zweigte man vom eigentlichen Kungsleden ab und sammelte Höhenmeter und neue Eindrücke."

Schon nach kurzer Zeit wurde Carstens Weg sehr steinig, so dass man sich sehr auf seine einzelnen Laufschritte konzentrieren musste. Das besondere an diesem Rennen war, so Stegner, dass die Strecke nicht markiert ist, sondern die Teilnehmer eine Karte bekamen, in welcher die Strecke eingezeichnet war, in der Natur fanden sich dagegen oft nur Trittspuren oder spärliche Markierungen des Kungsleden im Ödland, von Weg war hin und wieder keine Spur.

"Problematisch konnte es werden, wenn man dem gut gekennzeichneten Winterwanderweg folgte; bei Durchschnittstemperaturen von zehn bis siebzehn Grad Frost im Winter, gelangt man hier im Sommer in unüberbrückbare Sumpf- und Wasserlandschaften, die einen großen Umweg bedeuten.

Schwerer Rucksack

"Auch was die Verpflegung betrifft, ist man auf sich alleine gestellt", berichtet Stegner, der in seiner Heimat als Frankens schnellster Polizist gilt. Die ca. 10.000 kcal die bei diesem Rennen verbraucht werden, müssen selbst mitgeführt werden, wodurch der Laufrucksack ein Gewicht von über sieben Kg verbucht. "Einzig die Wasserversorgung ist weniger problematisch, sämtliche fließende Gewässer führen Wasser in bester Trinkwasserqualität."

Während es beim Start noch leicht nieselte, zeigte sich das Wetter bald mit ca. 15 Grad Celsius und blauem Himmel von seiner besten Seite. "120 km durch absolut menschenleere Natur forderten ein besonderes Maß an Selbstdisziplin und man muss sich immer wieder neu motivieren. Gedanken, wie, dass es keinerlei andere Möglichkeit gibt in die Zivilisation zu kommen, als das Rennen zu Ende zu laufen oder was passiert, wenn man plötzlich „völlig leer“ ist, darf man nicht zulassen", weiß Stegner.

Eiskalter Fluss

Der schwer zu laufende Untergrund erforderte ohnehin ein Höchstmaß an Disziplin. Immer wieder mussten Bäche oder gar Flüsse durchquert werden. Ab km 20 liefen die Teilnehmer schon mit nassen Füßen. "Ich motivierte mich ständig mit dieser grandiosen Landschaft, die ich durchlaufen durfte und dass ich nach wie vor auf Platz 1 des Rennens lief."

"Gewonnen und verloren wird zwischen den Ohren, sagte mir eine Bekannte vor meinem Gewinn der Deutschen Meisterschaft", schmunzelt Stegner. Leider hat sich dieses Motto beim Ultralauf für den sympathischen Sportler bewahrheitet: "Obwohl die letzten 30 km tendenziell bergab führen, waren diese nochmal besonders hart. Nicht zu wissen wie groß der Vorsprung ist, der wahnsinnig schlecht zu laufende Untergrund, die große Gefahr, sich beim jedem Schritt zu verletzen, da die Muskulatur nach über zehn Stunden Lauf bereits längst völlig erschöpft ist und die Möglichkeit einen falschen Weg einzuschlagen zehren am Nervenkostüm."

Nach einem letzten Downhill tauchte der Sportler in den Nationalpark Abisko ein und folgte den letzten zehn km dem Fluss zum Endpunkt des Kungsleden an der Touriststation Abisko. Nach 14:17 Stunden überquerte Stegner dort die Ziellinie als Gesamtsieger der 120 km des Tierra Arctic Ultra; der Zweitplatzierte des 100 km Rennens war nur wenig vor dem Läufer aus Nürnberg.

Jetzt stehen für Carsten Stegner einige Tage Regeneration an. Die Zeit zum Erholen ist allerdings kurz. "Es geht nun weiter mit der Vorbereitung für die 100 km Weltmeisterschaft in Holland." 

pe

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