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Nürnberger Stadtgespräch: Hitzige Debatte zum Thema Asyl

230 Menschen diskutierten Folgen des Flüchtlingszustroms - 13.02.2015 11:26 Uhr

230 Menschen haben am Donnerstagabend mit Innenminister Joachim Herrmann über die Auswirkungen des Flüchtlingszustroms gesprochen. © Eduard Weigert


Denn die Lager platzen schon wieder aus allen Nähten: Die erst am 1. Januar eröffnete dritte bayerische Zentrale Aufnahmeeinrichtung (ZAE) in Deggendorf sei bereits nach sechs Wochen bereits wieder am Rande ihrer Kapazitäten, berichtete der Diakon Werner Pfingstgraef, der für die Rummelsberger Diakonie Flüchtlinge betreut. „Und von Montag bis Mittwoch mussten die Mitarbeiter in der ZAE Zirndorf 560 Flüchtlinge aufnehmen – das ist nicht mehr leistbar, die stehen mit dem Rücken zur Wand“.

Entspannung ist also auch im neuen Jahr nicht in Sicht – nachdem Deutschland bereits 2014 mit rund 200.000 Asylbewerbern so viele Flüchtlingen wie seit Mitte der 90er Jahre schon nicht mehr aufgenommen hat. Genau aus diesem Grund hatten die drei Veranstalter des Nürnberger Stadtgespräch – das Caritas-Pirkheimer-Haus, das Bildungszentrum der Stadt Nürnberg und die Nürnberger Nachrichten – auch dieses heiße Eisen unter dem Motto „Neue Heimat Deutschland?“ auf die Tagesordnung gesetzt.

Innenminister Herrmann führt die auch im neuen Jahr angespannte Lage vor allem auf den seit zwei Monaten massiv zunehmenden Zustrom von Menschen aus dem Kosovo zurückführte. „Wir hätten das Problem nicht, wenn die Kosovaren nicht von Schleusern verführt worden wären, nach Deutschland zu kommen“, meinte der CSU-Politiker.

Missbrauch, so Herrmann, müsse man auch beim Namen nennen dürfen. Und gerade der massive Zuzug der Kosovaren sei ein massiver Missbrauch des deutschen Asylrechtes, denn gerade mal drei von 1000 Migranten aus dem Balkanstaat würden anerkannt. „Wenn wir die vielen Asylbewerber nicht hier hätten, die keinen Asylgrund haben, dann hätten wir mehr Platz für die anderen.“

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"Diffuse Ängste" in der Bevölkerung

Etwa Alexander Thal vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Diese Menschen nehmen ein Grundrecht in Anspruch, aber gerade bei den Flüchtlingen vom Balkan wird nicht ordentlich geprüft, ob es nicht doch Fluchtgründe gibt. Das geht gar nicht“, schimpft der Asylexperte. „Wir dürfen nicht in gute Flüchtlingen aus Syrien und böse vom Balkan trennen, das schürt nur neue Ängste in der Bevölkerung“, mahnte Thal.

Die öffentliche Wahrnehmung des Flüchtlingsproblems ist ein Punkt, der auch Franziska Holzschuh wichtig ist. Die Reporterin der Nürnberger Nachrichten hat in den vergangenen Jahren immer wieder aus Asylbewerberunterkünften berichtet, aus kleinen Orten, die viele Flüchtlinge aufnehmen mussten, aber auch aus Dresden von den Pegida-Demonstrationen. Sie sieht „eine eher positive Grundstimmung“ der Deutschen gegenüber Asylbewerbern.

Noch. Denn neben den vielen beispielhaften Initiativen zur Aufnahme der Schutzsuchenden existierten auch „diffuse Ängste“ in der Bevölkerung. „Und die müssen Politik wie Medien ernstnehmen – sonst kippt die Stimmung irgendwann.“

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Armin Jelenik Nürnberger Nachrichten

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