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Nürnbergs Sportler des Jahres ist Maximilian Müller

Der zweifache Hockey-Olympiasieger kämpft für bessere Bedingungen für Spitzensportler - 04.01.2013 12:00 Uhr

Nürnberg  - Wir haben auch diesmal nicht gewählt, sondern Nürnbergs Sportler des Jahres bestimmt - völlig undurchsichtig und undemokratisch. Und die Entscheidung war einfach: Max Müller ist zweifacher Hockey-Olympiasieger - und unser Sportler des Jahres.

Maximilian Müller (rechts) bejubelt die Goldmedaille der deutschen Hockey-Herren.
Maximilian Müller (rechts) bejubelt die Goldmedaille der deutschen Hockey-Herren.
Foto: dapd
Maximilian Müller (rechts) bejubelt die Goldmedaille der deutschen Hockey-Herren.
Maximilian Müller (rechts) bejubelt die Goldmedaille der deutschen Hockey-Herren.
Foto: dapd

Max Müller war gekommen, um ein wenig mit dem Bürgermeister zu streiten. Erledigt hatte sich das dann spätestens im Vorzimmer des schönsten Büros im Nürnberger Rathaus. Horst Förther, zuständig auch für den Sport in der Stadt, ist sehr stolz auf sein Arbeitszimmer, alles holzvertäfelt, der Blick geht auf Sebalduskirche und Bratwursthäusle. Wirklich sehr nett, sehr Nürnbergisch. Man will hier eigentlich nicht streiten, zumal zum sehr netten und sehr holzvertäfelten Zimmer mit dem schönen Ausblick ja auch noch der sehr nette Herr Förther gehört — und ein Vorzimmer, in dem an diesem Tag im August zwei Damen den seit kurzem doppelten Hockey-Olympiasieger Max Müller erwarten. Der Empfang ist herzlich, Müller galant — und nach dieser Begrüßung schon etwas weniger streitlustig.


Müller war eingeladen zu einer Aussprache. Auf Initiative der Nürnberger Nachrichten wollten sich Förther und Müller über das unterhalten, was die Abendzeitung unter der Überschrift „Käpt’n Max sauer auf Nürnberger Politiker“ zusammengefasst hatte. Dass er da eben in London zum zweiten Mal nach 2008 Olympiasieger geworden war, so hatte das Müller nach seiner Rückkehr nach Nürnberg gesagt, hatte mit der Stadt, in der er geboren ist, aber wirklich nichts zu tun, im Gegenteil. Müller hatte geschimpft mit seiner Stadt, die zwar auch außerhalb des Förther’schen Büros sehr schön sein kann, die aber eben auch eine ist, in der man kaum Geld findet, um einen Spitzensportler ausreichend zu unterstützen.

Als sie sich dann gegenübersaßen, der doppelte Olympiasieger und der nette Sportbürgermeister, war von dem Zorn nicht mehr viel zu spüren. Es entspann sich ein sehr schönes Gespräch, das am Ende aber im Ungefähren blieb.

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Mutiger Anführer

Konkret sind die Meinungen meist nur dann, wenn es um Müllers Rolle in der Hockeynation geht. In der Berliner Zeitung haben sie ihn als den „wunderbaren Gegenentwurf“ bezeichnet. Ein Gegenentwurf zu dem, was man sich bis dahin in Sportdeutschland unter einem Anführer vorgestellt hatte. 21 Jahre war Müller alt, als er von seinen Mitspielern zum Kapitän der Nationalmannschaft gemacht wurde. Dass sich einer mutig und polternd in jede Auseinandersetzung wirft — so hatte die Öffentlichkeit ihre Anführer, zumal im Sport, gerne. Müller sagte kurz nach seiner Wahl „Ich habe doch solche Angst vor Spritzen.“

Auch in die Auseinandersetzung mit Förther warf sich Müller nicht — weil er weiß, dass ein Sportbürgermeister unter finanziellen Zwängen agiert, weil er weiß, dass das kein Kampf ist zwischen ihm und der Stadt. Müller ist ein Diplomat, einer der gut reden kann und reifer wirkt als die meisten anderen 25-Jährigen. Müller war höflich und bestimmt.

Erfolgreiche Idealisten

Er machte auch nicht den Eindruck, als würde da ein Egoist für sich kämpfen, Müller will die Bedingungen aller potenziellen Spitzensportler in der Stadt verbessern. Er selbst hat es auch so geschafft, ohne die große Unterstützung. „Den Olympiasieger Max Müller, den hat er selbst gemacht“, sagt sein Vater Martin Müller. „Ich bin wahnsinnig zielorientiert“, sagt Max Müller. Auf dem Weg zum Ziel „zweites Olympia-Gold“ war er oft alleine mit seinem Vereinskollegen Christopher Wesely, ebenfalls ein Nationalspieler und ein Wegbegleiter Müllers seit Hockey-Kindertagen beim Nürnberger HTC.

Gemeinsam haben sie in den Fluren der Halle am Berliner Platz die Grundlagen gelegt für ihre Olympia-Form. Eine adäquate Halle stand in Nürnberg nicht zur Verfügung. Sie haben sich, wenn sie gerade nicht auf einem der vielen Lehrgänge des Deutschen Hockey-Bundes waren, in Eigenregie vorbereitet auf dieses sportliche Großereignis Olympische Spiele. Sie kenne das kaum anders: Hockeyspieler müssen Idealisten sein, sie müssen sich ihre Zeit einteilen, die Belastung von Studium oder Beruf mit der des Spitzensportlers vereinbaren — und dürfen nicht damit rechnen, dass ihnen das jemand dankt. „Hockeyspieler sind die wahren Profis“, sagt der ehemalige Bundestrainer Bernhard Peters.

Max Müller ist der Anführer dieser Profis. Ein Anführer, der sich in der Öffentlichkeit für sie einsetzt ohne eben nur zornig und laut zu wirken. Zuletzt hat er sich in der FAZ darüber beklagt, dass nur die 16 in London eingesetzten Spieler Prämien von der Sporthilfe oder das Silberne Lorbeerblatt bekommen haben, nicht aber die zwei Ersatzleute, die außerhalb des Olympischen Dorfes warten mussten, ob einer ausfällt, damit sie nachrücken können.

Müller ist ein neuer Anführer in einem Sportdeutschland, in dem immer noch nicht klar ist, ob sein Rollenentwurf Normalität wird. Hierarchien scheinen an Bedeutung zu verlieren. Müller sagt, dass das vor allem mit der Zusammensetzung der Mannschaft zu tun hat, manchmal braucht es auch Häuptlinge.

Dass ihm die Kapitänsbinde zu Beginn seiner Karriere zu groß war, sagt Müller auch. Er war erst 21, man könnte das also verstehen. Aber Müller meint nicht die Bürde des Amtes: Sein Vorgänger hatte einfach die dickeren Oberarme. Nach einer Pause vom Sport ist Timo Wess, dem diese Oberarme gehören, kurz vor den Spielen zurückgekommen in die Nationalmannschaft. Müller sollte dennoch ihr Anführer bleiben, darauf hatten sich die beiden schnell verständigt.


Lange wird er seine Rolle nicht mehr spielen: 2014 ist Müller mit seinem Studium fertig, er wird dann als Sportökonom arbeiten, will Geld verdienen. Nicht nur Horst Förther wird ihn dann vermissen, unseren Sportler des Jahres 2012.

Ehrenvolle Erwähnungen

In einer Welt ohne Max Müller wären sie selbstverständliche Sportler des Jahres. Der Hockeyspieler Christopher Wesley und der Taekwondoka Servet Tazegül stammen aus Nürnberg, sie haben in diesem Sommer Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen — und müssen doch noch ein Jahr lang warten, ehe sie vielleicht in dieser Rubrik ausführlicher Erwähnung finden.
  

FADI KEBLAWI


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