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Online-Bezahlmodell bietet den Lesern viele Vorteile

Inhalte sind nur günstig, wenn sie parallel auch werbefinanziert sind - 22.06.2018 08:03 Uhr

Für ein Ende der "Gratiskultur" im Internet plädierte Walter Hauser von der Kleinen Zeitung aus Graz beim Forum Lokaljournalismus in Nürnberg. © Michael Matejka


Wer U-Bahn fährt, sieht heute kaum noch Menschen, die eine Zeitung lesen. Dafür starren viele auf ihr Smartphone mit Spielen, Facebook, Twitter und Instagram. Jede Menge kostenloser Zeitvertreib. Warum also für Onlineangebote von Regionalzeitungen bezahlen? Weil diese für ihre Leser konkrete Probleme lösen, meint Walter Hauser von der Kleinen Zeitung im österreichischen Graz.

Bei der Kleinen Zeitung wird - im Gegensatz zu den meisten anderen Regionalmedien auch in Deutschland - mit dem Online-Angebot Geld verdient. Doch warum sind die Leser in Graz und Umgebung bereit, dafür zu zahlen? "Sie bekommen als Medium Geld, wenn Sie Probleme lösen", antwortet Hauser. Denn die Menschen hätten ein Grundbedürfnis danach, informiert zu sein. Und das, was in einer Tageszeitung von Hunderten Redakteuren täglich recherchiert und aufbereitet werde, könne man unmöglich alles selber googeln. 

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Keine "Katze im Sack"

Außerdem könnten es Regionalzeitungen schaffen, die Filterblasen und Algorithmen von Facebook oder Google zu durchbrechen, in denen die Leute sonst gefangen bleiben würden. Zeitungsredakteure brächten lange Erfahrung im Priorisieren, Hinterfragen und Zusammenstellen von Informationen mit. Das ist aus Sicht von Hauser "ein echter Nutzen für den Leser. Nicht für jedermann, aber für viele, viele Menschen." Der Mehrwert, den Tageszeitungsredaktionen erarbeiten, zeige sich besonders, wenn Politiker von Donald Trump bis hin zum Kleinstadtbürgermeister ihre eigene Kommunikationskanäle etwa in sozialen Netzwerken bespielen: "Dort bekommen Sie nur eine einzige Sichtweise." 

Doch was, wenn man auf der Suche nach Informationen auf eine Bezahlschranke stößt, bei der man nach dem Motto "Katze im Sack" nicht weiß, ob sich eine Zahlung für das Angebot lohnen wird? "Wir verkaufen nichts an der Pay-Wall", sagt Hauser über die Kleine Zeitung. Die Leser hätten die Möglichkeit, die nicht frei verfügbaren Online-Inhalte nach einer persönlichen Registrierung erst einmal vier Wochen lang gratis zu testen.

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"Sie können das, was Sie gerade lesen wollten, also lesen. Darüber hinaus können Sie in Ruhe schauen: Was ist alles im Sack drinnen. Und wenn’s einem nicht gefällt, dann passiert auch nichts." Das Digital-Abo werde - im Gegensatz zum gängigen Modell in der Branche - am Ende des kostenlosen Testzeitraums nicht automatisch kostenpflichtig verlängert.

Die Kleine Zeitung versuche auch nicht, einzelne Artikel häppchenweise zu verkaufen, sondern treue Online-Abonnenten zu gewinnen. Dazu biete man Lesern der gedruckten Zeitung an, auf ein Online-Abo zu wechseln und dabei noch Geld zu sparen: Ein komplettes Digital-Abo kostet 18,99 Euro im Monat - inklusive einer gedruckten Wochenend-Ausgabe. Der Bezug der gedruckten Tageszeitung kostet monatlich 28,50 Euro. 

Zwei Einnahmequellen

Auf Werbeeinblendungen verzichtet die Kleine Zeitung auch hinter ihrer Pay-Wall nicht. Hier gelte das gleiche Prinzip wie bei der gedruckten Zeitung: "Die ist nur deswegen erschwinglich, weil die Verlage zwei Einnahmequellen haben." Neben den Verkaufserlösen von den Lesern sind das die Anzeigenkunden. Online-Inhalte könnten nur günstig angeboten werden, wenn sie parallel auch werbefinanziert seien, so Hauser.

Das Modell der Kleinen Zeitung "ist nicht das einzige richtige," meint Walter Hauser selbstkritisch, auch wenn der Erfolg sichtbar sei. Täglich erreiche das Medium 270.000 Onlineleser. Das entspreche einer digitalen Reichweite von 20 Prozent in Österreich. Das Grundprinzip, Online-Nutzer bezahlen zu lassen, sei allerdings "ohne Alternative": "Sie können nicht Kunden zahlen lassen für Inhalte, die auf Papier gedruckt werden, und auf der anderen Seite Inhalte gratis konsumieren lassen, die Sie ins Netz stellen."

Das 24. Forum Lokaljournalismus wird unterstützt von den Unternehmen Nürnberg Messe, Nürnberger Versicherung, Datev und Sparkasse Nürnberg.

  

Martin Regner

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