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Pfadfinder übernehmen schon früh Verantwortung

Nomi Pourian leitete bereits mit 13 Jahren eine Kindergruppe - Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit - 30.11.2016 07:00 Uhr

Nomi Pourian vom Pfadfinderstamm Sigena. © Michael Matejka


Das blau-gelbe Tuch ist immer dabei: Zu einem dicken Strang zusammengerollt und an den Enden zusammengeknotet, hängt es wie eine Kette um Nomi Pourians Hals, daran baumeln diverse Anhänger: etwa eine Holzbanane - das Namensschild aus einem Lager. Eine Plakette mit einer Gitarre - die Siegestrophäe nach einem Singwettstreit. Ein zusammengerollter Zettel, darauf in kleiner, enger Schrift - es fiel ihr ja so viel ein - eine Liste: Warum Nomi Pourian nach so vielen Jahren immer noch begeisterte Pfadfinderin ist.

Tolle Gemeinschaft

Es ist eine tolle Gemeinschaft, steht da drauf. Oder: Ich mag es, mit den anderen etwas zu unternehmen. Die Zeltlager, die Treffen mit anderen Gruppen. Nomi Pourian, ein 18-jähriges Mädchen, das gerne und viel lacht, kann auch heute einiges aufzählen.

Doch einen Punkt hebt sie besonders vor: "Es gibt viele Jugendorganisationen, bei denen doch Erwachsene die Hände drüberhalten", sagt sie. "Bei uns sind jedoch die Kinder unabhängig." Jugend führt Jugend, heißt das Prinzip. Der älteste Nürnberger Pfadfinder ist 23 Jahre alt, bald wird er aus Altersgründen die Gruppe verlassen. Es gibt keinen übergeordneten Träger, der immer mal wieder guckt, ob alles im Lot ist, keine Erwachsenen, die die vermeintlich schweren Aufgaben übernehmen. Pfadfinder erziehen sich früh zur Selbstständigkeit.

Auch Nomi Pourian. Mit sechs Jahren kam sie zu der Organisation, die nach eigenen Angaben nur in fünf Staaten der Erde keine Verbände hat - in Andorra, der Volksrepublik China, Kuba, Laos und Nordkorea. Allein in Deutschland gibt es mehr als 260 000 Pfadfinder, die sich regelmäßig in ihren Stämmen - also örtlichen Gruppen - treffen.

Nomi Pourian gehört zum Stamm Sigena, der Nürnberger Gruppe. Sie fängt bei den Kleinsten, den Wölflingen, an, mag die Gruppenstunden und die Ferienfahrten. Und die Freundschaften, die sie hier knüpft. Als sie älter wurde, beschränkten die sich nicht mehr nur auf ihren Stamm. Sie reiste auf Landestreffen und vernetzte sich mit anderen Pfadfindern aus ganz Bayern.

Schnell übernahm Nomi Pourian Verantwortung: Mit 13 Jahren leitete sie bereits eine Kinder-Gruppe, die Teilnehmer waren mitunter nur ein Jahr jünger als sie selber. Sie organisiert die wöchentlichen Treffen, denkt sich Spiele aus, geht mit den Kindern in den Wald, macht Geländespiele. Und passt auf die kleinen Pfadfinder auf. Ganz allein wird sie dabei nicht gelassen, ältere Mitglieder (auch wenn die gerade mal an der Schwelle zum Erwachsenwerden sind) stehen mit Rat zur Seite. Dennoch, "das ist schon ein Schritt".

Geholfen hat ihr dabei wohl die Gelassenheit der Eltern. Die Mutter war selbst bei den Pfadfindern und wusste, dass die kindliche Selbstverwaltung durchaus funktioniert. Die kleine Nomi genoss die Freiheit, "dadurch fühlen sich Kinder ernst genommen". Und sie hat ja schon an ihren Vorgängern gesehen, dass auch ein Teenager die Aufgabe bewältigen kann und nicht ständig einen Aufpasser braucht. Gemäß der Pfadfinder-Philosophie: Kleine Abenteuer gehören zum Alltag, nicht immer kann man alles sofort - vieles aber lernen. Die Kinder sollen Raum und Zeit bekommen, ihre eigenen Stärken zu entdecken und zu entwickeln.

Wenige Jahre später wurde Nomi Pourian an die Spitze ihres Stammes gewählt: Mit 17 Jahren leitete sie - unterstützt von ihren Vorstandskollegen - die Nürnberger Gruppe. Seitdem ist sie für die komplette Planung verantwortlich: Organisation des traditionellen Pfingstlagers und des Hüttenwochenendes, Abwickeln der Bürokratie, Überblick über die Gruppen behalten. Viel Arbeit und nicht immer leicht zu stemmen - etwa, als sie Abitur vergangenen Sommer schrieb, oder jetzt, wo sie in München ein Praktikum macht - doch Pourian ist mit Leidenschaft Pfadfinderin.

Von Vorurteilen genervt

Auch wenn sie manchmal von dem Bild, das viele von der Organisation haben, ein wenig genervt ist. Kekse - wie Tick, Trick und Track in den Donald-Duck-Comics - verkaufen Pfadfinder nämlich nicht. Aber was ist mit dem Prinzip "Jeden Tag eine gute Tat", gilt das? Da lächelt Pourian. Stimmt schon. Auch wenn der Satz nicht ganz wörtlich zu nehmen ist. Vielmehr gehe es darum, anderen prinzipiell zu helfen und beizustehen. Und in diesem Sinn ist Pourian gerne Pfadfinderin - auch wenn das ein Vorurteil bestätigt. Aber ein positives.

Mit "EhrenWert" zeichnen die Stadt Nürnberg und die Universa-Versicherungen mit Unterstützung der Nürnberger Nachrichten monatlich eine(n) Ehrenamtliche(n) aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung aus. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Bei Fragen können sich Interessierte per E-Mail an ehrenwert@stadt.nuernberg.de wenden - oder auch per Telefon unter (09 11) 2 31- 33 26. Vorschläge für Preisträger sind erwünscht. Weitere Infos: www.universa.de/ehrenwert 

Franziska Holzschuh

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