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Projekt Feuerkinder: Nürnberger Chefärztin hilft in Tansania

Dr. Annemarie Schraml engagiert sich seit 15 Jahren in Ostafrika - 27.08.2014 15:49 Uhr

Die Chirurgin trägt beim 19. Einsatz in Tansania einen kleinen Patienten aus dem OP im Nkoaranga-Krankenhaus. © oh


Bei ihrem 19. Einsatz konnte sie erneut mit Operationen Kindern neue Lebensperspektiven eröffnen und bei diesem Aufenthalt schöne Fortschritte der Initiative feststellen, die Dr. Heinz Giering ergriffen hatte. Im Jahr 2000 war der damalige Oberarzt der Anästhesie in Rummelsberg bei einem Urlaub in Tansania vom örtlichen Berufsbildungswerk um Unterstützung gebeten worden.

Beim ersten Einsatz mit Dr. Annemarie Schraml sei allen Beteiligten rasch klar gewesen, wie groß der Bedarf an medizinischer Hilfe war. So etablierte sich als feste Einrichtung, was ursprünglich als einmalige Aktion geplant war, sind die Anfänge des Projektes „Feuerkinder“ beschrieben.

Von Jahr zu Jahr sei die Zahl der Operationen während des Aufenthalts in Tansania gestiegen und dabei immer deutlicher geworden, dass nur Hilfe zur Selbsthilfe nachhaltige Verbesserungen bringen würde. „So wurden im Lauf der Zeit nicht nur das medizinische Equipment finanziert, sondern auch die Krankenhausgebäude renoviert, die Infrastruktur der Region gefördert, einheimische Fachkräfte ausgebildet“, wird die Entwicklung mit den Früchten geschildert, die beeindruckten und zugleich bewegten.

Mit einem Team von Facharztkolleginnen, einem, Anästhesisten, einer OP-Schwester sowie einer Lehrerin für Heilberufe war nun Dr. Annemarie Schraml, Spezialistin der Kinderorthopädie, zum 19. Einsatz im Nkoaranga-Krankenhaus im Norden Tansanias. Dort war das Team nach ihrer Schilderung durch viele tansanische Mitarbeiter aus dem Usa River Reha Center und des Nkoaranga-Lutheran Hospitals unterstützt worden, die gerade in die Nachbehandlung der operierten Patienten eng eingebunden waren und sehr engagiert gewesen seien.

86 OP's in zehn Tagen

Dr. Schraml berichtet: An zehn Operationstagen wurden 86, meist ausgedehnte und 28 doppelseitige Operationen, darunter 23 Klumpfußoperationen aller Schweregrade und 24 Achskorrekturen bei ausgedehnten Fehlstellungen durchgeführt“. Fast 200 Patienten seien ambulant, viele Kinder aus großen Entfernungen gebracht worden.

Sehr eindrucksvoll sei gewesen, dass Dr. Kiwesa, dem die Ausbildung in Orthopädie / Unfallchirurgie ermöglicht worden war, jetzt Patienten mit Knochenbrüchen bisher noch ohne Röntgenbildverstärker operativ versorge, so die Chefärztin der Klinik Hallerwiese. Insgesamt sei die Entwicklung des Nkoaranga-Krankenhauses sehr erfreulich.

Bis aus 1000 Kilometer Entfernung kommen Eltern mit ihren Kindern. In einer Familie mussten sechs Kinder mit Klumpfüßen operiert werden. © on


Der zweite Arzt, dem derzeit die Fachausbildung zum Allgemeinchirurgen in Tansania finanziert werde, habe es auf den Punkt gebracht; „Sie haben mit Ihrer Unterstützung den Samen gelegt und wir haben nun die Verpflichtung, die Saat aufgehen zu lassen.“

Für Dr. Schraml war es nach ihrer Schilderung „sehr bewegend, die Früchte der 15-jährigen Arbeit zu sehen“. Höchst erfolgreich und nachhaltig werde vom fünfköpfigen Team unter der Leitung von Trine Heim die Klumpfußbehandlung nach Ponseti durchgeführt. Die erforderliche kleine Operation nach Abschluss der Gipsbehandlung mache die junge Ärztin Godnester Mungure, die im letzten Februar zur Ausbildung in Deutschland gewesen sei. In Herzogenaurach und Erlangen sei sie an dem von Siemens zur Verfügung gestellten Ultraschallgerät ausgebildet worden.

Sie führe jetzt im Nkoaranga-Krankenhaus täglich bei internistischen und gynäkologischen Patienten Ultraschalluntersuchungen durch. Dadurch sei die Diagnostik am Krankenhaus sehr verbessert worden, berichtete Dr. Annermarie Schraml, die sich überzeugen konnte, dass die Kollegin auch die operativen Eingriffe, gerade bei den kleinen Klumpfußkindern excellent ausführe.

Neue Lebensperspektiven

Besonders erfreulich war es für die Chirurgin aus Nürnberg gewesen, “einige Patienten wieder zu sehen, die schon vor Jahren operiert worden waren und deren Leben und Zukunftsaussichten sich wesentlich verbessert haben. Etliche Kinder und Jugendliche, die gehunfähig waren, können nun gehen, konnten die Schule besuchen und im Reha-Center Usa River einen Beruf erlernen und können sich jetzt den Lebensunterhalt selbst verdienen. Für acht Jugendliche und auch Betreuer werden derzeit die Kosten für die Ausbildung und Unterbringung übernommen“.

Chefärztin Dr. Annemarie Schramm (r.), Leiterin der Abteilung Kinderorthopädie, bei der Visite in der Nürnberger Klinik Hallerwiese. © Harald Munzinger


Als Ziel der gesamten Arbeit und aller Bemühungen bezeichnet es Dr. Schraml, “dass behinderte Kinder gehen und die Arme und Beine benutzen können, eine Schule besuchen und einen Beruf erlernen können, um der Spirale der Armut entrinnen zu können. Das zweite Ziel ist die Ausbildung und Schulung einheimischer Mitarbeiter“.

Über viele Beispiele wertvoller Hilfe kann Dr. Annemarie Schraml berichten. Wie etwa über gehunfähige Kinder, die im Wortsinn große Fortschritte machten oder über Mama Sofia, die wieder mit ihren zwei jüngsten Kindern - mit Sofia, die vor 10 Jahren operiert worden war und der kleinen Annemarie - zum Nkoaranga-Krankenhaus kam. Für die Witwe, die damals mit ihren fünf Kindern in einem Ziegenstall leben musste, war vor acht Jahren das erste kleine Haus gebaut worden und es werden weiterhin das Schulgeld sowie weitere Unterstützung übernommen.

Bitte um weitere Unterstützung

Mit großen Hoffnungen, dass dem spastisch gelähmten 15-jährigen Mathias geholfen werden könne, wurde er von seiner Mutter aus 1000 km Entfernung ins Nkoaranga-Krankenhaus gebracht. Mit zwei Beinschienen, Unterarmstützen sowie krankengymnastischer Unterstützung erlernte Mathias das aufrechte Gehen. Ab Herbst 2014 würde Mathias gerne eine Schneiderlehre im Reha-Center Usa River machen. Seine Mutter und die gesamte Familie sind aber so arm, dass sie die dreijährige Ausbildung nicht bezahlen können. Dr. Annemarie Schraml bittet daher besonders auch um Unterstützung von Mathias und um Übernahme der Jahrespatenschaft von 1100 Euro.

Sie hofft auch auf weitere Unterstützung in Franken, um die laufenden Kosten für Ausbildung, Löhne, Fahrgelder, Unterbringung und Ernährung tragen und den nächsten Einsatz Ende September 2014 organisieren zu können. Denn so erfreulich die gesamte Entwicklung und Ausweitung des Feuerkinder-Projektes ist, sie bedeutet auch einen deutlichen Anstieg der Kosten.

Hohe Anerkennung erfuhr die Chefärztin aus Nürnberg beim letzten Einsatz in Tansania von Bischof Paolo Akyoo. Sie hatte ihn vor zehn Jahren nach einer schwersten Unterschenkelfraktur operiert. Dass er absolut beschwerdefrei gehen und seinen Beruf weiter ausüben könne, verdankte er Dr. Annemarie Schraml.

Wer ihre Arbeit unterstützen will, kann dies über folgendes Spendenkonto tun:

Tansania Stiftung - Feuerkinder
Evangelische Kreditgenossenschaft Kassel
Bankleitzahl: 520 604 10
Kontonummer: 103 509 982 

Hjm

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