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Protest in Nürnberg: "Afghanistan ist nicht sicher"

Pflegefamilie: "Wir haben Angst, dass unser Sohn auch abgeschoben wird" - 11.02.2017 15:13 Uhr

Hunderte demonstrierten vor der Nürnberger Lorenzkirche für Bleiberecht und gegen Abschiebungen nach Afghanistan. © Stefan Hippel


"Keine Abschiebung nach Afghanistan" - unter diesem Motto hat der Bayerische Flüchtlingsrat vor die Nürnberger Lorenzkirche zur Protestdemo eingeladen - und mehrere Hundert kamen, darunter auch zahlreiche Asylbewerber aus dem Land am Hindukusch. Etliche Betroffene hatten bereits ihre Ablehnung als Asylbewerber in der Tasche. Die Kundgebungen fanden deutschlandweit in 18 Städten statt - als Solidaritätstag mit den afghanischen Flüchtlingen.

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"Da ist Krieg": Nürnberg protestiert gegen Afghanistan-Abschiebungen

Das Auswärtige Amt warnt vor Urlauben, laut Bundesregierung ist Afghanistan aber seit kurzem ein sogenanntes "sicheres Herkunftsland". Heißt: In das Land, das vom Krieg geplagt ist, darf abgeschoben werden. In Nürnberg wächst der Protest.


"Das Land ist nicht sicher, seit 39 Jahren gibt es dort Krieg. Und die Lage hat sich gerade in jüngster Zeit drastisch verschlechtert", rief Markus Schuler von der "Karawane" ins Mikrofon, "es ist beschämend, dass das Auswärtige Amt eine Reisewarnung an Urlauber für Afghanistan ausspricht und die Bundesregierung gleichzeitig abschiebt." Er sprach von Todesdrohungen gegenüber heimkehrenden Flüchtlingen und Zwangsrekrutierungen für radikale Kräfte. Bombenanschläge sogar in Kabul machten deutlich, dass das Land von Taliban, IS, Al Kaida und anderen Extremisten nach wie vor zerrissen ist.

"Es hätte auch uns treffen können"

Susanne Philipp aus Rednitzhembach hat einen afghanischen Jugendlichen als Pflegekind neben ihren drei leiblichen Kindern in die Familie aufgenommen. "Wir haben Angst, dass unser Sohn auch abgeschoben wird. Das wäre schrecklich für uns alle", erklärt die engagierte Fränkin, "wir hatten das Glück, hier in Deutschland geboren zu sein. Es hätte auch uns treffen können, in einem Land mit Krieg und Terror leben zu müssen." Philipp appellierte, Verantwortung zu übernehmen. Jedes Leben sei zu schützen, denn die Menschenwürde sei laut Grundgesetz unantastbar.

Und diese Menschenwürde sei auch nicht auf Deutsche beschränkt, sie gelte für alle Menschen, ergänzte ein weiterer Redner. Auf Transparenten  wurden faire Asylverfahren gefordert: "Keine Hau-Ab-Prämien, Asylgesetz nicht beugen", hatte ein Demonstrant handschriftlich auf einen Karton geschrieben. Auch die Partei "Die Linken" und "Ärzte gegen den Atomkrieg" unterstützten den Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan. 

Hartmut Voigt

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