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Randale an Nürnberger Schule: "Es ging richtig zur Sache"

Aussagen einiger Eltern und Schüler: Schule soll Vorfall verharmlost haben - 15.06.2018 05:54 Uhr

Die Randale in der Veit-Stoß-Realschule im Nordosten Nürnbergs eskalierte nach Aussagen einiger Eltern und Schüler. © Michael Matejka


So harmlos, wie es jetzt die Schule darstellt, sei es nicht gewesen. "Es ging richtig zur Sache", sagt eine Schülermutter, die am vergangenen Freitag hautnah miterlebt hat, wie die Situation auf dem Sommerfest der Veit-Stoß-Realschule eskalierte. Schon am Nachmittag habe sich eine der Gruppen auf dem Schulgelände aufgehalten – zunächst ruhig und unauffällig. Das änderte sich schlagartig, als eine zweite Gruppe von geschätzt ebenfalls 20 Personen vor der Schule auftauchte. "Sie haben um sich geschlagen und getreten", sagt die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Anders als von der Schulleitung beschrieben, seien sehr wohl noch fast alle Schüler vor Ort gewesen. Sie selbst habe das Geschehen als "unheimlich respekteinflößend" empfunden. Ihr jüngerer Sohn, der nicht auf die Realschule geht, habe hyperventiliert, viele Kinder hätten geweint. Einige Schläger sind laut der Beobachterin zunächst in Richtung Nordostbahnhof geflohen und zum Teil weiter aufeinander losgegangen. Es habe mehrere Verletzte gegeben, auch unter den Lehrern und Eltern, die dazwischengehen wollten. Später kamen vier junge Männer zurück. Gezielt suchten sie nach Schülern, die ihrer Ansicht nach bei der Polizei gepetzt hatten, als diese Augenzeugen befragte.

Drohungen und Angst

Nach Ansicht der Schülermutter handelt es sich bei den an dem Vorfall Beteiligten um zwei rivalisierende Jugendbanden. Wenn man in der Gegend wohnt, wisse man, dass es zwei Jugendgangs in Schoppershof und rund um den Nordostbahnhof gebe. Ihr älterer Sohn habe seit dem Vorfall Angst, dass erneut etwas passieren könnte. Auch weil einer gedroht habe: "Wir kommen mit 200 Mann wieder."

Dass seit Montag zwei Sicherheitskräfte vor dem Schulhaus stehen, beruhigt die Mutter nicht wirklich. "Schon beim Fest waren ja zwei Securitys anwesend. Aber für die Menge an Leuten war das einfach zu wenig. Die waren völlig überfordert, genauso wie die Schulleitung." Insgesamt hätte die Schule die Situation völlig unterschätzt.

Ermittlungen laufen weiter

Ähnlich drastisch schildert ein Sechstklässler die Vorfälle. Ein Lehrer sei gewürgt worden, ein anderer habe einen Tritt gegen die Brust erhalten. Ein Vater sei zu Boden gefallen und habe sich am Fuß verletzt, so dass er stark blutete. Das Schulgelände sei kurzzeitig von der Polizei abgeriegelt und keine Schüler nach draußen gelassen worden.

"Wir haben im Unterricht darüber geredet", sagt der Zwölfjährige und ergänzt: "Ich fürchte mich jetzt nicht, aber ein paar Schüler schon." Seine Mutter gibt sich derweil gelassen: "Ich bin nicht beunruhigt. So etwas kann überall passieren."

Ob tatsächlich Banden oder Gangs im Nürnberger Nordosten verantwortlich sind, ist laut Polizei unklar. "Dazu ist uns nichts bekannt, die Ermittlungen laufen aber weiter", erklärt Sprecher Bert Rauenbusch.

  

Johannes Handl Lokalredaktion E-Mail

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