Dienstag, 11.12.2018

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"Riesiges Potenzial": Nürnberg verträgt mehr Spitzensport

Studie befasst sich mit Großsportveranstaltungen in der Stadt - 10.07.2018 05:56 Uhr

Sport vor einer traumhaften Kulisse: Die Region hat so einiges an Events zu bieten. © Roland Fengler


Sport bewegt. Das gilt nicht nur für alle, die selbst dem Ball hinterher- oder die Laufstrecke entlangrennen. Sondern auch für ihr Publikum. Gerade Großsportveranstaltungen bewegen Massen, sagt auch Hans-Peter Mayer, "und das ist nachgewiesen". Er ist Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Erding und kennt Studien, die das belegen. Eine hat ergeben, "dass 20 Prozent aller Deutschen eine Großsportveranstaltung als Grund für eine private Reise angeben".

Jeder Fünfte also ist unterwegs, um sich ein Sportereignis anzuschauen oder daran teilzunehmen. Was das für Nürnberg bedeutet, hat Mayer zusammen mit Tobias Haupt und Patricia Seitz untersucht und der Sportkommission des Stadtrats vorgestellt. Ein Ergebnis: bitte mehr davon! Für die Untersuchung wurde Nürnberg mit Hamburg, Stuttgart und Dresden verglichen und schneidet bei der Qualität der Veranstaltungen gut ab (als Zweiter hinter Hamburg). Bei der Anzahl aber sehen die Gutachter Luft nach oben. Auch weil die Zahl der Sportevents 2018 gegenüber dem Vorjahr abgenommen hat: Weder der Red Bull District Ride gastiert heuer in der Stadt noch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft.

Dabei sind es gerade solche Veranstaltungen, die besonders gut ankommen. Als Grundlage haben die Experten Faktoren wie ökonomische Wirkung, Modernität, Nachhaltigkeit und Kommunikationswirkung untersucht. District Ride und Länderspiele landen hier weit vorne, nur von eSport-Events, bei denen am Computer gegeneinander angetreten wird, oder BMX- und Skateboard-Freestyle-Veranstaltungen versprechen sich die Gutachter noch mehr Wirkung. Auch ein Tough Mudder - ein Extrem-Hindernislauf durch Matsch oder ein Eisbecken - oder die Austragung der Special Olympics können sich die Experten für Nürnberg vorstellen.

Nürnberg hat guten Ruf

Die setzen den Fokus auf eine Zielgruppe bis 29 Jahre, weil Nürnberg laut dem Stadtmarken-Monitor von 2015 dort jetzt schon einen guten Ruf hat (Platz 4 von 49 deutschen Städten) und die Zielgruppe hilft, "als innovative Stadt wahrgenommen zu werden und so weitere junge Menschen anzuziehen", sagt Hans-Peter Mayer. Was wiederum eine Wirkung auf die Bürger und ihr Lebensgefühl habe. Auch die Identifikation mit Nürnberg soll durch solche Veranstaltungen gestärkt werden - so die Empfehlung des Gutachtens. Außerdem soll die Wirtschafts- und Innovationskraft der Stadt wahrgenommen werden - durch gezieltes Marketing.

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"Großsportveranstaltungen haben eine riesige Reichweite", erklärt Mayer, weshalb sich andere Städte darum sehr bemühen: In Stuttgart sind Mitarbeiter auf vier Vollzeitstellen für das Thema Sportveranstaltungen zuständig, in Nürnberg ist nur eine Viertelstelle im Haushalt eingeplant. In Großsportveranstaltungen investiert Stuttgart drei Millionen, Nürnberg nur 1,2 Millionen Euro. Das sollte sich laut Gutachten ändern: Neben einer Modernisierung des Max-Morlock-Stadions ("um die Attraktivität aufzuwerten") schlagen die Gutachter vor, dass die Stadt aktiv auf die Ausrichter solcher Sportevents, besonders bei Zuschauerevents wie zum Beispiel Handball-Länderspiele oder Beach Soccer, zugeht. Eine Mischung aus einzelnen und wiederkehrenden Veranstaltungen wäre wünschenswert - und mehr Stellen in der Verwaltung, auch im Bereich Sponsoring.

Ökonomisch wertvoll

Denn: Das Potenzial, Sponsoren für Sportevents zu akquirieren, ist in Nürnberg sehr hoch. Von 27 befragten Unternehmen finden 69 Prozent, dass in der Stadt mehr große Sportveranstaltungen durchgeführt werden sollten. 13 Firmen können sich vorstellen, solche Ereignisse zu unterstützen.

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Für Klemens Gsell wird dadurch vor allem eines deutlich: "Das Potenzial ist riesig - und das Thema muss raus aus der Sportecke und in großer Runde diskutiert werden: Wie gehen wir damit um?" Für Nürnbergs Sportbürgermeister ist das Thema genauso eine Sache für Stadtplanung, Tourismus und Marketing. Für SPD-Stadtrat Nasser Ahmed zeigt das Gutachten: Die Events sind nicht nur "nice to have", sondern wichtig für die Stadt. Und Ökonomisch wertvoll, "nur hat uns das immer keiner geglaubt". 

Timo Schickler

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