Freitag, 16.11.2018

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Samurai-Spiel mit dem Mann vom "Tatort"

Ercan Karacay als Lehrer beim Schauspiel-Workshop des Filmbüros Franken — Das perfekte Franken-R kann er noch - 26.03.2018 17:59 Uhr

Ko-Trainerin Svetlana Belesova (links) vom Staatstheater und Ercan Karacay (2. v. r.) in Aktion: Im Künstlerhaus gaben die Profis einen Schauspiel-Workshop, bei dem mit virtuellen Schwertern gekämpft wurde. © Foto: Edgar Pfrogner


Kai kann man sich als den perfekten Film-Bösewicht vorstellen. Starrer Blick, kaltes, schnell verlöschendes Lächeln, der schmale 16-Jährige hat etwas Düsteres an sich. Er will vielleicht Schauspieler werden, so einer wie der kleine drahtige Mann mit den lebhaften schwarzen Augen, der in der Mitte des Parketts Regie führt.

Ercan Karacay dirigiert die acht Frauen und Männer freundlich, aber bestimmt durch den Raum. "Mach mal alleine", fordert er eine der Älteren auf, die sich erst kichernd wehrt und sich dann zwischen Klatschen und Stampfen restlos verheddert. Erste Lektion: Was einfach aussieht, muss nicht einfach sein.

Der 50-Jährige ("Dreiviertelmond", "Sommer in Orange", "Hindafing"), der in Nürnberg aufgewachsen ist, weiß selbst, wie schwer aller Anfang ist. An der Uhlandschule, wo ihn eine zugewandte Horterzieherin früh zum Spielen ermutigte, baute er seinen Quali, absolvierte dann eine Buchbinderlehre ("Das war richtig schlimm") und wollte auf dem Nürnberg-Kolleg das Abi nachholen.

Dass es nicht dazu kam, lag an seinem "dringenden Bedürfnis, Geschichten zu erzählen". Statt fürs Abitur entschied sich der Deutsch-Türke deshalb für die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München. Was ihm der Beruf gibt? "Alles!" Karacay, der in München lebt, muss keine Sekunde nachdenken. Ob er noch reden kann wie früher? "Fraalich", mühelos rollt ihm ein perfektes fränkisches R über die Zunge.

Dass sein Talent auch im Pädagogischen liegt, zeigt er bei Workshops wie diesem, den das Filmbüro Franken organisiert hat. Jetzt: das Samurai-Spiel. Mit erhobenen Armen müssen die Schüler einen Schwertkampf simulieren, im Wechsel reaktionsschnell "Hi, ha, ho" rufen. Sie kämpfen nacheinander auf den knarzenden Dielen. Wer Fehler macht, fliegt raus. Am Ende sind nur Karacay und
die Nürnberger Staatstheater-Schauspielerin Svetlana Belesova (30) übrig, die heute als Ko-Trainerin mithilft.

Nach zehn Jahren als stummer Komparse will Teilnehmer Jürgen Freund (40) endlich den Mund aufmachen dürfen. Der Mann, der im richtigen Leben Verkäufer ist, war schon im Januar-Kurs mit Karacay dabei; jetzt will er das Sprechen üben, um Chancen als Kleindarsteller zu haben. 90 Euro investieren die Schüler in den Tag auf den Brettern, die so unwiderstehlich locken. Es geht los, in Zweiergruppen haben sie in der Pause kurze Sketche geschrieben. "Wer fängt an?" Es sind noch so viele Geschichten zu erzählen.

Mehr Informationen unter www.filmakademie-nuernberg.de 

CLAUDINE STAUBER

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