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Selbst ist die Frau: Rockende Frösche

Teil drei unserer Serie stellt eine Designerin vor - 04.03.2014

Sarah Heike in ihrem Mini-Lädchen in der Katharinengasse. Die Gründerin des Kindermodelabels Frogroggas macht vom Entwurf über den Schnitt bis hin zu Marketing und Verkauf alles selbst. © Yvonne Neckermann


Vor dreieinhalb Jahren stand die Absolventin der Internationalen Modeschule ESMOD München vor einem Problem: In der Region um Nürnberg gibt es wenig berufliche Perspektiven für Designer, aus privaten Gründen wollte die damals 25-Jährige jedoch nicht in Mode-Metropolen wie Düsseldorf oder Hamburg ziehen.

In der Designabteilung war Sarah Heike außerdem nie so recht glücklich. „Das war mir nicht kreativ genug, ich möchte nicht nur entwerfen, sondern meine Mode auch selber nähen“, erzählt sie. Ihr Traum: Ein eigenes Label. Anbieten wollte sie bunte und außergewöhnliche Kleidung für Kinder, da dies bereits während des Studiums ihr Schwerpunkt war.

Der Entschluss für den Schritt in die Selbstständigkeit fiel ihr leicht. „Ich habe mir gedacht, ich mache das jetzt oder nie, solange ich noch keine Familie und Kinder zu versorgen habe.“

Um Kosten und Risiken so niedrig wie möglich zu halten, arbeitete sie zunächst von ihrer Privatwohnung aus. Zunächst half ihr neun Monate lang der Gründungszuschuss der Arbeitsagentur, der aus dem erworbenen Arbeitslosengeldanspruch zuzüglich eines Versicherungszuschusses von 300 € besteht, ihr Unternehmen an den Start zu bringen.

 Sperriger Name

Ihr Label, dessen Name sich aus dem englischen Wort für Frosch und der fränkischen Aussprache des Begriffs „Rocker“ zusammensetzt, steht für freche, peppige Farben und Muster auf kindgerechten, bequemen Materialien, die häufig sogar Bio- und Ökosiegel tragen. Den Begriff hat eine Kollegin von Sarah Heike geprägt. „Ich habe immer Figuren mit vier Knubbel-Fingern und großen Köpfen gezeichnet, und als ich dann einmal eine recht rockige Kollektion entworfen habe, hat meine Kollegin gesagt ‚Du mit Deinen Frogroggas‘.“

Obwohl der Begriff recht sperrig ist, wurde er für Sarah Heike zum Erfolgsrezept. „Die Leute fragen mich häufig, was der Name bedeutet oder wie man ihn ausspricht, so kommen wir automatisch ins Gespräch“, sagt sie.

 Anfangs zog Sarah Heike mit einem Verkaufsstand über verschiedene Märkte in der Region und vertrieb ihre Kleidung zusätzlich über das Online-Portal dawanda. Durch Mundpropaganda wuchs ihr Kundenkreis. „Irgendwann hat es mich dann aber doch gestört, dass die Verkaufsgespräche immer in meinem Wohnzimmer stattfanden“, erinnert sie sich an ihre Anfänge.

Per Zufall wurde ihr Anfang 2011 das mit 16 Quadratmetern kleine, aber feine Ladenlokal in der Katharinengasse schräg gegenüber des Multiplex-Kinos Cinecittà angeboten. Bevor sie den Mietvertrag unterschrieb, musste sie allerdings erst einmal gründlich rechnen und die Vor- und Nachteile des Standorts abwägen.

Auf Laufkundschaft gesetzt

 „Durch die Miete sind meine Betriebskosten gestiegen, das muss ich durch höheren Umsatz ausgleichen. Die Frage war: „Traue ich mir das zu?“ Sarah Heike war optimistisch: „Ich treffe viele Entscheidungen nicht nur rational, sondern immer auch ein wenig aus dem Bauch heraus.“

Außerdem hoffte sie, dass das benachbarte Kino und die Bibliothek für Laufkundschaft sorgen würden. Um weitere Einnahmen zu generieren, begann Sarah Heike damit, auf Kommissionsbasis unter anderem auch Schuhe, Spielzeug und Stillkissen anderer Designerinnen zu vertreiben.

 Die Strategie ging auf. Im Juni 2013 konnte Sarah Heike ihre Räumlichkeiten vergrößern, das neben ihrem Laden gelegene Geschäft mieten und zu einem Atelier umfunktionieren.

Schwerpunkt auf Kleinkinder

 Seit der Eröffnung hat sich aber auch ihr Sortiment der Nachfrage angepasst. „Am Anfang habe ich Mode für Schulkinder gemacht, also aufwendigere Kleidchen oder Hemden, mittlerweile konzentriere ich mich auf Babys und Kleinkinder“, erläutert sie. Dabei entwirft sie keine ganzen Kollektionen, sondern Outfits und bietet auch Einzelanfertigung an.

 Die Stücke des Labels Frogroggas sind mittlerweile besonders als Geschenke zur Geburt oder Taufe gefragt.  Ihre Zielgruppe sind Kunden, die sich bewusst gegen den Einkauf bei Textil-Discountern entscheiden und das Besondere suchen. Die Hosen und Shirts von Frogroggas kosten je nach Modell 20 bis 40 €, die Jacken etwas mehr.

 Mittlerweile hat Sarah Heikes Ein-Frau-Label viele Stammkunden und verzeichnet von Jahr zu Jahr Umsatzzuwächse. „Meine Preise sind recht knapp kalkuliert, damit die Kleidung bezahlbar bleibt“, erläutert sie: „Mein Ziel ist, meinen Kunden gute Qualität zu bieten und selber von meinen Einnahmen leben zu können.“

Dass sie dafür etwas mehr arbeiten muss als eine normale Angestellte, nimmt sie gern in Kauf.  Zur Unterstützung beschäftigt sie hin und wieder Modestudenten als Praktikanten. In Zukunft will sich die 29-Jährige weitere Vertriebswege erschließen. Konkrete Pläne sind schon vorhanden. „Ich arbeite im Augenblick daran, eine Webseite einzurichten“, berichtet sie.


  

VON YVONNE NECKERMANN

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